Krone der Dornen: Mafia-Dynastie

Krone der Dornen: Mafia-Dynastie

last updateLast Updated : 2026-07-05
By:  AzillaUpdated just now
Language: Deutsch
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Als Liliana Valentino erfährt, wer sie wirklich ist, ändert sich alles. Der mächtige Damien Moretti, der sie jahrelang aus dem Schatten beschützt hat, wird zu ihrer größten Versuchung – und ihrer größten Gefahr. In einem Netz aus Verrat, Rache und dunkler Leidenschaft muss sie entscheiden: Wird sie die Krone der Dornen tragen… oder daran zugrunde gehen?

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Chapter 1

Kapitel 1 – Das Mädchen, das nicht existieren durfte

Prolog

New York, 12. November 2018 – Die Nacht, in der die Valentinos bluteten.

Der Regen prasselte wie Kugeln auf das Dach der alten Kathedrale St. Salvatore. Drinnen roch es nach Weihrauch, kaltem Stein und frischem Blut.

Luciano Valentino kniete vor dem Altar, die Hände gefesselt mit silbernem Draht. Sein weißes Hemd war rot durchtränkt. Vor ihm stand der Mann, den ganz Amerika für tot hielt – sein eigener Bruder, Marco „The Ghost“ Valentino.

„Du hast den Pakt gebrochen“, flüsterte Marco, die Stimme leise wie ein Gebet. „Eine Tochter. Du hast eine Tochter gezeugt, obwohl du wusstest, was das bedeutet.“

Luciano lachte heiser, Blut lief ihm aus dem Mundwinkel.

„Sie wird euch alle vernichten. Sie ist kein Fluch. Sie ist das Ende.“

Marco hob die Pistole. Die Mündung küsste Lucianos Stirn.

„Dann soll sie kommen und es versuchen.“

Ein Schuss hallte durch das Gotteshaus. Die Kerzen flackerten. Und irgendwo in Europa öffnete ein sechsjähriges Mädchen mit rabenschwarzem Haar in genau dieser Sekunde die Augen, als hätte sie den Schuss gehört.

Sie hieß Liliana.

Und die Welt hatte gerade ihren Untergang geboren.

Rom, Gegenwart

Der Regen in Rom war anders als in New York. Sanfter. Verlogener.

Liliana Valentino – oder wie sie seit siebzehn Jahren hieß: Lila Rossi – stand unter dem Vordach des kleinen Antiquariats in Trastevere und zündete sich eine Zigarette an, die sie eigentlich längst aufgegeben hatte.

Sie trug einen schwarzen Trenchcoat, der zu teuer für eine einfache Übersetzerin war. Darunter ein enges dunkelrotes Kleid, das ihre Figur betonte, ohne billig zu wirken. Ihre langen schwarzen Haare waren zu einem losen Zopf gebunden, aus dem sich einzelne Strähnen gelöst hatten, die ihr ins Gesicht fielen. Die Männer, die an ihr vorbeigingen, starrten länger als nötig. Sie bemerkten nie die Narbe hinter ihrem linken Ohr – ein Andenken an die Nacht, in der man sie aus Amerika fortgeschafft hatte.

Ihr Telefon vibrierte.

Unbekannte Nummer.

Sie ging ran. Das tat sie immer. Neugier war ihre größte Schwäche.

„Pronto?“

Stille. Dann eine tiefe, raue Stimme, die klang, als wäre sie durch tausend Zigaretten und noch mehr Sünden gegangen.

„Du bist schwer zu finden, Liliana.“

Ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand es konnte. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken. Diese Stimme... sie kannte sie nicht. Und doch fühlte sie sich vertraut. Gefährlich vertraut.

„Falsche Nummer“, antwortete sie kühl und wollte auflegen.

„Dein Vater hat vor acht Jahren nicht bei einem Autounfall sterben. Er wurde hingerichtet. Und deine Mutter... sie hat sich nicht das Leben genommen.“

Lilas Finger erstarrten am Telefon.

„Wer zur Hölle bist du?“

Ein leises, dunkles Lachen. Es klang viel zu schön für einen Mann, der solche Dinge sagte.

„Jemand, der dich seit siebzehn Jahren beobachtet. Jemand, der zugesehen hat, wie du in Florenz Jura studiert hast. Wie du in Paris Sprachen gelernt hast. Wie du versucht hast, normal zu sein. Niedlich.“

Lilas Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Sie drehte sich um, suchte die Straße ab. Niemand Auffälliges. Und doch spürte sie es – Blicke. Viele Blicke.

„Wenn das ein kranker Scherz sein soll–“

„Heute Nacht kommt ein schwarzer Maybach. Steig ein. Oder die Männer, die gerade dein Appartement durchsuchen, werden nicht nur deine Unterwäsche finden.“

Klick.

Die Leitung war tot.

Lila starrte auf ihr Handy. Ihre Hände zitterten nicht. Das machte ihr mehr Angst als alles andere. Sie hatte schon als Kind gelernt, dass echte Angst sich ruhig anfühlte.

Sie zog ein zweites Prepaid-Handy aus der Innentasche ihres Mantels und wählte eine Nummer, die sie seit Jahren nicht mehr benutzt hatte.

Eine alte Frau ging ran. Stimme brüchig.

„Nonna... sie haben mich gefunden.“

Die alte Frau schwieg einen Moment. Dann, mit der Resignation von jemandem, der schon lange auf diesen Anruf gewartet hatte:

„Dann lauf nicht, bambina. Die Valentinos laufen nie. Sie töten oder sie sterben.“

Lila stand noch zehn Minuten im Regen, bevor der Maybach kam.

Schwarz. Getönte Scheiben. Kein Nummernschild.

Die hintere Tür öffnete sich von allein.

Auf dem Rücksitz saß ein Mann, der aussah, als hätte Gott beschlossen, die Sünde zu personifizieren.

Dunkles Haar. Graue Augen, die zu kalt waren, um menschlich zu sein. Ein perfekter Dreitagebart. Maßanzug, der wahrscheinlich mehr kostete als ihre gesamte Wohnungseinrichtung. Eine dünne Narbe zog sich von seinem linken Mundwinkel bis zum Kiefer – als hätte jemand versucht, ihn zum Lächeln zu zwingen und dabei versagt.

Damien Moretti.

Er sah sie an, als hätte er sie schon nackt gesehen. Als wüsste er genau, wie sie klang, wenn sie Angst hatte. Und wie sie klang, wenn sie nicht mehr aufhören konnte zu schreien.

„Liliana“, sagte er leise. Seine Stimme war dieselbe wie am Telefon.

Lila blieb im Regen stehen. Wasser lief ihr übers Gesicht wie Tränen, die sie sich nicht erlaubte.

„Und wer zur Hölle bist du, dass du meinen Namen so aussprichst, als würde er dir gehören?“

Ein langsames, gefährliches Lächeln breitete sich auf Damiens Lippen aus.

„Weil er das tut. Seit dem Tag, an dem ich dich aus dem brennenden Haus deines Vaters getragen habe. Du warst sechs. Du hast geweint. Und ich habe beschlossen, dass du mir gehörst.“

Er streckte die Hand aus. Lang. Kräftig. Mit frischen Knöcheln, als hätte er erst vor Kurzem jemanden geschlagen.

„Steig ein, Principessa. Die Hölle wartet nicht.“

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