Interview Mit Herrmann Boris Über Seine Schreibprozesse

2026-06-30 22:48:24
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Zachary
Zachary
Empfehler Übersetzerin
Was mir bei Boris‘ Arbeitsweise besonders hängen bleibt, ist seine Liebe zum körperlichen Aspekt des Schreibens. Der Mann schwört auf bestimmte Federn und tintengetränkte Briefpapiere für erste Entwürfe! Es klingt altmodisch, aber ich verstehe den Reiz: Das Kratzen der Feder, das langsamere Tempo gegenüber dem Tippen – das zwingt zu einer anderen Art des Nachdenkens. In seinem Berliner Arbeitszimmer stehen angeblich über 30 verschiedene Tintenfässer, jedes für unterschiedliche Stimmungen oder Textarten.

Er vergleicht das mit einem Maler, der bewusst verschiedene Pinsel wählt. Diese haptische Beziehung zum Schreiben erklärt vielleicht, warum seine Prosa so plastisch wirkt. Wenn ich seine Bücher lese, spüre ich manchmal, wie diese Sinnlichkeit zwischen den Zeilen mitschwingt – als würde man nicht nur Worte, sondern auch die Spuren ihrer Entstehung erfassen.
2026-07-02 23:56:01
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Quentin
Quentin
Erklärer Verkäufer
Hermann Boris hat einmal in einem Gespräch erwähnt, dass sein Schreibprozess eher einem wilden Garten gleicht als einem akkuraten Beet. Er lässt Ideen wuchern, ohne sie gleich zu zähmen, und erst in späteren Drafts bringt er Ordnung ins Chaos. Dabei vertraut er auf handschriftliche Notizen, die er später am Laptop ausarbeitet. Seine Methode erinnert mich daran, wie einige Musiker erst improvisieren und dann komponieren – ein kreatives Durcheinander, das am Ende doch Struktur annimmt.

Besonders faszinierend finde ich, wie Boris zwischen verschiedenen Projekten hin- und herspringt, als würde er literarische Jonglierbälle in der Luft halten. Er beschreibt, dass ihm diese Abwechslung hilft, nicht stecken zu bleiben. Manchmal kehrt er nach Monaten zu halbfertigen Texten zurück, als ob sie in der Zwischenzeit weitergereift wären. Dieses Vertrauen in den eigenen Unterbewusstseinsprozess finde ich bewundernswert – und irgendwie tröstlich für alle, die mit kreativen Blockaden kämpfen.
2026-07-03 22:30:57
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Valeria
Valeria
Romanliebhaber HR-Spezialist
Ein weniger bekannter Aspekt von Boris‘ Methode ist seine Obsession für Geräusche. Er sammelt Field Recordings – vom Knacken alter Parkettböden bis zum Gemurmel fremdsprachiger Bahnhöfe – und spielt sie leise im Hintergrund ab, je nachdem, welche Atmosphäre er erschaffen will. Für seinen Krimi ‚Das Flüstern der Linden‘ hat er wochenlang nur Aufnahmen von raschelndem Laub gehört. Das finde ich genial, weil es zeigt, wie multisensorisch sein Prozess ist.

Interessant auch seine ‚Charakter-Spiellisten‘: Für jede Figur curatet er Musikstücke, die deren inneren Rhythmus einfangen, lange bevor die Handlung steht. Diese klanglichen Skizzen helfen ihm, Personen lebendig werden zu lassen. Vielleicht erklärt das, warum seine Dialoge so musikalisch fließen – als hätte jeder Satz einen unsichtbaren Beat.
2026-07-05 04:15:31
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Zoe
Zoe
Begleiter Übersetzer
Boris‘ Umgang mit Schreibblockaden ist erfrischend undogmatisch. Statt durchzupeitschen oder ewig zu warten, wechselt er einfach das Medium – vom Roman zum Essay, vom Blogeintrag zur Telegramm-Story. Er nennt das ‚kreatives Ausweichen‘. Einmal schrieb er drei Wochen nur Postkarten an fiktive Adressen, bis sich der Knoten löste. Diese spielerische Flexibilität beeindruckt mich.

Am verblüffendsten ist vielleicht sein ‚Reverse Editing‘: Wenn ein Text nicht funktioniert, übersetzt er ihn ins Englische und dann zurück – die entstandenen Brüche führen oft zu überraschenden neuen Wegen. Solche Tricks verraten viel über seinen Humor und seine Bereitschaft, Kontrolle loszulassen. Das Ergebnis sind Texte, die lebendig bleiben, statt überpoliert zu wirken.
2026-07-06 09:56:25
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