MasukNeunzehn Jahre lang lebte Kiara Voss als Ausgestoßene. Geboren als Tochter eines legendären Alphas, doch verflucht ohne einen Wolf, ertrug sie endlosen Missbrauch, an ihrer Seite nur ein einziger Mensch – Ronan, der zukünftige Alpha, den sie liebte. Dann offenbarte die Mondgöttin ihn als ihren Gefährten. Und er verstieß sie. Gedemütigt und verlassen, wird Kiara auf die berüchtigte Alpha Academy geschickt, eine gnadenlose Schule, in der die Schwachen gebrochen werden und die Starken herrschen. Als Null gebrandmarkt, soll sie scheitern. Stattdessen überlebt sie. Als Kiara beginnt, sich in den Rängen emporzuarbeiten, erregt sie die Aufmerksamkeit von Xavier Hale, dem gefürchtetsten Alpha der Academy. Was als Hass beginnt, wird bald zur Obsession, als Xavier erkennt, dass das wolflose Mädchen, das alle verachten, eine Macht verbergen könnte, die die Welt der Werwölfe für immer verändern kann. Nun umgeben von Feinden, Geheimnissen und Verrat, muss Kiara um mehr kämpfen als ums bloße Überleben. Sie muss sich das Schicksal zurückholen, das man ihr gestohlen hat.
Lihat lebih banyakDie zerbrochene Verbindung
**Kiaras Perspektive** „Was glotzt du so, du Freak?", zischte Elena, während sie so heftig an den Korsettbändern ihres Kleides zerrte, dass die zarte Seide unter dem Druck ächzte. Ich keuchte auf, meine Hände flogen zu meiner Kehle, während meine Lungen nach Luft brannten. In den Standspiegel in Elenas Schlafzimmer starrend, sah ich nicht mein eigenes Spiegelbild. Ich sah ein Phantom. Elena wurde gerade in ein atemberaubendes, silbern perlenbesetztes Kleid gezogen – das heilige Zeremonienkleid, das einst meiner verstorbenen Mutter gehört hatte. „Nimm deine schmutzigen Hände von der Seide, Kiara", höhnte meine Stiefmutter Beatrice von der Türschwelle. „Heute Nacht wird Ronan zum Alpha des Silver-Moon-Rudels. Und heute Nacht wird meine Elena seine Luna und besteigt den Thron, der uns schon immer gehört hätte." Die Worte waren schlimmer als jede Ohrfeige oder jeder Schlag, doch ich ließ mein Gesicht völlig ausdruckslos. Dieses Rudelhaus, der Thron und dieses Kleid gehörten meiner Blutlinie – doch alles war mir gestohlen worden. Mein Vater Elias war der angesehene, rechtmäßige Alpha des Silver Moon gewesen, und meine Mutter seine furchtlose Luna. Doch vor zwei Jahren hatte ein brutaler Angriff von Schurken-Wölfen die nördlichen Gebiete verwüstet. Mein Vater war an vorderster Front gefallen und hatte sein Leben geopfert, um das Rudel zu schützen. Meine Mutter hingegen war viel früher gestorben – auf mysteriöse Weise. Mit dem Zerbrechen der Alpha-Blutlinie hatte der Beta meines Vaters die Führung des Rudels an sich gerissen. Da ich biologisch gebrochen geboren worden war – eine seltene Anomalie ohne inneren Wolf – vergaß das Rudel rasch das höchste Opfer meines Vaters. Von einem Tag auf den anderen wurde die wahre Tochter des Alphas ihres Titels beraubt, in den Keller verbannt und auf ein wolfsloses Dienstmädchen aus Rauch und Nichts reduziert. „Ein nutzloser menschlicher Fehler wie du sollte es nicht einmal verdienen, dieselbe Luft wie unser Fest zu atmen", warnte Elena, während sie ihr eigenes Spiegelbild mit einem grausamen, triumphierenden Lächeln bewunderte. „Wenn ich dich heute Nacht aus dem Haus schleichen sehe, werde ich die Vollstrecker deine Beine brechen lassen." Ich zuckte nicht zusammen. Ich hatte zwei Jahre damit verbracht, ihr Gift in mich aufzusaugen, bis ich vollkommen taub war. Doch heute hatte ein seltsames, schweres Ziehen tief in meiner Brust vibriert – ein magnetischer, quälender Sog, der mit jeder Minute stärker wurde. Getrieben von einem Aufschrei in meinem Blut, den ich nicht länger ignorieren konnte, wartete ich, bis sie gegangen waren, und schlüpfte dann durch den Dienstboteneingang in den dunklen Wald hinaus. Meine nackten Füße bewegten sich lautlos über das feuchte Moos und die spitzen Äste, völlig unbeeindruckt von der beißenden Mitternachtskälte. Als ich den Rand der heiligen Lichtung erreichte, traf mich der Duft des Festes – gebratenes Wildfleisch, Kiefernnadeln und der erdrückende, raubtierhafte Moschusgeruch von Hunderten von Wölfen. Ich versteckte mich hinter der rauen Rinde einer mächtigen Eiche und blickte an mir herunter. Ich trug ein schlichtes, ausgeblichenes weißes Baumwollhemd, am Saum ausgefranst. Im Vergleich zu den prächtigen Seiden der Rudelwölfe sah ich aus wie ein Geist, der in einen Königshof eindringt. Im Zentrum der Lichtung, getaucht in das lebhafte, tanzende Licht des Großen Feuers, stand Ronan. Sein Anblick ließ mich den Atem anhalten. Er sah seinem Vater jetzt so ähnlich – groß, breitschultrig und eine mühelos raubtierhafte Dominanz ausstrahlend. Er war der Kronprinz des Silver Moon – der Junge, den alle in seiner Nähe haben wollten. Ich klammerte mich so fest an die Baumrinde, dass mir ein Splitter in die Handfläche drang. Meine Gedanken schweiften zurück zu jenem bitteren Winternachmittag kurz nach der Beerdigung meiner Eltern. Ich hatte zitternd auf der Veranda gestanden und den anderen Kindern zugeschaut, wie sie sich in flauschige Welpen verwandelten – erdrückt vom hohlen Schmerz meines fehlenden Wolfes. Da hatte der fünfzehnjährige Ronan seinen eigenen dicken Fellumhang abgestreift und ihn mir um die Schultern gelegt. „Ignoriere sie, Kiara", hatte er geflüstert, während er sich neben mir in den Schnee setzte. „Ein Wolf zu sein bedeutet nur Zähne. Du hast ein Herz. Das ist viel wichtiger." Zwei Jahre der Hölle hindurch war Ronan meine geheime Sonne gewesen. Wenn Beatrice mich schlug, suchte Ronan mich im Garten auf und drückte mir eine Blume in die Hand. Wenn Elena mich einen Freak nannte, fing Ronan meinen Blick quer durch einen vollen Raum auf und zwinkerte mir heimlich zu – ein Zwinkern, das sagte: *Ich sehe dich. Du bist wichtig.* Er war der Einzige, der mich noch immer wie die wahre Tochter des Alphas behandelte. Plötzlich loderte ein heftiger Funke in meiner Brust auf. Der Mond erreichte seinen absoluten Höhepunkt am Nachthimmel, und der Funke explodierte in einer kosmischen Welle aus Energie. Es fühlte sich an, als wäre ein goldener Faden aus reinem Licht durch mein Herz gezogen und mit einem Ruck straff gespannt worden – meine Seele direkt mit dem Jungen am Feuer verbindend. Meine Knie gaben nach. Mein Atem stockte. Das sanfte Ziehen steigerte sich zu einem betäubenden Donnern, das mein tiefstes Mark erschütterte. *Gefährte.* Die Erkenntnis kam nicht von einem inneren Wolf. Sie kam aus meinem Blut. Sie kam aus meiner Seele. Von einer verzweifelten Welle der Erleichterung getrieben, taumelte ich aus den dunklen Schatten in den bernsteinfarbenen Schein der Festlaternen. *Er gehört mir*, dachte ich, während Tränen meinen Blick endlich verschleierten. *Der einzige Mensch, der mich liebt – er ist derjenige, den mir die Mondgöttin geschenkt hat.* In genau diesem Moment erstarrte Ronan. Er schnappte nach Luft, sein Kopf fuhr heftig herum, während seine Nasenlöcher sich weiteten und meinen Duft auffingen. Seine Augen durchsuchten die Menge – wild und gehetzt – bis sie sich direkt auf mir festigten. Über die Lichtung hinweg trafen sich unsere Blicke. Für einen einzigen Herzschlag verstummten die Musik, das Lachen und das Knistern des Feuers vollständig. Ich sah den tiefen Schock in seinen Augen, dem sofort ein Aufflackern jener alten, wunderschönen Wärme folgte. Seine Lippen öffneten sich, und er machte einen halben Schritt auf mich zu. Doch dann holte die Wirklichkeit uns wieder ein. Ronans Vater trat vor und legte Ronan eine schwere, beherrschende Hand auf die Schulter. Er flüsterte ihm etwas Leises ins Ohr, seine schmalen Augen huschten zu mir herüber – mit unverhülltem Ekel. Ronans Blick glitt zu den Rudelältesten, die mit kalten, richtenden Blicken zusahen. Er sah die Krieger an, die eine starke, fruchtbare Luna forderten. Schließlich fiel sein Blick auf Elena, die neben den Flammen stand wie eine Königin in dem Kleid meiner Mutter. Ich machte einen weiteren qualvollen Schritt vorwärts, meine Hand streckte sich über die Distanz aus. „Ronan?", flüsterte ich. Die Wärme in Ronans Augen verblasste nicht nur – sie erlosch. Sie erstarrte zu etwas Kaltem, Scharfem und zutiefst Hässlichem. Er betrachtete mein zerschlagenes Gesicht und mein ausgefranstes Kleid. Er sah mich an, als wäre ich ein Fleck auf seinem makellosen Aufstiegsfest. Er schritt auf mich zu, und die Menge teilte sich wie Wasser vor einem Raubtier. Die Stille, die über die Lichtung fiel, war so schwer, dass das Atmen unmöglich schien. Hunderte von Augen beobachteten uns. „Kiara", sagte er. Seine Stimme war nicht mehr die Stimme des Jungen, der seinen Umhang im Schnee geteilt hatte. Es war die Stimme eines Politikers – eines Mannes, der Macht begehrte, weit mehr als er eine Seelengefährtin schätzte. „Ronan, ich habe es gespürt", sagte ich, meine Stimme zitterte so heftig, dass ich kaum die Silben formen konnte. „Die Verbindung. Es sind wir. Die Mondgöttin hat uns füreinander auserwählt." Ronan lächelte nicht. Er streckte keine Hand aus, um meine zitternden Hände zu beruhigen. Er stand aufrecht, zog seine breiten Schultern zurück, während sein hübsches Gesicht zu einer makellosen Maske aus Stein erstarrte. „Die Verbindung ist ein Irrtum", erklärte Ronan. Er sprach laut, seine von Alpha-Blut geborene Stimme trug mühelos in jeden Winkel der Lichtung. Es fühlte sich an, als hätte man mir mitten in den Magen getreten. Die Luft entwich heftig aus meinen Lungen. „Was?"**Der Friedhof der Alphas****Kiaras Perspektive**Die Fahrt im Transporter fühlte sich an, als würde sie Jahre dauern. Jedes Mal, wenn die Reifen in ein Schlagloch gerieten, schrien meine blauen Rippen protestierend auf. Ich saß in dem pechschwarzen Raum und zählte meine Herzschläge, um den Verstand zu behalten. Ich wusste nicht, wie weit wir gefahren waren, aber die dünner und kälter werdende Luft verriet mir, dass wir hoch in den Bergen waren.Als der Transporter endlich anhielt, wurden die hinteren Türen mit einem heftigen Knall aufgerissen. Das Licht war so grell, dass es sich wie Nadeln in meinen Augen anfühlte. Eine grobe Hand packte mich am Rücken meines Hemdes und zerrte mich heraus, warf mich auf den harten, gefrorenen Boden.Ich keuchte, als die kalte Bergluft meine Lungen traf. Sie schmeckte nach Eisen und Schnee. Ich stemmte mich auf zitternden Händen hoch und sah mich um.Die Alpha-Akademie sah nicht aus wie eine Schule. Sie sah aus wie ein Gefängnis, gebaut für Riesen.
**Der Käfig und die Dunkelheit****Kiaras Perspektive**Die Kellertür schloss sich nicht einfach – sie knallte mit voller Wucht zu und versiegelte mich in einer absoluten, erstickenden Dunkelheit, die nach feuchter Erde, verfaulten Kartoffeln und Jahrhunderten von Rudelgeheimnissen roch.Die Wachen trugen mich nicht die Steinstufen hinunter. Sie warfen mich.Mein wunder, gepeitschter Rücken prallte heftig auf den gezackten Steinboden am Fuß der Treppe. Ein erstickter Schrei reiner Agonie wurde mir aus der Kehle gerissen, als die frischen Schnitte auf meiner Haut sich weit aufspalteten und heißes Blut in den Stoff meines weingetränkten Hemdes weinten.„Bleib da unten, du Freak", knurrte einer der Vollstrecker hinter den schweren Eisenstäben des Kellergitters. „Luna Beatrices Befehle. Kein Essen, kein Wasser und kein Licht, bis der Transport eintrifft, um das Rudel von deinem Fluch zu befreien."Der schwere eiserne Riegel glitt mit einem endgültigen, spöttischen *Klack* an seinen Platz,
**Der rote Fleck****Kiaras Perspektive**Das elektronische Schloss klickte mit der erschreckenden Endgültigkeit einer Guillotine ein und begrub mich in der eisigen, absoluten Dunkelheit des gepanzerten Transporters. Das Fahrzeug ruckte heftig, seine schweren Reifen donnerten über den Schotter, während es einen steilen Aufstieg in Richtung der nördlichen Gipfel begann.Jede Kurve schickte ein ekelauslösendes Pochen durch meinen Schädel, doch die körperliche Qual war nichts im Vergleich zu dem Phantomduft nach Zedernholz und Asche, der noch immer an meiner Haut haftete.*Ronan.* Die Erinnerung an seine Zurückweisung blitzte hinter meinen Lidern auf wie eine offene Flamme. Er hatte nicht nur unsere Verbindung gebrochen – er hatte danebengestanden und mich Henkern ausgeliefert, nur um seinen gestohlenen Thron zu schützen.Erst zwei Stunden zuvor war die heilige Lichtung des Silver-Moon-Rudels ein Theater des absoluten Wahnsinns gewesen.In dem Moment, als mein Haar in dieses leuchtende,
Omen des Unheils**Kiaras Perspektive**„Ein Rudel braucht eine Luna, die führen kann", sagte Ronan, seine Augen bohrten sich in mich – kalt und völlig distanziert. „Eine Luna, die sich verwandeln, bluten und mit den Wölfen laufen kann. Mein Vater ist der Alpha, und ich werde nach ihm das Amt übernehmen. Der Silver Moon kann nicht von einem Mädchen geführt werden, das gebrochen ist. Ich kann keine Gefährtin haben, die meiner Blutlinie Schande bringt."Er trat näher, beugte sich herunter, sodass seine nächsten Worte ein grausames, erdrückendes Flüstern waren, das nur für meine Ohren bestimmt war. „Du bist ein Mädchen ohne Wolf, Kiara. Du bist absolut nichts. Hast du wirklich gedacht, ich würde eine gebrochene Dienerin einem Thron vorziehen?"Er richtete sich abrupt wieder auf und erhob erneut seine Stimme, seine Worte schnitten durch die Mitternachtsluft wie die Axt eines Henkers. „Ich, Ronan vom Silver Moon, weise dich, Kiara, als meine Gefährtin zurück."Der goldene Faden in meiner B











