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DAS ERSTE NACH

last update publish date: 2026-07-06 16:41:24

Das Erste, das ich nach der Zeremonie tue, ist Kaffee trinken.

Das ist keine Metapher und keine philosophische Aussage. Es ist einfach so, dass nach stundenlangem Zusammensein mit elf Alphas und einem reaktivierten noerdlichen Netz und allem, was das bedeutet, der konkreteste und angenehmste Akt, den ich mir vorstellen kann, ein guter Kaffee ist, schwarz, in der Kueche, waehrend das Anwesen sich um mich herum langsam leert.

Die Gaeste gehen im Laufe des Nachmittags. Elf Alphas und ihre Begleitu
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  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   WAS BLEIBT

    Es gibt Dinge, die bleiben, und Dinge, die gehen, und das Unterscheiden der beiden ist eine Weisheit, die ich im dritten Jahr lerne.Was geht: Adaeze. Mira, fuer eine Zeit, und dann Mira kehrt zurueck. Anya, die reist und wiederkommt. Roan, der im Osten ist, aber im Netz bleibt. Die Saison, die Winter wird und dann Fruehling. Die Version von mir, die elfmal den Vertrag las und die Portfoliomappe als Schild hielt.Was bleibt: Das Anwesen. Der Wald. Das Netz, das summt. Das Rudel, das das Rudel ist. Damon, der jeden Morgen Kaffee bringt und jeden Abend das Feuer macht und jeden Tag waehlt, wie ich jeden Tag waehle. Nadia, die schreibt und liebt und die Pflanzen kennt. Das Buch, das ich schreibe, und die Buecher, die andere schrieben. Lyra, die Anker ist. Joel, der verlässlich ist. Petra, die backt. Marcus, der die Geschichte des Anwesens kennt.Was bleibt, ist mehr als was geht.Das ist, denke ich, das Zeichen eines guten Lebens.Ich schreibe das in das dritte Buch, an einem Novembermor

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   DAS ZWEITE BUCH IST FERTIG

    Das zweite Buch ist fertig im Sommer des dritten Jahres.Ich schreibe den letzten Satz an einem Junimorgen, frueh, bevor das Anwesen aufwacht, in der Stille, die ich fuer das Schreiben aufhebe, weil die Stille das Denken klar macht.Der letzte Satz lautet: Das Leben, das ich gewaehlt habe, schreibt sich weiter.Ich lese ihn zweimal. Dann lasse ich ihn stehen.Ich schliesse das Manuskript.Ich sitze eine Weile am Schreibtisch und schaue auf das geschlossene Manuskript und denke an alles, was darin ist: die Geschichte des Anfangs, der Ratsanhoerung, des Versprechens, des Netzes, der Menschen, die kamen und gingen und wiederkamen, des Schreibens und des Lebens, das dasselbe Ding ist.Dann stehe ich auf und mache Kaffee und gehe ans Fenster und schaue auf den Wald, der vollgruen ist, der Juniwald.Damon kommt herunter und sieht mein Gesicht und sagt: Fertig?Fertig, sage ich.Er schaut auf das Manuskript. Das war lang.Fast zwei Jahre, sage ich.Er schaut mich an. Wie fuehlt sich das an?

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   MIRAS HEIMKEHR

    Das Anwesen ohne Adaeze ist anders.Das war vorauszusehen, und ich wusste es, und trotzdem, als es kommt, ist es anders als ich es erwartet hatte. Ich hatte erwartet, dass die Abwesenheit sich wie ein Verlust anfuehlt. Stattdessen fuehlt sie sich wie eine Uebergabe an.Adaeze nahm etwas mit, als sie ging, und was sie mitnahm, ist das Halten-Muessen. Die Wissen-Was-Als-Naechstes-Kommt-Erwartung, die ich auf sie projiziert hatte, ohne zu merken, dass ich das tat. Die Sicherheit, dass da jemand ist, der sieht, was ich noch nicht sehe.Was sie hinterliess, ist das Vertrauen, dass ich das inzwischen selbst sehe.Das ist keine leichte Uebergabe. Aber es ist die richtige.Lyra kommt an einem Januarmorgen zu mir, zwei Wochen nach Adaezes Weggang, und sie setzt sich und sagt: Ich vermisse sie.Ich auch, sage ich.Sie war, sagt Lyra, der erste Mensch in meinem Leben, der mir sagte, was ich bin, ohne es als Last zu formulieren. Das war mehr wert, als ich erkannte, waehrend sie da war.Was sagte

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   WAS DAS ZWEITE JAHR LEHRT

    Das zweite Jahr ist ruhiger als das erste.Das ist nicht eine Beschreibung von Langweile oder Stagnation. Es ist die Beschreibung von Stabilität, die sich anders anfuehlt als das Erste, weil das Erste immer aufregend ist, neu und unerwartet und voll von Entdeckungen, die sich wie Schlaege anfuehlen, auch wenn sie gut sind.Das Zweite ist anders. Das Zweite hat die Entdeckungen, aber sie kommen langsamer, und sie kommen in den alltaeglichen Dingen, nicht in den grossen Momenten. Das Zweite ist das Vertiefen.Ich lerne das im zweiten Jahr: das Vertiefen ist schwerer als das Anfangen.Das Anfangen hat die Energie des Neuen. Das Vertiefen hat nur die Energie des Willens. Den Willen, weiter zu machen, wenn das Neue nicht mehr neu ist, und die Dinge, die man tut, durch ihre Wiederholung nicht weniger wichtig werden, sondern wichtiger, weil man sie immer wieder waehlt.Ich erklaere das Nadia an einem Herbstabend, und sie hoert zu, und dann sagt sie: Das ist wie das Schreiben.Was meinst du?

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   DAS DRITTE BUCH

    Die zweite Zeremonie ist kleiner als die erste.Die erste war fuer das noerdliche Netz, mit elf Alphas und dem Aufwachen der Verbindungslinien und Adaeze, die in der alten Sprache sprach. Das war ein Moment, der Geschichte machte.Die zweite ist fuer uns.Ich schlage sie vor, an einem Augustabend, weil ich verstanden habe, dass die erste Zeremonie etwas tat, das das Netz brauchte, und jetzt moechte ich etwas tun, das wir brauchen. Nicht als Ergaenzung zu dem ersten Versprechen. Als Vertiefung.Ich sage es Damon so: Das erste Versprechen war fuer das Netz. Ich moechte eines, das nur fuer uns ist. Ohne Alphas, ohne Zeugen vom Netz. Nur wir, und die Menschen, die uns am naechsten sind.Er schaut mich an, lange. Dann sagt er: Ja.Wir planen es fuer den Herbst. Nicht eine große Veranstaltung. Das Anwesen, der Garten, das Rudel, meine Mutter und Nadia und Adaeze. Das ist alles.Adaeze, als ich ihr davon erzaehle, sagt: Das ist das Richtige. Das erste Versprechen galt dem Netz. Das zweite gi

  • GEBUNDEN DURCH MONDLICHT UND VERTRAG   ROANS BESUCH

    Roan Vane tritt im Juli durch die Eingangstuer des Anwesens, und das Erste, was er tut, ist stehen bleiben.Nicht weil er zoegert. Nicht weil er unsicher ist. Er bleibt stehen, weil er das Anwesen aufnimmt, wie ein Mensch, der gelernt hat, Territorien zu lesen, und der sich die Zeit nimmt, das zu tun, bevor er weitermacht.Ich beobachte ihn dabei. Er schaut auf die Decke, auf die Waende, auf das Licht, das durch die hohen Fenster faellt, und dann schaut er auf den Flur, der in die Kueche fuehrt, aus der die Geraeusche des Anwesens kommen, die Geraeusche des Lebens.Er atmet einmal tief.Das riecht gut, sagt er.Das sagten alle, sage ich.Er schaut mich an. Alle?Jeder, der ankam, sage ich. Zuerst meine Mutter. Dann Mira. Dann Anya. Alle sagten dasselbe.Was ist das? sagt er.Das Territorium, sage ich. Das Netz. Die Verbindung. Adaeze nennt es das Zuhause-Riechen. Es ist das Erste, was man spuert, wenn man an den richtigen Ort kommt.Roan schaut noch einmal auf das Anwesen. Dann, leise

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