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Kapitel 17: Das Sieb der Aszese (Ryu POV)

مؤلف: Eva Jenning
last update تاريخ النشر: 2026-07-29 16:45:02

Die Halle der schweigenden Ströme lag im tiefsten Fundament des Nordtrakts, behauen aus dem nackten, schwarzen Urgestein des Berges. In den tiefen, steinernen Rinnen entlang der Wände stand das Quellwasser vollkommen reglos.

Kein Rinnsal plätscherte, kein einziges Echo brach die absolute Stille, da selbst von der Decke kein Tropfen fiel. Eine klamme, reine Kälte erfüllte die Finsternis und legte sich wie ein unsichtbarer, feuchter Film auf die Haut.

Ryu nahm seinen Platz im vorderen Drittel de
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  • Das Brechen der Gezeiten   Kapitel 21: Die Nebel des Nordwestens (Ryu-POV)

    Die saubere Symmetrie des Tempelgemäuers lag nunmehr drei Tagesmärsche hinter ihnen, abgelöst von einer Wildnis, die sich jeder Ordnung verweigerte. Hier oben, an den steilen Flanken der nordwestlichen Pässe, regierte der rohe Zustand der Welt. Ein klammer, grauer Dunst hing so dicht zwischen den aufragenden Schieferwänden, dass die Sichtweite kaum drei Schritte betrug. Der Nebel fraß das Licht, erstickte die Konturen der Felsen und legte sich als unaufhörlicher, eisiger Film auf Stoff, Leder und Haut.Ryu setzte den Stiefel auf einen flachen Vorsprung, spürte das tückische Nachgeben des feuchten Untergrunds und korrigierte das Gewicht im selben Bruchteil einer Sekunde. Der graue Schlamm, vermischt mit zermahlendem Geröll, fraß sich hartnäckig in die feinen Ziernähte seiner Beinschützer. Für sein inneres System war diese Umgebung eine permanente, leise Tortur. Die Natur floss hier nicht; sie sickerte, rutschte und brach unkoordiniert auseinander. Jeder Schritt verlangte nach einer

  • Das Brechen der Gezeiten   Kapitel 20: Das Fundament der Drei (Kael-POV)

    Der dicke, weiße Dampf im tiefen Gewölbe der Schwefelbäder stand so schwer in der Luft, dass die Deckenbalken aus dunklem Urholz kaum auszumachen waren. Es roch intensiv nach Mineralien, heißem Stein und feuchter Asche. Das geothermal beheizte Wasser war kochend heiß, fast an der Grenze dessen, was ein menschlicher Körper ertragen konnte, doch für Kael war es der erste Ort seit Tagen, an dem das permanente Frösteln in seinen Knochen endlich nachließ.Er saß bis zum Kinn im trüben, blubbernden Becken, den Kopf an den rauen Beckenrand aus Lavagestein gelehnt. Kael hob die Arme aus dem Wasser und ließ das nassglänzende Nass an seinen Unterarmen herabrinnen. Sein Blick fiel auf die Handflächen. Die dicken, dunkelroten Brandblasen, die Nogusa ihm durch die brutale Siegelauflösung verpasst hatte, spannten kaum noch. Die Haut wies zwar noch die rauen Spuren der Überlastung auf, doch der tiefe, zerstörerische Entzündungsbrand war erloschen.Kael wusste genau, warum. Es war nicht das heilen

  • Das Brechen der Gezeiten   Kapitel 19: Die Resonanz der Tiefe (Ryu-POV) 

    Die Schwärze war nicht leer. Sie besaß ein Gewicht, eine physische Dichte, die sich auf Ryus Brust legte und den Atem in seinen Lungen abschnürte. Für mehrere Sekunden existierte kein Oben und kein Unten, nur das dumpfe, rhythmische Hämmern des Blutes in seinen Schläfen. Das Grundeis des Gletschers absorbierte jedes Geräusch, schluckte das Brüllen des Sturms und hinterließ eine Totenstille, die wie Nadeln in den Ohren stach. Ryu öffnete die Augen. Er sah nichts. Das vollkommene Fehlen von Licht triggerte eine alte, sorgsam vergrabene Angst in seinem Hirn. Ein süßlicher, schwerer Geruch nach verbranntem Eisen kroch ihm in die Nase, die Halluzination von siedendem Clanwasser stieg vor seinem inneren Auge auf. Das Gefühl, lebendig begraben zu sein, die absolute Machtlosigkeit gegenüber der einbrechenden Dunkelheit. Seine Finger krallten sich in den Untergrund, suchten Halt auf der spiegelglatten Fläche, während seine Gezeit in den Adern in panische Unruhe geriet. Die feine

  • Das Brechen der Gezeiten   Kapitel 18: Der Pfad des eisernen Grats (Kael-POV)

    Der Wind auf den äußeren Kämmen des Bergrückens war ein konstantes, tiefes Brüllen, das das Trommelfell erzittern ließ. Der Schnee lag hüfthoch; jeder Schritt verlangte vollen Einsatz der Oberschenkelmuskeln. Die eiskalte Atemluft brannte in den Lungen:Kael zog die Kapuze der schweren Wintertunika tiefer ins Gesicht. Sie standen am Rand einer zerklüfteten Gletscherspalte, dem Ziel ihrer heutigen Patrouille. Neben ihm trotzte Ren den Böen, die Stiefel tief in den gefrorenen Fels gerammt, unerschütterlich wie eine Mauer aus Stein. Auf Kaels anderer Seite stand Ryu. Das Genie starrte stumm in den weißen Abgrund, das blaue Haar unter der Pelzkapuze verborgen. Reine Zweckmäßigkeit hatte sie in diese Dreierallianz gezwungen, ein Befehl der Meister zur Grenzsicherung. Ein defekter Signalkristall in der Tiefe des Eises drohte zu erlöschen, und ihr Trupp war für die Bergung des Kerns eingeteilt.Kael ballte die Fäuste in den dicken Lederhandschuhen. An den Handgelenken, genau dort, wo Ryu

  • Das Brechen der Gezeiten   Kapitel 17: Das Sieb der Aszese (Ryu POV)

    Die Halle der schweigenden Ströme lag im tiefsten Fundament des Nordtrakts, behauen aus dem nackten, schwarzen Urgestein des Berges. In den tiefen, steinernen Rinnen entlang der Wände stand das Quellwasser vollkommen reglos. Kein Rinnsal plätscherte, kein einziges Echo brach die absolute Stille, da selbst von der Decke kein Tropfen fiel. Eine klamme, reine Kälte erfüllte die Finsternis und legte sich wie ein unsichtbarer, feuchter Film auf die Haut.Ryu nahm seinen Platz im vorderen Drittel des Raumes ein. Die Knie berührten den gefrorenen Stein, als er sich mit der grazilen Präzision, die das Erbe seines Hauses verlangte, in den rituellen Fersensitz gleiten ließ. Die Hände ruhten flach auf den Oberschenkeln, die Fingerspitzen exakt zueinander ausgerichtet. Er schloss die Lider und regulierte den Atem, bis das Heben und Senken seiner Brust kaum noch das Tuch der Tunika spannte. Sein Geist ordnete sich nach den strengen Linien der Geometrie. Er war bereit für das Urteil der Meister,

  • Das Brechen der Gezeiten   Kapitel 16: Das Echo der Glocken (Kael-POV)

    Die Schritte auf dem rituellen Pflaster des oberen Rings wogen schwerer als jeder Fußmarsch im Tiefland. Der ewige Schnee hatte sie wieder, doch die Reinheit der Gipfelluft brachte Kael keine Erleichterung. Seine Unterarme waren bis zu den Ellbogen dunkelred angelaufen. Die Haut spannte sich so unerträglich über den blockierten Phreem-Bahnen, dass jede kleinste Bewegung der Finger einen brennenden Impuls bis in seine Schultern jagte.In der dämmrigen Kammer der Waffenmeister roch es nach getrocknetem Salbei und kaltem Stein. Meister Nogusa stand vor ihm, die hageren Finger in einer Schale mit klarem Gegenöl. Er wartete, bis Kael die Arme auf die hölzerne Arbeitsfläche legte.„Du hast die Zähne zusammengebissen“, stellte Nogusa fest, ohne aufzusehen. Er begann, das kühle Öl mit harten, präzisen Streichbewegungen über Kaels verbrannte Haut zu reiben.Ein lautes Zischen ertönte. Doch was als Erlösung gedacht war, entfesselte eine brutale, schmerzhafte Gegenreaktion. Als das Öl die graue

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