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9: Heute Nacht .

Author: Lila
last update Petsa ng paglalathala: 2026-06-14 23:11:21

Soren rief alle zusammen.

Nicht laut, nicht mit Nachrichten – er ging einfach, und fünf Minuten später waren sie alle im Bibliothekszimmer. Ren am Fenster. Finn auf dem Tisch. Kas mit dem Rücken an der Wand, das Grinsen zum ersten Mal komplett verschwunden.

Ich erzählte ihnen von dem Anruf. Einmal, klar, ohne Ausschmückung.

Stille.

„Deine Mutter", sagte Ren. Nicht als Frage.

„Die Stimme war—" Ich brach ab. „Ich kenne sie nicht. Ich habe keine Erinnerung an sie. Aber irgendwo hat der Berg sie er
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  • BLUT & MONDSTEIN   93: Sorens Theorie

    Soren schrieb nicht.Er erschien.Wieder.Diesmal ohne Voranmeldung, ohne Brief vorher, einfach am Morgen am Tor, Reisetasche auf der Schulter, Staub auf den Kleidern, die Augen wach in einer Art, die zeigte, er hatte nicht geschlafen.Kas sah ihn zuerst, vom Fenster aus.„Soren ist hier."Ich war auf den Beinen, bevor Kas den Satz beendet hatte.Im Hof, Soren, der mich ansah mit dem Ausdruck eines Mannes, der etwas gefunden hatte, das zu groß für Briefe war.„Was?", fragte ich, noch bevor ich nah genug war.„Ich erkläre drinnen", sagte er. „Allen gleichzeitig. Ich sage es nicht zweimal."---Der Studienraum, alle fünf plus Sela, die gelernt hatte, präsent zu sein, wenn etwas Wichtiges passierte.Soren stand, was er selten tat – er saß immer, wenn er erklärte, weil Sitzen Präzision bedeutete. Heute stand er.Das war das erste Zeichen, dass das Folgende fundamental war.Er legte zwei Dinge auf den Tisch.Eine Karte, die ich kannte – das Netzwerk, alle Berge, alle Verbindungen.Und ein

  • BLUT & MONDSTEIN    92: Sela

    Sela war schwieriger als ich erwartet hatte.Nicht feindselig. Nicht misstrauisch. Schwierig auf eine Art, die interessanter war – sie stellte Fragen, die zeigten, sie hatte drei Jahre in einer Organisation verbracht, die anders dachte, und das Umdenken war keine leichte Bewegung, sondern ein langsamer, manchmal schmerzhafter Prozess.Am ersten Tag beobachtete sie.Am zweiten Tag stellte sie Fragen.Am dritten Tag widersprach sie.„Ihr lasst zu viel offen", sagte sie, beim Mittagessen, direkt in eine Stille, die keiner erwartet hatte.„Erkläre", sagte ich.„Das Netzwerk hat keine klaren Grenzen", sagte sie. „Wer entscheidet, wer dazugehört? Wer entscheidet, welche Berge erreicht werden? Wer hat die letzte Stimme, wenn zwei Knotenpunkte sich widersprechen?"„Das hat noch nicht jemand gefragt", sagte Finn, überrascht.„Das ist das Problem", sagte Sela.---Ich wollte widersprechen.Dann dachte ich nach.„Du hast recht", sagte ich.Alle schauten mich an, als hätten sie das nicht erwartet

  • BLUT & MONDSTEIN   91: Was Corvin entscheidet

    Corvin klopfte am nächsten Morgen an meine Tür, bevor die Sonne vollständig aufgegangen war.Ich war bereits wach, Ren neben mir, der die Augen öffnete, als das Klopfen kam.„Ich komme", rief ich.Ren stand auf, ohne Frage, zog sich an.Ich auch.Wir öffneten die Tür zusammen.Corvin stand allein, sein Gesicht anders als gestern – nicht weicher, aber aufgeräumter, als hätte er die Nacht genutzt, um Entscheidungen zu treffen, die er trägt.„Ich muss euch etwas zeigen", sagte er.„Was?", fragte Ren sofort.„Nicht hier", sagte Corvin. „Draußen."Wir weckten die anderen, nicht weil es Pflicht war, sondern weil solche Momente zu wichtig waren für Einzelentscheidungen.Finn, Kas, Dael – alle im Hof, bevor die Sonne den Waldrand erreicht hatte.Corvin führte uns nicht weit – zwanzig Minuten vom Tor, in den Wald, auf einen kleinen Hügel, der auf eine Senke hinabschaute.In der Senke: nichts.Gras, Steine, Wald.Aber der Boden war kalt, obwohl es keinen Frost gab.Ich spürte es sofort.„Was is

  • BLUT & MONDSTEIN   90: Sie kommen

    Sie kamen bei Sonnenaufgang.Ich wachte auf, weil der Berg es mir sagte – nicht laut, nicht dringend, sondern mit der ruhigen Gewissheit eines alten Wesens, das Gefahr erkannte, bevor sie sichtbar war.„Ren."Er war sofort wach, seine Augen offen, klar, kein Übergang zwischen Schlaf und Wachheit.„Wie viele?", fragte er.„Ich weiß noch nicht."Wir waren angezogen, bevor Finn klopfte.---Im Hof, die Sonne noch orangefarben, stand Vessa, die Augen auf den Waldrand gerichtet.„Fünf", sagte sie, ohne sich umzudrehen. „Vielleicht sechs. Sie kommen vom Süden."„Woher weißt du das?", fragte Kas, der neben ihr aufgetaucht war.„Ich kenne ihre Bewegungsmuster", sagte sie. „Immer vom Süden. Immer bei Sonnenaufgang, weil das Licht in ihren Augen ist, nicht in denen der Verteidigenden."„Das ist taktisch", sagte Ren.„Sie sind gut", sagte Vessa. „Das war nie das Problem."„Was war das Problem?", fragte Finn.„Wofür sie es einsetzen", sagte sie.---Dael trat aus dem Gebäude, seine Reisetasche au

  • BLUT & MONDSTEIN    89: Was die Löscher wissen

    Drei Tage Ruhe.Dann brach Daels Bote durch das Tor, außer Atem, sein Pferd schaumbedeckt.Ren war draußen, sah ihn zuerst, rief uns.Wir versammelten uns im Hof, und der Bote übergab den Brief, bevor er vom Pferd war.Ich las.Daels Handschrift, normalerweise ruhig und kontrolliert, war diesmal anders – schnell, einige Worte durchgestrichen, neu geschrieben.*Sie wissen, wo ihr wart. Nicht das Dorf – sie wissen nicht von den sieben. Aber sie wissen, dass Berge im tiefen Westen wieder aktiv sind. Mein Kontakt sagt, sie bewegen sich. Nicht viele, vielleicht fünf, vielleicht mehr. Ihre Richtung ist unklar, aber die Absicht nicht. Sie wollen stoppen, was begonnen hat. Ich komme, sobald ich kann. – D.*Ich faltete den Brief, schaute auf Ren.„Wann?", fragte er.„Ich weiß nicht", sagte ich. „Bald."„Definition von bald?"„Tage. Vielleicht weniger."---Wir handelten sofort.Ren koordinierte, wie er es immer tat – ruhig, präzise, kein unnötiges Wort.„Mira", sagte er. „Netzwerk-Kontakte inf

  • BLUT & MONDSTEIN   88: Abschied und Richtung

    Wir brachen am nächsten Morgen auf, zu viert.Soren begleitete uns zum Rand des Dorfes, weiter als nötig, wie jemand, der den Moment verlängert, ohne es zugeben zu wollen.Riva stand bei ihm, weil Riva überall stand, wo etwas Wichtiges passierte.„Du bleibst", sagte Kas zu Soren, nicht als Frage, sondern als Feststellung, die er brauchte, um es real zu machen.„Ja."„Das gefällt mir nicht."„Das weiß ich."„Aber es ist richtig."„Ja."Kas schaute ihn an, dann umarmte er ihn, kurz, fester als sonst.Finn drückte Sorens Schulter, sagte nichts, was das Richtige war.Ren und Soren schüttelten sich nicht die Hand, umarmten sich nicht – sie schauten sich an, zwei Männer, die zu viel zusammen erlebt hatten, um Gesten zu brauchen.Dann war es mein Moment.„Täglich", sagte ich.„Täglich", sagte er.„Und wenn etwas passiert—"„Dann bin ich derjenige, der schreibt, bevor du frägst."„Das war die richtige Antwort."Er küsste meine Stirn, kurz, dann meine Lippen, kürzer als ich wollte, aber genug

  • BLUT & MONDSTEIN   7: Die Lichtung um sechzehn Uhr

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    Ich fand heraus, was ich war, an einem Donnerstag.Nicht von einer Person. Nicht aus einem Buch. Nicht durch irgendeine dramatische Enthüllungsszene, in der mich jemand hinsetzt und mir alles mit ernster Miene und einer Tasse Tee erklärt.Ich fand es heraus, weil ich rannte.******Es begann mit ein

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    Ich hätte jemanden nach dem Jungen aus dem Innenhof fragen sollen.Habe ich aber nicht.Ich redete mir ein, es sei, weil ich nicht verunsichert wirken wollte. Der wahre Grund war einfacher: Fragen hätte bedeutet zuzugeben, dass er unter meine Haut gegangen war, und dazu war ich am zweiten Tag noch n

  • BLUT & MONDSTEIN    1:Die falsche Art von Unsichtbarkeit

    Ich hätte nicht hier sein sollen.Dieser Gedanke kreiste unablässig in meinem Schädel, während der Bus die Bergstraße hinauf ächzte und die Bäume das letzte Nachmittagslicht verschluckten. Ich presste meine Stirn gegen die kalte Scheibe und sah zu, wie der Wald dichter, dunkler und älter wurde – wie

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