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Kapitel 1

Author: Fran
last update publish date: 2026-07-01 12:55:09

Saure Zitrone

„Lassen Sie mich los! Ich habe Ihnen doch schon gesagt, dass ich keine Begleitdame bin, Sir!“, fauchte ich und versuchte, meinen Arm loszureißen, doch sein Griff war so fest, dass er wehtat.

„Aber du bist jeden Tag hier und schleichst wie ein kleines Füchschen um uns herum. Wo ist da schon der Unterschied? Du musst nur tanzen – aber dieses Mal in meinem Bett.“ Gelächter ertönte von den anderen Tischen. Wütend riss ich mich los und zischte voller Gift:

Mit Schweinen wie dir gehe ich nicht ins Bett!

Ich griff nach einem Glas vom Tisch und schleuderte es ihm ins Gesicht.

„Schweine? Verfluchte Hure! Ein kleines Luder, das glaubt, den Mund aufreißen zu dürfen. Wie kannst du es wagen, elende Schlampe!“

Er schlug mir mit voller Wucht ins Gesicht. Ein stechender Schmerz fuhr mir durchs Jochbein. Als ich erschrocken zurückwich, prallte ich gegen eine harte Brust. Eine Hand legte sich auf meine Schulter, und als ich aufsah, konnte ich trotz der Dunkelheit, der flackernden Lichter und der dröhnenden Musik nur den kalten Blick eines Mannes erkennen.

„Du versperrst den Weg. Geh zur Seite.“

Der Betrunkene ließ seine erhobene Faust sinken und taumelte einen Schritt zurück.

„Oder vielleicht räume ich den Weg selbst frei. Hier laufen ohnehin zu viele Bastarde herum.“

Der Mann machte einen Schritt nach vorn. Im nächsten Augenblick traf seine Faust das Gesicht des Dicken. Mit einem Krachen stürzte der Tisch um, während der Kerl bewusstlos zu Boden ging. Sofort eilten mehrere Gäste herbei. Einer der Türsteher trat zu dem imposanten Fremden und reichte ihm ein Taschentuch, damit er sich säubern konnte. Er strich sich gelassen das Sakko glatt, während überall Gemurmel aufkam.

„Verdammter Mistkerl!“, brüllte der Dicke vom Boden.

Ich streckte ihm den Mittelfinger entgegen und wandte mich dann an den Mann, der eingegriffen hatte.

„Entschuldigen Sie, Sir... bleiben Sie für die Vorstellung?“

Einen Moment lang sah er mich an. Seine Gesichtszüge konnte ich nicht erkennen, doch sein elektrisierender Blick war unmöglich zu übersehen. Er ließ ein kurzes, spöttisches Lachen hören.

„Ich bin nicht so verzweifelt, einer Prostituierten Aufmerksamkeit zu schenken...“

Er drängte sich an mir vorbei, streifte dabei meinen Arm und ging weiter, gefolgt von zwei Männern.

„Du bist sowieso nicht mein Typ, du saure Zitrone!“

Er blieb stehen und drehte sich um. Ich streckte ihm die Zunge heraus.

„Idiot!“

Dann rannte ich schnell in die Garderobe.

۞

„Àngels, Süße, in fünfzehn Minuten bist du dran“, sagte Quincy und steckte den Kopf in die Garderobe.

Er zwinkerte mir zu, und ich warf ihm einen Luftkuss zu. Plötzlich stürmte Pechy herein und riss zusammen mit den anderen Mädchen die Tür auf.

„Ach, Baby, sei doch nicht immer so grob. Mit dieser Einstellung wird kein Geldregen auf dich niedergehen. Du solltest dir Àngels zum Vorbild nehmen.“

Sie warf mir einen verächtlichen Blick zu und gesellte sich zu den anderen, die sich schminkten.

„Sag mir nicht, wie ich meinen Job machen soll, du billige Tunte fünfter Klasse!“, fauchte sie und ließ sich auf den Stuhl fallen.

Quincy warf ihr einen letzten Blick voller Verachtung zu. Sie begann, Geldscheine aus ihrem Ausschnitt, ihren Strümpfen und den Strumpfhaltern zu ziehen – nicht einmal hundert Dollar. Ich wandte mich wieder meinem Make-up zu.

„Schlechte Nacht gehabt, Pechy?“, fragte ich mit gespielter Unschuld, während ich Rouge auftrug.

Ich wusste, dass sie mich vom ersten Tag an hasste. Nie würde ich vergessen, wie sie meinen Absatz absichtlich zerbrochen hatte, damit ich vor all den reichen Snobs auf der Bühne stürzte und sie über mich lachen konnten.

„Heute sind nicht viele Kunden da, und Madame hat mir den Seidentanz nicht gegeben. Es ist eben schwer, immer diejenige zu sein, die glänzt. Also hör auf, innerlich zu grinsen, du stinkende Bäuerin – du hast gar nichts gewonnen“, schnappte sie und zog ihren dunkelroten Lippenstift auf.

„Ich habe doch gar nichts gesagt. Aber du kannst gerne zusehen, was diese ‚stinkende Bäuerin‘ alles kann.“

Ich zwinkerte ihr zu, stand auf und ging in Richtung Bühne. Das Raunen der Männer, die auf mich warteten, war deutlich zu hören.

Dann musste ich wieder an diesen bitteren Mann denken.

Ich wollte seine Aufmerksamkeit.

Ich wollte ihn verrückt machen.

Ich wollte, dass er bereute, mich erniedrigt zu haben.

Er war nur ein weiterer reicher Schnösel.

Ich blickte nach vorn und hoffte, dass er mich sehen würde. Dass er verstand, dass dieser Tanz nur für ihn bestimmt war.

۞

„Ausgezeichnet, meine Àngels. Du warst heute Abend großartig. Ich wusste, wenn ich dir den Seidentanz gebe, wirst du heller strahlen als je zuvor. Wirklich schade... Du verlierst so viel Geld, weil du deinen Körper nicht anbietest. So viele Männer fragen nach dir...“, sagte sie mit ihrer boshaften Stimme und befeuchtete die Fingerspitze, um den Stapel Geldscheine abzuzählen.

Ich streckte ernst die Hand aus.

„Nein. Sie werden mich niemals dazu bringen, mich zu prostituieren. Vergessen Sie diese Idee endlich. Ich tanze nur.“

Pechy rempelte mich von hinten an.

„Du bist keinen Deut besser als wir. Hör auf zu glauben, dass du etwas Besonderes bist. Am Ende landet ihr alle in der Prostitution.“

Sie riss ihr Geld an sich und rauschte davon.

„Lass sie. Sie ist arrogant. Bis morgen, Süße.“

„Auf Wiedersehen, Quincy.“

Ich nahm mein Geld, warf Madame einen letzten Blick zu, als sie mir zuzwinkerte, und machte mich direkt auf den Heimweg. Meine Einnahmen hatte ich im String versteckt, um den Räubern in der Nähe meines Viertels zu entgehen.

Die Straßen waren trotz der späten Stunde nicht leer. Im Rotlichtviertel schien der Tag gerade erst zu beginnen. Nachtclubs, Bars, Sexshops – alles war geöffnet. Die Neonlichter tauchten die Straßen in grelles Licht.

In Gedanken versunken stieß ich gegen die Schulter eines Mannes und wurde durch den Aufprall herumgerissen.

Das war eindeutig Absicht gewesen.

Ich sah, wie der Kerl grinste und mit seinen Freunden lachte.

Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit, als sie mich einkreisten.

„Wie viel verlangst du, kleines Füchschen?“

Langsam schüttelte ich den Kopf und versuchte trotz meiner Angst ruhig zu bleiben.

„Sucht euch jemand anderen, der eure erbärmlichen Gelüste befriedigt, ihr Idioten.“

Ich zwang mich zu einem spöttischen Lächeln und beobachtete jede ihrer Bewegungen.

Der Mann, der mich angerempelt hatte, lachte trocken.

„Hat uns diese Hure gerade erbärmlich genannt?“

Mein Herz schlug so heftig, dass mir schwindelig wurde.

Sie lachten.

Plötzlich schlug er mir mit voller Wucht ins Gesicht und riss mich zu Boden.

Benommen nahm ich nur noch ihr Gelächter wahr, während ich versuchte wegzukriechen.

„Je mehr sie sich wehren, desto mehr Spaß macht es mir, ihnen beim Zappeln zuzusehen...“

Er trat mich erneut mit dem Fuß.

„Ich zuerst, Marcos als Zweiter. Dieses Mal bin ich nicht der Idiot, der nur zusieht.“

„Bitte... nein... Nehmt einfach mein Geld und lasst mich in Ruhe.“

Einer packte mich an den Haaren und riss meinen Kopf nach hinten.

„Willst du uns etwa bezahlen, billige Hure? Wir sind diejenigen, die einen Blowjob verlangen. Nimm das Geld und mach deinen verdammten Extraservice.“

„Ich bin keine Prostituierte, du verdammter Idiot!“, schrie ich unter Tränen.

„Verdammt... Schafft sie weg, bevor sie noch mehr Aufmerksamkeit erregt.“

Sie packten mich, während ich mich verzweifelt wehrte.

„Hilfe! Bitte, helft mir!“

Ich schrie, bis meine Stimme versagte.

Sie zerrten mich in eine Gasse.

Überall ihre Hände.

Ihr Gelächter.

Ihr widerlicher Gestank.

Ihre schmutzigen Blicke.

„Nein... nein... hört auf! Ich will das nicht, bitte!“

„Halt die Klappe, verdammte Schlampe! Du hast doch geradezu darum gebettelt, seit wir dich dort entlanglaufen sahen.“

Ich hob die Hände schützend vor mein Gesicht und erstarrte vor Angst, während sie sich neben den Müllcontainern auszogen und mich gegen einen Zaun drückten.

„Sei still und genieß es...“

Sie lachten.

Ich schloss die Augen.

Ich schaltete einfach ab.

Ich musste doch nur tanzen...

„Hey! Was macht ihr da?“, rief plötzlich jemand vom Ende der Gasse.

Die Männer ließen mich panisch los.

Lauf.

Ich stieß sie von mir und rannte los. Dabei prallte ich gegen einen Mann, der wie ein Sicherheitsmann aussah.

„Worauf wartet ihr, Idioten? Schnappt euch die Schlampe!“

Ich rannte schluchzend weiter.

Voller Angst.

Ich musste mich verstecken.

Plötzlich sah ich weiter vorne einen schwarzen Wagen mit eingeschalteten Scheinwerfern.

Ohne nachzudenken lief ich darauf zu, riss die Tür auf, sprang hinein und verriegelte sie sofort.

Meine Hand klammerte sich weiter an den Türgriff, während ich verzweifelt nach Luft rang.

Als ich den Kopf drehte, begegnete ich in der Dunkelheit des Wagens einem scharfen, überwältigenden Blick.

Ich hatte solche Angst, dass ich nicht einmal schlucken konnte.

Ich hatte das Gefühl, wenn ich mich auch nur einen Zentimeter bewegte, würde dieser Mann mich verschlingen wie ein Raubtier, das in der Nacht seine Beute verfolgt.

 

 

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