LOGINEr wurde geschickt, um eine Bedrohung auszuschalten. Stattdessen hinterließ er ihr mitten in der Nacht Vintagegeschenke. Charlotte Skylar zieht die ruhige Sicherheit der Restaurierung von Antiquitäten dem unvorhersehbaren Chaos echter Menschen vor. Doch ihr friedliches Leben zerbricht, als sie in einem Mahagonischreibtisch ein verstecktes Kassenbuch entdeckt. Es ist eine hochbrisante Abschussliste, die dem tödlichsten Mafiasyndikat der Stadt gehört. Um ihr Überleben zu sichern, richtet Lottie einen digitalen Totmannschalter ein und fordert die Unterwelt stillschweigend auf, den ersten Schritt zu tun. Auftritt **Timothy Kings**. Für die Nachbarschaft ist er der große, unbestreitbar gutaussehende und entwaffnend tollpatschige Buchhalter, der gerade nebenan eingezogen ist. Er bringt Lottie morgens Kaffee und zeigt das warme Lächeln eines perfekten Gentleman. Aber Timothy ist kein Gentleman. Er ist der tödlichste Vollstrecker des Syndikats, eingesetzt, um das Buch zu finden und jeden auszulöschen, der es gesehen hat. Sein Ziel war einfach. Ihre Wohnung verwanzen, das Buch finden und verschwinden. Er hätte nur nie erwartet, dass die Überwachung zu einer alles verzehrenden Besessenheit werden würde. Entgegen jeder Logik gerät Lottie nicht in Panik, als sie eine versteckte Kameralinse entdeckt. Sie beginnt, Notizen für ihren unsichtbaren Beobachter zu hinterlassen, und verliebt sich unsterblich in den Schatten in ihren Wänden. Nun muss Timothy herausfinden, wie er beweisen kann, dass der süße Mann von nebenan und das furchteinflößende Monster, nach dem sie sich sehnt, exakt dieselbe Person sind.
View MoreTimothy Kings war ein gefährlicher Mann. Ein Mörder. Aber heute Nacht war er nur ein Mann, der im Dunkeln den Atem anhielt.
Er stand reglos in der Ecke von Charlotte Skylars Schlafzimmer. Er war ein Vollstrecker der Mafia. Seine Bosse hatten ihn hierhergeschickt, um ein gestohlenes Buch zu finden und sie aus dem Weg zu räumen. Stattdessen brach er alle Regeln. Der Holzboden unter seinen schweren Stiefeln fühlte sich massiv an, doch seine Gedanken rasten. Er gehörte nicht in ein so sanftes Zimmer.
Lottie schlief friedlich auf ihrem Bett. Ihr dunkles Haar ergoss sich über ihr weißes Kissen wie verschüttete Tinte. Ihr Zimmer roch nach süßer Vanille, altem Papier und Holzpolitur. Es weckte in Timothy den Wunsch, für immer zu bleiben. Das fahle Mondlicht schien durch die dünnen Vorhänge und warf einen sanften Schimmer auf ihr zartes Gesicht. Sie bewegte sich unter ihrer dicken Steppdecke und stieß einen leisen Seufzer aus.
Timothy beobachtete das stetige Heben und Senken ihrer Brust. Er hatte sie den ganzen Tag über seine versteckten Kameras beobachtet. Er kannte ihre Gewohnheiten. Er wusste, dass sie schwarzen Kaffee trank. Er wusste, dass sie mit den Fingern auf den Tisch trommelte, wenn sie nervös war.
Früher an diesem Nachmittag hatte er gesehen, wie sie frustriert über einer kaputten antiken Uhr seufzte. Sie hatte stundenlang an ihrem Schreibtisch gesessen. Sie sah so traurig aus, weil sie ein sehr seltenes Messingzahnrad brauchte, um den alten Zeitmesser zu reparieren. Timothy spürte ein schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust, als er sah, wie ihr eine einzelne Träne über die Wange lief. Er ertrug es nicht, sie aufgewühlt zu sehen. Er musste es in Ordnung bringen.
Er brauchte zwei Anrufe und eine ernsthafte Drohung an einen örtlichen Schmuggler, um genau dieses Zahnrad zu finden. Er musste seine Wohnung verlassen, durch die gefährlichen Straßen der Stadt gehen und einen Mann in einer dunklen Gasse in die Enge treiben, nur um dieses winzige Stück Metall zu bekommen. Der Schmuggler hatte furchtbare Angst vor Timothy. Jeder hatte Angst vor dem Schnitter. Aber in diesem Moment, in diesem ruhigen Schlafzimmer stehend, fühlte sich Timothy einfach wie ein Mann, der verzweifelt versuchte, ein wunderschönes Mädchen zum Lächeln zu bringen.
Er hatte Männer getötet, nur weil sie ihn falsch angesehen hatten. Seine Hände waren befleckt mit Blut und Reue. Dennoch fühlte er einen seltsamen Frieden, während er in der Nähe ihres Bettes stand. Das Monster in ihm war still. Das ohrenbetäubende Rauschen in seinem Kopf hörte endlich auf. Zum ersten Mal in seinem dunklen Leben wollte er jemanden beschützen, anstatt ihn zu zerstören.
Er trat näher an das Bett heran. Seine Stiefel machten absolut kein Geräusch auf dem Boden. Er griff in die dunkle Tasche seiner Jacke und holte das kleine Metallstück heraus. Es fühlte sich warm in seiner Handfläche an. Er blickte hinab auf die feinen Messingzähne des Zahnrads.
Er legte es behutsam auf ihren Nachttisch, direkt neben ihr Wasserglas und einen gestapelten Berg alter Bücher.
Seine große Hand schwebte über ihrem Gesicht. Er wollte ihre Wange berühren. Er wollte ihre weiche Haut an seinen rauen Fingern spüren. Das Verlangen war so stark, dass seine Muskeln schmerzten. Aber er zog seine Hand zurück und ballte sie fest zur Faust. Er durfte sie nicht berühren. Noch nicht. Morgen früh musste er wieder der tollpatschige Buchhalter sein, der nebenan wohnte. Er musste ein falsches Lächeln aufsetzen und so tun, als wüsste er nicht genau, wie ihre Haut roch. Er durfte sie das Monster in der Dunkelheit nicht sehen lassen.
Timothy machte einen langsamen Schritt rückwärts. Er verschmolz mit den tiefen Schatten in der Nähe des Schranks. Er bewegte sich auf die Schlafzimmertür zu und glitt hinaus in ihr Wohnzimmer. Er ging an den Vintagemöbeln vorbei und blieb an ihrer Haustür stehen. Er entriegelte sie, trat auf den Flur und schloss sie mit seinem metallenen Spannwerkzeug wieder perfekt hinter sich ab. Er hinterließ keine Spuren.
Er ging ein paar Schritte zu seiner eigenen Tür und trat ein. Seine Wohnung war leer, bis auf drei große Bildschirme, die auf einem Klapptisch standen. Die Bildschirme leuchteten mit einem hellen blauen Licht in dem dunklen Raum. Sie zeigten jeden einzelnen Winkel von Lotties Wohnung.
Timothy setzte sich auf seinen metallenen Klappstuhl und starrte auf den mittleren Bildschirm. Er zeigte Lottie, die in ihrem Bett schlief. Er beobachtete sie stundenlang. Er schlief nicht. Er wartete einfach darauf, dass die Sonne aufging.
Die Stunden vergingen langsam. Die Sonne begann über den Gebäuden der Stadt aufzugehen. Der morgendliche Wecker klingelte laut in Lotties Schlafzimmer. Das Geräusch hallte durch die Lautsprecher auf Timothys Schreibtisch.
Lottie öffnete die Augen und streckte die Arme. Sie fühlte sich so müde. Ihre Muskeln schmerzten von dem Stress, den sie jeden einzelnen Tag mit sich herumtrug. Sie dachte an die schwere Last, die sie trug. Das Kassenbuch war sicher versteckt, aber die Angst war immer da. Sie war nicht mehr auf den Markt gegangen. Sie kaufte alle ihre Lebensmittel online, um nicht alleine gehen zu müssen. Sie hielt ihren Antiquitätenladen an den meisten Tagen verschlossen und ließ nur Kunden herein, die harmlos aussahen. Es war ein einsames Leben.
Ein gestohlenes Mafia Kassenbuch in ihrer Küche zu verstecken, war anstrengend. Sie wusste, dass sehr böse Männer nach dem schwarzen Lederbuch suchten. Sie hatte auf ihrem Computer Fallen eingerichtet. Wenn ihr etwas zustoßen würde, würden die Dateien direkt an die Polizei gehen. Sie war bereit für einen Kampf. Sie hatte sich auf das Schlimmstmögliche vorbereitet.
Aber hierauf war sie nicht vorbereitet.
Lottie setzte sich auf und strich sich das dunkle Haar aus den Augen. Sie griff nach ihrem Wasserglas und hielt inne. Ihre Hand erstarrte in der leeren Luft.
Genau dort, hell leuchtend im Morgenlicht, lag das exakte Messingzahnrad, das sie brauchte.
Langsam hob sie es auf. Ihr Herz schlug schnell in ihrer Brust. Das Metall war nun kalt, aber es fühlte sich schwer an vor Bedeutung. Sie rieb mit dem Daumen über die glatten Messingzähne. Sie sah sich in ihrem ruhigen Schlafzimmer um. Die Morgensonne erleuchtete jeden Winkel des Raumes. Ihre Haustür war verschlossen. Ihre Fenster waren fest verriegelt. Niemand konnte unmöglich hineingelangen. Sie lebte allein. Sie hatte keine Freunde, die so etwas tun würden.
Eine normale Frau würde schreien, die Polizei rufen, ihre Koffer packen und aus der Stadt fliehen.
Aber Lottie hatte keine Angst. Als sie das seltene Metallzahnrad in der Hand hielt, fühlte sie sich sicher. Jemand beobachtete sie. Jemand wusste genau, was sie brauchte, und hatte keine Mühen gescheut, es für sie zu besorgen. Es war ein beängstigender Gedanke, aber er war auch zutiefst romantisch. Die Männer, denen das Kassenbuch gehörte, wollten ihr wehtun. Aber diese Person, dieses Phantom, das nachts in ihr Zimmer schlich, wollte ihr helfen.
Lottie stand von ihrem Bett auf und ging in die Mitte des Raumes. Sie blickte in die dunkelste Ecke ihres Schlafzimmers. Sie wusste nicht, dass in ihrem Holzspiegel eine winzige Kamera versteckt war. Sie spürte einfach eine Präsenz. Ein wunderschönes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Ihre dunklen Augen funkelten vor einer seltsamen, neuen Aufregung.
"Danke", flüsterte sie leise in den leeren Raum.
In der Wohnung nebenan hörte Timothy ihre Stimme durch seine Lautsprecher. Er sah ihr Lächeln auf seinem leuchtenden Bildschirm. Sein Herz hämmerte gegen seine Rippen. Er beugte sich näher an den Monitor und stützte seine Stirn auf seine Hände. Das Spiel hatte sich geändert. Er war geschickt worden, um ihr Leben zu ruinieren, aber jetzt wollte er nur noch der Schatten sein, den sie liebte.
Der dumpfe Aufprall eines Körpers auf den Holzdielen ließ lockere Erde auf Lotties Gesicht herabrieseln. Sie kniff die Augen fest zusammen und presste sich die Hand auf den Mund, um einen Schrei zu unterdrücken. Der süßliche, brennende Geruch des Tränengases drang inzwischen durch die schmalen Spalten der Dielen. Ihre Augen begannen zu brennen, und ein Kratzen stieg in ihrer Kehle auf. Sie zwang sich, langsam und flach zu atmen, obwohl sie verzweifelt husten wollte.Über ihr hing der dichte weiße Rauch wie ein schweres Leichentuch.Ein tiefes, schmerzvolles Stöhnen vibrierte durch die Holzdielen.Es war Timothys Stimme.„Du hattest schon immer eine schwache linke Seite, Timothy“, hallte Kincaids Stimme durch die Hütte. Die Stimme des älteren Fährtenlesers war vollkommen ruhig. Der heftige Kampf schien ihn kaum angestrengt zu haben. „Ich habe dir beigebracht, wie du sie schützt. Aber dann hast du zugelassen, dass dich ein sanftes, stilles Mädchen deine gesamte Grundausbildung vergessen
Der Staub fiel in dünnen, blassen Streifen durch das blaue Licht des Laptopbildschirms. Lottie bewegte sich nicht. Sie hob nicht einmal den Blick zur Decke. Ihre Augen waren auf die rot blinkende Warnmeldung auf dem Bildschirm geheftet. Die Signalanzeige war verschwunden. Der digitale Schutzschild, den sie in den vergangenen Wochen aufgebaut hatte, war zusammengebrochen. Ohne Netzwerk konnte sie sie beide nicht schützen. Sie konnte die Dateien, die ihr einziger Schutz waren, nicht mehr übertragen.„Lottie, weg vom Fenster“, flüsterte Timothy.Seine Stimme war kaum mehr als ein Hauch, doch der scharfe Unterton ließ sie sofort reagieren.Sie glitt über die Holzdielen und hielt ihren Körper dicht am Boden. Kriechend erreichte sie die Seite des Bettes und umklammerte den kalten Eisenrahmen.„Das Signal ist weg, Timothy. Er blockiert alles. Ich kann nicht eine einzige Seite des Hauptbuchs hochladen.“Timothy geriet nicht in Panik.Langsam ließ er sich vom Bett auf den Boden gleiten. Sein G
Der schwere Kupfergriff der Hintertür drehte sich mit einem langsamen, knirschenden Quietschen.Lottie spürte, wie ihr das Blut in den Adern gefror. Ihr Finger schwebte nur einen winzigen Bruchteil eines Zentimeters über der Eingabetaste ihres Laptops. Sie drückte sie nicht. Sobald sie die Taste betätigte, würden die Dateien durch das digitale Netzwerk geschickt werden, und es gäbe kein Zurück mehr. Ihr Blick blieb auf den schmalen Lichtstreifen unter der Eichentür gerichtet.Die Tür wurde nicht sofort aufgestoßen. Stattdessen drückte von außen ein schweres Gewicht dagegen, gefolgt vom trockenen Geräusch von Stoff, der über das raue Holz schabte.Lotties Atem ging flach und hastig. Sie griff in ihre Segeltuchtasche und schloss ihre Finger um den Griff ihres kleinen Metallschraubendrehers. Es war keine Pistole, aber es war die einzige Waffe, die sie in Reichweite hatte. Sie hob ihn an, hielt ihn dicht an ihre Brust und kauerte sich in die dunkle Ecke des staubigen Raumes.Das Schloss k
Der eiskalte Schlamm sog mit jedem Schritt an Lotties Stiefeln. Ihre Beine fühlten sich an wie schwere Holzklötze, und ihre Lungen brannten bei jedem kalten Atemzug, den sie in ihre Brust zwang. Sie wagte es nicht, sich umzudrehen. Sie wusste, dass sie, wenn sie auch nur für einen Moment den Kopf wandte, den Halt verlieren und in das dunkle, trübe Wasser des Baches stürzen könnte. Der schwere Segeltuchrucksack schlug immer wieder gegen ihren Rücken, während die Metallwerkzeuge darin leise aneinanderklirrten. In der Stille des Waldes kam ihr dieses Geräusch viel zu laut vor. Ihre Laptoptasche presste sie fest an ihre Brust, um sie vor den nassen Kiefernzweigen zu schützen, die ihr ins Gesicht peitschten.Durch die dichten, herabhängenden Äste der Trauerweiden konnte sie die dunkle Silhouette der Hütte erkennen. Sie stand direkt am Ufer des grauen Sees und wirkte einsam und vergessen. Das Holz war durch Wind und Wetter dunkel wie Holzkohle geworden, und an den Dachkanten wuchs grünes Mo





