LOGINNINA„Hallo.“ Ich lächelte die Rezeptionistin des Touristenbüros an. „Haben Sie für zwei Nächte noch ein Bed & Breakfast frei?“Die Frau tippte fleißig auf ihrer Tastatur.Wir hatten letzte Nacht in einem grauenvollen Hotel geschlafen, und Raphael weigerte sich, noch eine weitere Nacht dort zu verbringen. Er hatte klargemacht, dass er nur dann das ganze Wochenende bleiben würde, wenn ich etwas halbwegs Anständiges für die nächsten zwei Nächte fand. Gerade holte er draußen Kaffee für uns.Der Regen hatte aufgehört, und irgendwann mussten wir zurückfahren und die Camping-Sachen aus dem gestrigen Weltuntergangs-Sturm holen. In der Nacht hatten wir nur unsere wichtigsten Dinge geschnappt und waren abgehauen. Bei dem Wetter war sowieso nichts zu machen gewesen.„Ich habe nur noch ein Farmhaus“, sagte sie, während sie tippte und dann vorlas. „Arndell ist das Anwesen.“Ich hörte aufmerksam zu.„Es ist für zwei Nächte frei, und Sie bekommen es zum ermäßigten Preis, wenn Sie möchten.“Ich läch
NINAZwei Stunden später stand das Zelt endlich. Das Bett war aufgepumpt, und ich stellte zwei Klappstühle auf. „Komm, setz dich zu mir.“ Ich lächelte und öffnete eine Flasche Rotwein.Er setzte sich neben mich, ich reichte ihm sein Glas. Ich hatte zwei richtige Weingläser mitgebracht – ich wusste, dass er bei einem Plastikbecher ausgerastet wäre.Er saß in seinem billigen Klappstuhl, nahm das Glas entgegen, und ich lächelte ihm zu, als ich meines hob. „Auf die erfolgreiche Flucht aus Alcatraz.“Er grinste schief, nahm einen Schluck und blickte in die Dunkelheit. „Okay … und was machen wir jetzt?“„Das war’s.“„Das war’s?“ Er runzelte die Stirn.„Ja … man sitzt einfach hier.“„Und macht was?“„Entspannen.“„Oh.“ Er sah sich im dunklen Wald um und nippte an seinem Wein. Ich biss mir auf die Unterlippe, um nicht zu lachen. Es war jetzt stockdunkel, und der Wald erwachte zum Leben. Aus der Ferne hörte man Tierlaute hallen.Innerlich drehte er völlig durch, hielt es aber mühsam zurück. Er
NINAZwei Stunden später sahen wir das Schild für den High Point State Park. Eine Schotterpiste führte hinein, und Raphael sah mich fragend an.„Hier geht’s lang?“Ich zuckte mit den Schultern und wurde plötzlich ein bisschen nervös. „Ähm … ja, ich glaube schon.“Dieses Wochenende musste einfach funktionieren. Ich wollte, dass wir Spaß hatten und uns entspannten. Tief im Inneren wusste ich, dass ich ihn verlieren könnte, wenn Raphael seinen Arbeitsstress nicht in den Griff bekam. Mit seinem Temperament konnte ich auf Dauer nicht leben.Wir bogen von der Hauptstraße ab und fuhren den Weg hinunter. Wir beide wurden still, während wir dem Pfad folgten. Ich studierte die Karte auf meinem Handy.„Hier steht, wir sollen bis zum Ende dieser Straße fahren und dann rechts abbiegen.“„Okay“, antwortete er, während der Truck auf der holprigen Piste durchgeschüttelt wurde. Er warf mir einen Blick zu. „Bist du sicher, dass es hier langgeht?“Ich zuckte wieder mit den Schultern. „Steht zumindest so
NINARaphael starrte mich an und war sprachlos.Oliver senkte den Kopf, und ein Lachen brach aus ihm heraus.Raphael starrte mich entsetzt an.Ich lachte laut los, als ich seinen Gesichtsausdruck sah. Ich stellte den Pick-up auf Parken, sprang heraus und warf unsere Taschen auf die Ladefläche.„Du kannst das unmöglich ernst meinen“, stammelte Raphael.„Todernst.“Sein Blick wanderte über den alten, verbeulten Truck. „Dieses Auto ist nicht mal verkehrstauglich.“„Es ist kein Auto – es ist ein Truck.“ Ich lächelte und knallte die Heckklappe zu. „Sie heißt Bessie.“Raphael stemmte die Hände in die Hüften. Er warf Oliver einen Blick zu, der laut lachte.„Das ist verdammt noch mal nicht lustig, Oliver“, fuhr er ihn an. „Ich campe nicht, Nina. Das solltest du eigentlich wissen. Was um alles in der Welt hat dich auf diese hirnrissige Idee gebracht? Das entspannt mich kein bisschen. Ich spüre, wie mein Blutdruck sekündlich in die Höhe schießt.“Oliver senkte den Kopf und lachte jetzt richtig
NINA„Herein“, rief seine tiefe Stimme.Ich steckte den Kopf durch die Tür. Fabian saß an seinem Schreibtisch. „Komm rein, Rain.“ Er lächelte.Rain.Ich lächelte und setzte mich an seinen Schreibtisch. Ich hatte beschlossen, Fabian über alles auf dem Laufenden zu halten. Er liebte Raphael und würde am besten einschätzen können, was Rel wissen musste und was nicht.Seine Augen sahen mich mit einem warmen Glanz an. „Du warst gestern Abend ein voller Erfolg bei unseren Eltern.“Ich lächelte. „Wirklich?“„Meine Mutter hat heute Morgen nur von dir geschwärmt.“ Er lächelte, hielt den Stift in der Hand und drehte sich auf seinem Stuhl hin und her.„Ich wollte dich nur über ein paar Dinge auf dem Laufenden halten.“Er runzelte die Stirn. „Okay.“„Ich werde meine Beziehung zu Raphael komplett vom Arbeitsleben trennen. Ich glaube, er braucht eine Pause davon.“„Ich bin ganz deiner Meinung. Die braucht er wirklich.“„Deshalb wollte ich ein paar Sachen mit dir besprechen.“„Super. Schieß los.“„D
NINA„Wie bitte?“ Ich runzelte die Stirn und riss meine Hand aus seinem Griff. „Was haben Sie gerade gesagt?“Er lächelte sexy. „Ich habe lediglich festgestellt, dass Sie wunderschön sind. Kein Grund zur Aufregung.“„Dann lassen Sie es bleiben“, fuhr ich ihn an.Er lächelte und nippte an seinem Drink, sichtlich amüsiert über meine Reaktion. „Wer sind Sie?“„Jemand, dessen Intelligenz durch Ihre Dreistigkeit beleidigt wird. Auf Wiedersehen, Herr Cassano. Verschwinden Sie.“ Ich drehte ihm den Rücken zu und stellte mich an die Bar.Seine Lippen näherten sich von hinten meinem Ohr. „Es war mir eine Freude, Sie kennenzulernen, Nina. Wir werden uns wiedersehen. Dafür sorge ich.“ Sein Atem strich über meinen Nacken, und verräterische Gänsehaut breitete sich auf meinen Armen aus.„Bemühen Sie sich nicht“, zischte ich, verärgert über meine körperliche Reaktion auf ihn.Mein Herz raste. Kein Wunder, dass Raphael vollkommen gestresst war. Er hatte es hier mit reinsten Schlangen zu tun.Gott, ich
NINAMeine Hände hörten einfach nicht auf zu zittern.Auf Autopilot erreichte ich meinen Schreibtisch, das Lächeln wie festgeklebt im Gesicht, während mein Herz so hart schlug, dass es an meinen Mundwinkeln zerrte.Sobald niemand hinsah, riss ich mein Handy aus der Schublade.„Bin gleich wieder da“
NINAVor achtzehn Monaten„Rel…“, setzte ich an, schluckte den Rest aber schnell hinunter.Wie gestand man so etwas, ohne wie eine komplette Idiotin zu klingen?„Ich bin normalerweise nicht so …“„Das habe ich mir schon gedacht“, murmelte er mit einem spöttischen Lächeln, das seine Mundwinkel umspi
NINA„Verdammt, ich bin so was von am Arsch“, flüsterte ich.Wäre mein Leben ein Film, würde ich in der dritten Reihe sitzen und Popcorn an die Leinwand werfen. „Mach das nicht, du Idiotin“, würde ich der Frau da oben zuzischen und mir mit der Hand übers Gesicht fahren.Aber es gab keine Leinwand.
NINA„Was zum Teufel bildest du dir eigentlich ein?“Die Temperatur im Büro fiel innerhalb einer Sekunde um zehn Grad.Tastaturen verstummten. Köpfe ruckten hoch. Kugelschreiber blieben in der Luft hängen. Alles erstarrte.Raphael Müller stand zwischen den Arbeitsnischen.Die Hemdsärmel hatte er ho







