LOGINDie Schulden ihres Vaters waren nie ihre Last, bis zu jener Nacht, als der skrupelloseste Unterboss der Stadt kam, um sie einzutreiben. Da sie kein Geld mehr hatte, ging sie einen finsteren Pakt ein. Um ihre Familie vor dem Ruin zu bewahren, musste sie in seiner schwer bewachten Villa leben, gefangen in den Händen eines Mannes, der die Unterwelt mit eiserner Faust regierte. Sie erwartete ein Monster, und er spielte die Rolle perfekt, indem er Distanz hinter scharfen Worten und kalten Blicken wahrte. Doch hinter den hohen Mauern des Anwesens trügt der Schein. Als ein rivalisierendes Syndikat einen brutalen Überfall auf die Villa verübte, traf sie in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung, die ihm das Leben rettete. Im Chaos danach begannen die Mauern zwischen ihnen zu bröckeln. Er erkannte, dass seine schöne Geisel weit mehr war als nur ein Druckmittel, und sie erahnte den treuen Beschützer, der sich hinter seiner brutalen Fassade verbarg. Doch in einer Welt, die auf Lügen aufgebaut ist, ist Vertrauen ein tödliches Spiel. Während eine unwiderstehliche Spannung sie zusammenführt, droht ein verheerendes Geheimnis sie zu entzweien. Die ruinösen Schulden ihres Vaters waren kein Zufall. Es war eine Falle, und sie könnte die perfekte Waffe sein, um den einzigen Mann zu vernichten, der sie am Leben erhalten kann. Möchten Sie mit der Entwicklung der Hauptfiguren für diese Geschichte beginnen oder sollen wir direkt mit der Planung der ersten Kapitel beginnen?
View MoreDer Duft von Leder und abgestandenem Kupfer bedeutete, dass jemand im Begriff war, sein Leben zu ruinieren. Elena saß auf dem Samtsofa. Ihre Finger gruben sich so tief in ihre Jeans, dass ihre Nägel den Denim zu durchstoßen drohten. Auf der anderen Seite des Mahagonischreibtischs wirkte Julian Rossi weniger wie ein Mensch, sondern eher wie ein Raubtier, das aus kaltem Marmor gemeißelt worden war. Er blickte nicht auf, als er eine Seite des Hauptbuchs umblätderte. Die Stille im Arbeitszimmer zog sich straff, dünn und gefährlich in die Länge.
„Ihr Vater hat einen guten Geschmack, was erlesene Weine angeht“, sagte Julian. Seine Stimme war ein tiefes, geschmeidiges Schnurren, das an ihren Nerven kratzte. „Es ist eine Schande, dass es ihm an den nötigen Mitteln fehlt, um diesen Geschmack auch zu finanzieren.“
„Er wird Sie bezahlen“, sagte Elena. Sie zwang das Zittern aus ihrer Stimme. Sie musste stark bleiben. Wenn sie jetzt einbrach, gäbe es nichts mehr zu retten. „Er braucht nur Zeit. Ein paar Wochen. Höchstens einen Monat.“
Julian hob endlich den Blick. Seine Augen waren von einem auffälligen, eisigen Grau, ohne jede Wärme oder Mitleid. Er schloss das Buch mit einem leisen Knall, der wie ein Schuss in dem ruhigen Raum widerhallte. „Zeit ist ein Luxus, den Ihr Vater vor drei Nächten an meinem Tisch verspielt hat. Er schuldet mir fünf Millionen, Elena. Ich mache keine Ratenzahlungen.“
„Dann nehmen Sie das Haus. Nehmen Sie sein Geschäft.“
„Die besitze ich bereits“, erwiderte Julian gelassen. Er lehnte sich in seinem Ledersessel zurück. Er verschränkte die Finger und beobachtete ihre Reaktion mit kalter Distanziertheit. „Und dennoch reicht der Gesamtwert nicht aus. Ihr Vater hat mir etwas anderes angeboten, um den verbleibenden Betrag zu begleichen.“
Ein kaltes Grauen sammelte sich in der Magengegend von Elena. Sie starrte den Unterboss an. Ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen wie ein gefangener Vogel. „Was?“
Julian lehnte sich vor und stützte die Unterarme auf den Schreibtisch. Durch die Bewegung kam er ihr näher, sodass sie den schwachen Duft von Zedernholz und Winterluft wahrnehmen konnte, der ihm anhaftete. „Sie.“
Das Wort hing in der Luft, schwer und erstickend.
„Nein“, flüsterte sie. Sie schüttelte den Kopf. „Wir sind im einundzwanzigsten Jahrhundert. Sie können nicht einfach einen Menschen kaufen.“
„Ich kaufe Sie nicht. Ich nehme Sie als Pfand“, korrigierte Julian sie. Sein Tonfall war beiläufig, als würden sie über einen Bankkredit sprechen. „Sechs Monate. Sie werden hier wohnen, unter meinem Dach, nach meinen Regeln. Wenn sich Ihre Familie anständig verhält und Sie keinen Ärger machen, ist die Schuld Ihres Vaters getilgt. Wenn Sie weglaufen oder er es versäumt, sich aus meinem Territorium fernzuhalten, ist die Vereinbarung hinfällig. Und die Konsequenzen für Ihre Familie werden schwerwiegend sein.“
Elena presste die Kiefer zusammen, um nicht laut aufzuschreien. Ihr Vater hatte sie an ein Monster verkauft, um seine eigene Haut zu retten. Der Verrat saß tiefer als jede Klinge und hinterließ einen rohen, brennenden Schmerz in ihrer Brust. Sie sah Julian an. Sie suchte nach einem Anflug von Zögern, einem Hinweis auf einen Scherz. Da war keiner. Es war sein voller Ernst.
„Und wenn ich mich weigere?“, fragte sie. Ihre Stimme fiel zu einem kämpferischen Flüstern ab.
Julians Lippen verzogen sich zu einem humorlosen Lächeln. „Dann werden wir ja sehen, wie gut Ihr Vater mit Betonklötzen an den Füßen schwimmt. Die Wahl liegt bei Ihnen, Elena. Aber ich rate Ihnen, sich schnell zu entscheiden. Meine Geduld hat Grenzen.“
Sie blickte auf ihre Hände hinab. Ihre Gedanken rasten durch die Optionen. Es gab keine. Sie konnte ihren Vater sterben lassen, oder sie konnte die dunkle Welt des Rossi-Syndikats betreten. Sie holte tief und schaudernd Atem und blickte wieder in diese eisgrauen Augen.
„Sechs Monate“, sagte sie. Die Worte schmeckten wie Asche. „Und seine Schuld ist für immer beglichen.“
„Sie haben mein Wort“, sagte Julian. Er stand auf. Er war groß. Seine breiten Schultern füllten den schwarzen Anzug aus. „Ihre Habseligkeiten wurden bereits auf Ihr Zimmer gebracht. Meine Männer werden Ihnen den Weg zeigen. Versuchen Sie nicht, das Anwesen zu verlassen, Elena. Die Sicherheitskräfte haben sehr wenig Geduld für Spielchen.“
Das Zimmer, das man ihr gegeben hatte, war wunderschön, weitläufig – und ein Käfig. Die Fenster blickten auf die Gärten des Rossi-Anwesens, aber die Eisenstäbe am Balkon machten die Botschaft unmissverständlich klar. Sie war eine Gefangene.
In den ersten drei Wochen war Julian wie ein Geist. Elena verbrachte ihre Tage damit, in den erlaubten Bereichen des Anwesens umherzuwandern, stets bewacht von schweigenden Männern in dunklen Anzügen. Sie aß allein im riesigen Speisesaal. Die Stille des Hauses lastete schwer auf ihren Schultern. Sie hatte erwartet, dass Julian ihre Tür einschlagen, Dinge von ihr einfordern oder den Tyrannen spielen würde. Aber er ignorierte sie. Er behandelte sie wie ein unpraktisches Möbelstück, das er zufällig erworben hatte.
Dann kam der Sturm.
Es geschah nach Mitternacht an einem Donnerstag. Elena wurde von einem Geräusch aufgeschreckt, das nicht in die Nacht gehörte. Es war nicht der Donner, der die Fensterscheiben erschütterte. Es war ein scharfes, sich wiederholendes Knallen aus dem Innenhof darunter.
Gewehrfeuer.
Sirenen heulten nicht auf. Stattdessen begannen die roten Notlichter des Anwesens zu blinken. Sie tauchten ihr Schlafzimmer in einen blutigen Ton. Elena sprang aus dem Bett. Ihr Herz raste wie wild. Auf dem Flur draußen hallten Rufe wider. Schwere Schritte polterten über die Dielen.
Die Tür zu ihrem Zimmer flog auf.
Elena keuchte. Sie wich zurück, bis ihre Wirbelsäule gegen das Kopfteil des Bettes stieß. Julian stand im Türrahmen. Sein Sakko war weg. Sein weißes Hemd war am Kragen aufgeknöpft und mit dunklem Karmesinrot bespritzt. In seiner rechten Hand hielt er eine schlanke, schwere Pistole. Seine grauen Augen musterten sie flüchtig, um sie auf Verletzungen zu prüfen, bevor sie sich verengten.
„Bleiben Sie unten!“, befahl er. Seine Stimme war angespannt und atemlos. „Eine rivalisierende Fraktion hat den Außenring durchbrochen. Meine Männer kümmern sich darum, aber Sie müssen jetzt in den Schutzraum.“
Bevor sie antworten konnte, zersplitterte das Fenster hinter ihr in tausend glitzernde Scherben.
Julian bewegte sich mit rasender Geschwindigkeit. Er hechtete quer durch den Raum und riss sie zu Boden, genau in dem Moment, als eine Salve von Kugeln durch die Matratze schlug, auf der sie noch eine Sekunde zuvor gesessen hatte. Er schützte ihren Körper mit seinem eigenen. Seine Brust presste sich gegen ihren Rücken. Er war warm, massiv und roch nach Schießpulver.
„Können Sie rennen?“, murmelte er an ihr Ohr. Sein Atem war heiß.
„Ja“, brachte sie hervor. Ihr Adrenalinspiegel schoss in die Höhe.
„Auf mein Zeichen laufen Sie zur Tür. Sehen Sie sich nicht um.“
Julian rollte sich herum. Er feuerte drei präzise Schüsse aus dem zerbrochenen Fenster ab. Ein Schmerzenslaut hallte von der Terrasse draußen wider. Er packte Elena am Handgelenk. Er zog sie auf die Beine. Sie sprinteten auf den Flur.
Der Korridor war ein Kriegsgebiet. Rauch waberte an der Decke entlang. Zwei von Julians Männern lagen auf dem Perserteppich. Als sie den oberen Teil der großen Freitreppe erreichten, trat ein maskierter Schütze aus einem Nebenzimmer. Er zielte direkt auf Julians Rücken.
Elena dachte nicht nach. Sie griff nach einer schweren Bronzebüste, die auf einem Podest nahe dem Geländer stand. Sie schleuderte sie mit aller Kraft. Sie traf die Schulter des Schützen. Es riss sein Ziel im selben Moment herum, als seine Waffe losging.
Die Kugel streifte Julians Arm. Er drehte sich um und streckte den Angreifer mit einem einzigen Schuss in die Brust nieder.
Julian wandte sich zu Elena. Seine Augen waren weit geöffnet vor einer Emotion, die sie noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. Es war nicht Wut. Es war Schock. „Sie haben mich gerettet“, flüsterte er.
„Sie haben mich zuerst gerettet“, hauchte sie. Sie starrte auf das Blut, das von seinem Ärmel tropfte.
Bevor er antworten konnte, splitterten die schweren Holztüren unten im Foyer auf. Ein Dutzend weiterer bewaffneter Männer stürmte herein. Ihre Waffen hoben sich. Julian packte sie an der Taille. Er zog sie hinter eine Marmorsäule, während die Luft von Blei explodierte. Sie waren gefangen, in der Unterzahl und die Zeit lief ihnen davon. Sie hielten den Atem an und beteten für ein Wunder.
Das Tosen des brechenden Felses übertönte das letzte Schreien der sterbenden Filteranlagen. Elena spürte, wie der feste Boden unter ihren Stiefeln einfach verschwand. Sie stürzte in eine dunkle, kalte Leere, umgeben von fallenden Steinen und dem zersplitterten Glas der großen Säule. Das violette Wasser, das eben noch in der Röhre gekocht hatte, schoss wie ein Sturzbach an ihr vorbei und riss sie mit sich in die Tiefe. Die Luft in ihrer Lunge wurde knapp, während sie versuchte, in dem wirbelnden Chaos nach oben zu paddeln.Der Sturz endete nicht im harten Gestein, sondern in einem tiefen, unterirdischen Wasserbecken.Das Wasser war eiskalt und schmeckte metallisch, frei von dem Salz des Meeres, das draußen an die Klippen schlug. Elena kämpfte sich an die Oberfläche und stieß einen keuchenden Atemzug aus. Um sie herum war es stockdunkel, nur das schwache, violette Nachleuchten der chemischen Flüssigkeit erhellte die riesige Höhle für wenige Sekunden, bevor die Dunkelheit endgültig die O
Das kalte Wasser tropfte von der Decke der runden Kammer und erzeugte ein rhythmisches Geräusch auf dem nassen Steinboden. Elena stand am Eingang des Raums, ihre Hände zitterten, und ihr Atem ging schnell. Das grüne Licht aus der gläsernen Säule spiegelte sich auf den Gesichtern der Personen, die sie in diesem feuchten Keller umringten. Die Welt draußen auf der Insel mochte brennen, doch hier unten, im tiefen Fundament des alten Leuchtturms, schien die Zeit für einen Moment stillzustehen. Es war der Ort, an dem alle Fäden der Vergangenheit zusammenliefen.Julian blickte sie aus der gläsernen Röhre an. Seine Augen waren voller Sorge, und er schüttelte schwach den Kopf, als wollte er sie anflehen, diesen Raum wieder zu verlassen. Die eiserne Kette, die ihn fest an die Apparatur band, war mit kleinen, feinen Drähten verbunden, die direkt zu der zentralen Steuereinheit führten. Jede Bewegung seines Körpers löste ein leises Piepen auf dem Monitor aus, der über der Konsole montiert war."Vi
Das flackernde Licht der digitalen Linse malte unruhige, grüne Schatten auf die hölzerne Wand des Zimmers. Elena starrte auf das Bild ihrer Mutter Sofia, dessen Ränder im fahlen Schein der Notbeleuchtung zitterten. Das Gesicht der Frau, die sie in den Ruinen der Werft für tot gehalten hatte, war ruhig, fast feierlich. Doch es war nicht Sofia, die Elenas Atem stocken ließ. Es war die Gestalt im Hintergrund der Aufnahme. Julian ging dort durch einen engen, von Wurzeln durchbrochenen Steingang, und seine Hand war mit einer schweren Eisenkette an das Handgelenk von Vitoria Rossi gefesselt.Vitoria lebte. Ihre Züge waren von Ruß gezeichnet, und ihr rechter Arm war provisorisch geschient, doch der Wille zur Macht brannte immer noch in ihren dunklen Augen. Sie hielt eine kleine, silberne Kontrolleinheit in der freien Hand, deren rotes Licht im Rhythmus von Julians Herzschlag blinkte."Elena", sagte die Stimme ihrer Mutter aus dem Lautsprecher der zerbrochenen Spieluhr. Der Ton war leise, übe
Das leise Ticken der hölzernen Spieluhr war das einzige Geräusch in dem hellen Raum. Elena blinzelte gegen das goldene Sonnenlicht, das durch das große Fenster fiel. Ihre Haut spürte nicht mehr die eisige Kälte der stürmischen Bucht, sondern die sanfte Wärme einer Decke aus weicher Baumwolle. Sie hob mühsam ihren linken Arm. Die Wunde, die die Nadel von Marcus hinterlassen hatte, war sauber verbunden, und der brennende Schmerz in ihren Adern war abgeklungen. Sie versuchte sich aufzusetzen, doch ihr Kopf fühlte sich leicht und leer an, als hätte die Elektrizität des Schlüssels Teile ihrer eigenen Vergangenheit weggebrannt.Der junge Mann am Fußende des Bettes bewegte sich. Er legte das Papier mit dem alten Siegel der Gründer auf den Tisch und sah sie mit seinen klaren, grünen Augen an. Sein Gesicht war ruhig, frei von der Härte, die sie bei den Soldaten der Nord-Allianz gesehen hatte. Er trug ein einfaches, helles Hemd ohne die Embleme der vertrauten Familien."Du bist wach, Elena", sa
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