LOGINAls von Geburt an verflucht angesehen, wuchs Charise Lancaster im Schatten von Angst und Verfolgung auf. Mit dem Hybridblut von Wolf und Hexe in ihren Adern gehörte sie nirgendwo wirklich dazu. Bis zu jener schicksalhaften Vollmondnacht, in der drei mächtige Alphas – Merrick, Pagan und Lyon – sie als ihre vorherbestimmte Luna erkannten. Gefangen zwischen den Intrigen zerbrochener Rudel, dem Erwachen uralter Kräfte und der drohenden Rückkehr der Hexen muss Charise ihr Schicksal annehmen. Nicht an der Seite eines einzigen Mannes, sondern dreier Männer, die Anspruch auf sie erheben, sie beschützen und ihre Seele in Brand setzen. Dies ist nicht nur eine Liebesgeschichte – es ist ein Krieg darum, zu der Person zu werden, als die sie geboren wurde, und die Welt zu retten, zu der sie gehört.
View MoreDer Schnee und der Wolf (VOR 15 JAHREN)
Der Wald lag unter einem zerbrechlichen Schleier der Morgendämmerung, Frost glitzerte wie verstreute Diamanten auf jedem Ast. Charises Stiefel versanken im Schnee, während sie rannte und kleine Stürme aus funkelndem Eis aufwirbelte. Ihr Atem stieg in schnellen Wolken auf, und ihr Lachen erklang hell, rein und klar.
„Mondfunke“, rief die Stimme ihres Vaters sanft vom Rand der Bäume herüber, warm und ruhig. Er stand aufrecht da, die Augen wachsam, die Haltung angespannt vor Alarmbereitschaft, die Charise noch nicht verstehen konnte. „Bleib in meiner Nähe.“
Sie winkte ihm zu und huschte zwischen den Bäumen hindurch, begeistert davon, wie die Frostpartikel auf ihrem Weg schimmerten. Kaum bemerkte sie die unheimliche Stille — keine Vögel, kein Windhauch regte sich. Die Sinne ihres Vaters als Wolf registrierten etwas in der Luft, und auch sie spürte es: ein Ziehen in ihrer Brust, das ihren Magen verkrampfen ließ.
Dann zerbrach die Welt.
Gestalten brachen aus den Schatten hervor — streunende Wölfe, größer und schlanker als alle, die sie je gesehen hatte, ihre Augen leuchteten mit kalter, berechnender Absicht. Ihr Fell sträubte sich; Krallen kratzten über den gefrorenen Boden. Das waren keine zufälligen Angreifer — sie jagten sie. Charises Brust zog sich vor nackter, ungefilterter Angst zusammen.
„Lauf, Charise. Geh zu deiner Mutter“, bellte ihr Vater, seine Stimme rau vor Autorität.
Im selben Augenblick verwandelte er sich. Muskeln spannten sich, Knochen knackten und formten sich neu, während dichtes Fell über kräftige Schultern wuchs. Seine Wolfsgestalt war gewaltig, das Fell dunkel wie Mitternacht mit silbernen Streifen, die Augen ein scharfes, intelligentes Bernstein, das im sanften Morgenlicht aufblitzte.
Charise taumelte rückwärts und starrte ihn an, doch sein Blick hielt den ihren fest — ruhig und befehlend. Er war ihr Beschützer, ihr Beta, und in diesem Moment verblasste alles andere.
Die Streuner kamen knurrend näher, Reißzähne entblößt, Krallen gruben sich in Schnee und Eis. Einer sprang nach ihr, die Zähne auf ihren Arm gerichtet. Ihr Vater fing ihn ab, seine Kiefer schnappten zu, gewaltige Pfoten hämmerten durch den Schnee und schleuderten einen Streuner nach dem anderen zur Seite. Er kämpfte mit der Präzision und Autorität eines Anführers, schneller, als das Auge folgen konnte, und doch stets aufmerksam auf ihre Position.
Angst schoss durch Charise hindurch und entfachte etwas Tiefes in ihrem Inneren. Wärme flammte in ihrer Brust auf, ihre Hände prickelten. Schnee erstarrte mitten in der Luft, als ihre Magie unkontrolliert hervorbrach — silbernes Licht strömte aus ihrer Haut und überflutete den Wald. Die Streuner erstarrten erschrocken; ihr Knurren verstummte in eisiger Stille. Für einen Augenblick bestand die Welt nur noch aus Silber, Weiß und Schatten.
Und dann kam die Vision.
Flammen verschlangen Wälder. Wölfe mit Augen, die wie geschmolzenes Gold brannten. Schatten kreisten um einen Mond, der mit blutrotem Licht verschmiert war. Ein fernes Heulen rief nach ihr — vertraut und zugleich unmöglich. Sie verstand kaum, was sie sah, doch ihr Instinkt flüsterte: Gefahr, Schicksal, Macht.
Ihr Vater heulte — lang, tief und befehlend — und sprang auf einen Streuner zu, der versuchte, sie von der Seite anzugreifen. Seine Zähne packten die Schulter des Angreifers, und der Streuner schrie auf und taumelte zurück. Er drängte weiter vor, ein silberner Schatten aus Fell und Kraft, jede Bewegung eine perfekte Mischung aus Stärke und Strategie.
Einem Streuner gelang es, seine Krallen in die Seite ihres Vaters zu schlagen, und ein tiefes Knurren vibrierte aus seiner Brust. Charises Herz sprang ihr bis in den Hals. Sie wollte zu ihm, wollte helfen, doch er knurrte sie scharf an, Abstand zu halten.
„Geh, Charise. Lauf.“
Von Panik überwältigt, stolperte Charise zurück, ihre Hände zitterten, während das silberne Licht stärker pulsierte. Der Wald selbst schien sich ihrer Angst zu beugen — Schneeflocken gefroren zu glitzernden Kristallen, Äste bebten, der Wind hielt inne. Für einen flüchtigen Moment sah sie sich selbst, älter, allein vor Flammen stehend, mit Wölfen mit leuchtenden Augen an ihrer Seite — und drei Schatten, die einen silbernen Mond umkreisten.
Als die Vision endete, kehrte der Wald zur Normalität zurück, doch ihr Vater lag reglos da. Die Streuner, angeschlagen und durch die vereinte Kraft des Beta-Wolfs und ihrer unkontrollierten Magie zurückgedrängt, waren in die Bäume geflohen, ihre Augen brannten vor Hass und Besessenheit. Charise rannte zu ihm, ihre Knie brachen durch den Schnee, ihre Lungen brannten, ihre Hände zitterten.
Sein Fell war mit Blut und Frost verklebt, seine bernsteinfarbenen Augen matt, aber ruhig, beinahe stolz. Er hatte sie beschützt, hatte alles gegeben, um sie in Sicherheit zu bringen. Charise presste ihre kleinen Hände gegen seine Brust und spürte die schwache Restwärme des Lebens, die wie ein Herzschlag in ihren Knochen nachhallte.
„Es… es tut mir leid“, flüsterte sie mit bebender Stimme. „Ich habe nicht… ich konnte nicht—“
Er brauchte keine Antwort.
Der Wald schien ihre Trauer anzunehmen; der Schnee fiel dichter und machte die harten Konturen der Kampfspuren und frostigen Fußabdrücke weicher. Er war gestorben, um sie zu beschützen — nicht wegen ihrer Magie, sondern weil sie es wert war, beschützt zu werden.
Das Ziehen in ihrer Brust blieb — das Bewusstsein, dass sie anders war, gejagt wurde und Kräfte besaß, die sie noch nicht verstand. Die Streuner würden zurückkehren, angelockt von dem Wissen um ihre Hybridmagie. Und irgendwo tief im Wald deutete ein schwaches silbernes Leuchten auf das hin, was sie eines Tages werden könnte.
Charise legte ihre Stirn gegen die gewaltige Wolfschnauze ihres Vaters und schmeckte Schnee, Blut und die bittere Schärfe des Verlusts. Zum ersten Mal spürte sie die Last dessen, was sie war — halb Wolf, halb Hexe, zugleich Beute und Macht. Und irgendwo jenseits der Bäume hing der Mond blass und wissend am Himmel und flüsterte bereits ihren Namen.
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Der Scheiterhaufen der Beerdigung brannte nur noch schwach, Rauch kringelte sich in den blassen Nachmittagshimmel. Charise ging neben ihrer Mutter den schneebedeckten Waldpfad entlang, die Schultern steif, die Hände tief in den Ärmeln verborgen. Der Wind trug den schwachen Geruch von Asche und Frost mit sich, und das Murmeln der Rudelmitglieder folgte ihnen wie Geister. Mit jedem Schritt sanken Charises kleine Stiefel in den frischen Schnee und hinterließen ungleichmäßige Spuren, die hinter ihr wieder verschwanden.
Die Hand ihrer Mutter ruhte warm und beruhigend auf ihrer Schulter. Charise blickte nicht auf, zu verloren in der Erinnerung an die bernsteinfarbenen Augen ihres Vaters, die Stärke seiner Haltung und das letzte Opfer, das sie beschützt hatte.
Im Inneren ihrer kleinen Hütte hüllte sie der Geruch von Kiefernholz und brennendem Feuer wie eine Decke ein. Ihre Mutter schloss die Tür hinter ihnen und zog Charise sofort in eine feste Umarmung. Charise drückte ihr Gesicht an die Schulter ihrer Mutter und spürte die Wärme und den ruhigen Herzschlag gegen ihren zitternden Körper. Zum ersten Mal seit dem Angriff erlaubte sie sich zu weinen.
„Immer noch stehend“, sagte Lyon, bevor sie antworten konnte. „Du hast sie verstärkt. Der gesamte Perimeter summt jetzt von deiner Magie.“Charise versuchte zu lächeln, doch ihre Brust schmerzte bei der Anstrengung. „Also habe ich die Stadt nicht niedergebrannt. Das ist ein Anfang.“Keiner von ihnen lächelte zurück.Sie blickte zwischen ihnen hin und her, das Herz sank ihr. „Was?“Lyon zögerte, dann griff er nach ihrem Handgelenk. Sein Daumen drückte gegen ihren Puls, gleichmäßig, aber schwach. „Du hast mehr getan, als die Stadt zu retten. Du hast sie an dich gebunden. Die Schutzzauber leben wegen dir – aber welche Macht du auch immer benutzt hast, sie hat ihre Spur hinte
Lyon antwortete nicht. Sein Blick blieb auf das Mädchen unter den Laken geheftet.Ihre Haut trug noch immer einen schwachen Schimmer — Silber, durchzogen von etwas Dunklerem, Rot, das unter dem Licht blutete. An ihrem Hals, direkt unter der Kieferlinie, pulsierte ein schwaches Mal wie ein Herzschlag. Es war nicht natürlich. Es war nicht einmal magisch auf die Art, wie sie es verstanden. Es fühlte sich falsch an.Pagan bewegte sich zuerst. „Du riechst es auch“, sagte er, seine Stimme tief.Merrick nickte einmal. „Nicht nur Hexerei. Etwas Älteres. Tieferes.“ Er rieb über die Narbe an seinem Handgelenk — eine Gewohnheit, wenn seine Instinkte kalt wurden. „Es ist, als hätte die Magie sie gebrandmarkt.“Lyons Hand schloss sich fester um ihre. „Das hat sie. Ich habe es gespürt, als sie zusammeng
Der Gedanke traf ihn wie eine Klinge.Stiefel schlugen hinter ihm auf den Stein. Merricks Knurren durchschnitt die Stille, scharf und ungläubig. „Was zur Hölle ist passiert?“Pagan war einen Herzschlag später ein Schatten an seiner Seite, seine Augen scannten die Wards, den Boden und dann Charise selbst. „Die Wards…“ Seine Stimme stockte. „Sie sind stärker.“Lyon blickte nicht auf. „Sie hat es getan.“Er strich eine Strähne aus ihrem Gesicht. „Sie hat die Stadt gerettet.“Merrick ging in die Hocke, der Befehlston lag noch immer scharf in seiner Stimme, aber seine Hände waren sanfter als je zuvor. Sein Blick folgte dem schwachen Muster am Ansatz ihres Halses — ein kleiner Fleck, dunkelrot und sich wie Rauch unter ihrer Haut ausbreitend. „Der war vor
Zwei Wachen bezogen Positionen vor ihrer Tür.Durch die Verbindung spürte sie alles — Merricks befehlende Wut, Pagans rohe, körperliche Rage, Lyons Magie, die weißglühend gegen die Nacht brannte. Jeder Schlag, jeder Atemzug, jedes Quäntchen ihrer Anstrengung floss durch sie hindurch, bis ihre Brust vor Schmerz pochte.Und unter alldem ein Flüstern — weich, urtümlich, beharrlich.Sie brauchen dich.Unser Rudel braucht seine Luna.Ihr Wolf drängte nach vorn, unruhig unter ihrer Haut — die Luft um sie herum schimmerte schwach von silbernen Lichtfäden.Sie ballte die Fäuste, versuchte, durch den Schmerz zu atmen, doch der Schmerz vertiefte sich nur, kalt und hell, breitete sich durch die Verbindung aus, bis sie es kaum noch ertragen konnte.Si
Der Schnee und der Wolf (VOR 15 JAHREN)Der Wald lag unter einem zerbrechlichen Schleier der Morgendämmerung, Frost glitzerte wie verstreute Diamanten auf jedem Ast. Charises Stiefel versanken im Schnee, während sie rannte und kleine Stürme aus funkelndem Eis aufwirbelte. Ihr Atem stieg in schnelle
Die Morgenluft biss wie Eisen. Frost klebte auf dem rissigen Asphalt und verwandelte das Gelände von Wintercrest in ein Mosaik aus glitzerndem Weiß und Grau. Rauch stieg aus dem Schornstein der Haupthalle auf und vermischte sich mit dem Geruch von Schweiß, Waffenöl und Kiefernholz, der ständig schw
Ihre Augen — silbern, lebendig, beinahe schmerzhaft anzusehen — trafen seine über die Distanz hinweg.Er kannte ihren Namen nicht, doch er spürte sie so deutlich, als würde sein Blut sie erkennen.Du bist echt, dachte er — auch wenn er nicht wusste, ob er es laut ausgesprochen hatte.Der Boden unte
Alte Ruinen unter dem Vollmond (Die Lunaris)Die Lichtung erstreckte sich weit unter dem kalten Licht des Vollmonds, die Bäume rahmten sie wie stumme Wächter ein. Von den Grenzen dreier Territorien hatten sich die Rudel der jungen Alphas versammelt: Krieger, Späher und Älteste standen in disziplini