Das geheime Kind des Milliardenerben

Das geheime Kind des Milliardenerben

last updateLast Updated : 2026-07-17
By:  Adelina BestonUpdated just now
Language: Deutsch
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Mit neunzehn verbringt Maëlle Vautrin einen heimlichen Sommer mit Sacha Delcourt. Er ist älter, gefährlich und ausgerechnet der beste Freund ihres Bruders. Als Maëlle ihre Beziehung nicht länger verstecken will, verschwindet Sacha ohne ein Wort. Wenige Wochen später ist von der Zukunft, die sie für sich geplant hatte, nichts mehr übrig. Vier Jahre lang belügt Maëlle ihre Familie, um ihre Tochter Mia und das mühsam aufgebaute gemeinsame Leben zu schützen. Erst als sie nach Saint-Cyr-sur-Mer zurückkehrt, um endlich die Wahrheit zu sagen, steht Sacha plötzlich vor dem Haus ihrer Eltern. Aus dem Jungen mit den verletzten Knöcheln ist der Erbe des Delcourt-Konzerns geworden. Er trägt dunkle Maßanzüge, reist mit Personenschutz und erscheint in den Schlagzeilen an der Seite einer anderen Frau. Doch wenn er Maëlle ansieht, ist die verbotene Anziehung dieses Sommers sofort wieder da. Dann betritt Mia den Raum. Sacha versteht noch nichts. Noch nicht. Aber sein Blick verweilt zu lange, sein Schweigen verändert sich, und die ersten Fragen lassen nicht auf sich warten. Maëlle weiß nur eines: Sie muss verschwinden, bevor er die richtige Frage stellt.

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Chapter 1

Kapitel 1: Der Fremde im Bad

Maëlles Sicht

Théo: 20 Uhr bei Maxime. Zieh das rote Kleid an. Das, in dem du mich verrückt machst.

Seine Nachricht kommt genau in dem Moment, als ich die Haustür mit der Schulter aufdrücke.

Noch bevor ich meine Tasche abgestellt habe, folgt die nächste.

Théo: Und plane nicht, früh nach Hause zu kommen. Ich habe einiges mit uns vor. 😉

Die Schlüssel klemmen noch zwischen meinen Fingern, als ich den letzten Satz ein zweites Mal lese.

Einiges vor. Ich weiß ziemlich genau, was er damit meint.

Seit wir zusammen sind, testet Théo meine Grenzen, als müsste er nur die richtige Zahlenkombination für ein Schloss finden. Erst liegt seine Hand auf meinem Knie. Später wandert sie meinen Oberschenkel hinauf. Seit ein paar Wochen endet jeder Moment, in dem wir allein in seinem Auto sitzen, auf dieselbe Weise: sein Atem an meinem Hals, seine Finger unter meinem T-Shirt und seine Stimme, die mir immer wieder sagt, ich könne ihm vertrauen.

Ich vertraue ihm. Glaube ich zumindest.

Trotzdem bin ich noch nicht bereit.

Mit neunzehn kommt es mir manchmal vor, als hätte ich eine wichtige Station verpasst, die alle anderen längst hinter sich haben. Aber ich will mehr als einen Jungen, der es kaum erwarten kann, mir unter den Rock zu greifen. Ich will jemanden, von dem ich mich nur schwer verabschieden kann, weil wir uns noch tausend Dinge zu erzählen haben. Jemanden, bei dem Verlangen nicht alles andere ersetzt.

Ich antworte: Mal sehen. Holst du mich ab?

Théo: Um 19:45 Uhr. Mach dich hübsch für mich.

Eigentlich sollte mir das gefallen. Stattdessen erinnert es mich nur daran, dass ich eine Stunde lang mit Solène durch Toulon gezogen bin, um ein Kleid zu finden, das ihm gefallen könnte.

Unser Nachmittag endet früher als geplant, weil Solènes Freizeitzentrum sie als Vertretung für eine kranke Kollegin zurückruft. Statt vor der Party gemeinsam essen zu gehen, sitze ich allein im Bus nach Hause. Mit einer Einkaufstüte und viel zu viel Zeit, um über den Abend nachzudenken.

Im Haus ist es still und heiß. Meine Eltern verbringen das Wochenende bei meiner Tante in Aix. Bastien arbeitet bis achtzehn Uhr im Hafen. Mir bleiben fast zwei Stunden zum Duschen und für die Entscheidung, ob mein neues schwarzes Kleid eine persönliche Wahl oder eine unnötige Kriegserklärung an meinen Freund ist.

In meinem Zimmer öffne ich die Fensterläden gerade weit genug, um etwas Luft hereinzulassen. Meine Tasche rutscht vor der Kommode zu Boden. Ich ziehe das verschwitzte Trägertop aus, öffne die Shorts und schreibe gleichzeitig Solène.

Solène: Gut angekommen?

Maëlle: Ja. Ich gehe duschen. Viel Spaß mit den Monstern.

Solène: Die sind sechs, Maëlle.

Maëlle: Eben. Monster.

Lächelnd gehe ich in Unterwäsche und mit dem Handy in der Hand über den Flur. Das Bad liegt vier Meter von meinem Zimmer entfernt. Niemand sollte mich sehen.

Ein schmaler Lichtstreifen fällt durch die angelehnte Tür auf den Holzboden.

Ich bleibe stehen.

Unten läuft kein Fernseher. Kein Schrank wird geöffnet, keine Schritte kommen die Treppe herauf. Wenn Bastien nach Hause kommt, klingt es immer wie ein kleiner Sturm: Die Schlüssel fliegen in die Ablage, die Schuhe bleiben im Flur liegen, und der Kühlschrank steht offen, bevor er überhaupt seine Jacke ausgezogen hat.

„Bastien?“

Keine Antwort.

Ich will gerade zurückgehen und mein Top holen, da erkenne ich die kleine Lampe über dem Spiegel. Bastien benutzt sie beim Rasieren und vergisst sie so oft, dass Mama ihm schon mit einer eigenen Stromrechnung droht.

Er hat sie heute Morgen angelassen. Mehr nicht.

Als ich nach dem Schalter greifen will, klemmt die Tür. Ich drücke fester dagegen.

Vor dem Waschbecken steht ein Mann.

Mit nacktem Oberkörper und offener Jeans, die tief auf seinen Hüften sitzt.

Über seiner Schulter hängt ein Handtuch. Blut läuft an seinen Rippen entlang und verschwindet unter dem Hosenbund.

Er hebt den Kopf. Im Spiegel treffen sich unsere Blicke.

Seine Augen gleiten zu meinem BH hinunter und kehren dann in mein Gesicht zurück. Es dauert kaum eine Sekunde, doch mein ganzer Körper bemerkt es. Ich presse einen Arm vor die Brust.

„Wer bist du?“

Der Fremde antwortet nicht. Seine Aufmerksamkeit gilt plötzlich meinem Handy.

Mit zwei Schritten ist er bei mir.

Ich weiche zurück, aber zu spät. Seine Finger schließen sich um mein Handgelenk. Er dreht mich zur Wand und legt mir die andere Hand auf den Mund. Die kühlen Fliesen treffen meinen Rücken, während sein feuchter Oberkörper meine Schulter streift.

„Hast du ein Foto gemacht?“

Ich schüttele den Kopf und versuche, ihn wegzudrücken. Er bewegt sich kaum.

„Bist du allein?“

Ich beiße ihm in die Handfläche.

Fluchend lässt er mich los.

„Bist du verrückt? Raus aus meinem Haus!“

„Deinem Haus?“

„Ja. Und wenn du noch einen Schritt auf mich zumachst, schreie ich.“

Jetzt mustert er mich genauer.

„Du bist Bastiens Schwester.“

„Und du stehst immer noch halb nackt in unserem Bad.“

Er nimmt das Handtuch von seiner Schulter und hält es mir hin. Ich reiße es ihm aus der Hand.

„Dein Name.“

„Sacha Delcourt.“

Ach. Dieser Sacha.

Der Sacha, der Bastien mit siebzehn vor dem Ertrinken gerettet hat. Der ihm die Nase gebrochen hat, bevor die beiden besten Freunde wurden. Der monatelang verschwindet, ohne jemandem zu erklären, wo er gewesen ist.

Ich habe ihn mir älter vorgestellt. Und gewöhnlicher.

Unten fällt die Haustür ins Schloss.

„Sacha?“, ruft Bastien. „Ich habe den Verbandskasten!“

Dreißig Sekunden später steht mein Bruder im Flur. Sein Blick wandert von Sachas nacktem Oberkörper zu mir und dem Handtuch, das kaum meine Oberschenkel bedeckt.

„Warum stehst du fast nackt bei meinem besten Freund?“

„Weil dein bester Freund in unserem Bad steht!“

Bastien erklärt, Sacha bleibe ein paar Tage, bis ein Problem mit seiner Unterkunft geklärt und sein Motorrad repariert sei. Die Geschichte klingt vage. Seine Verletzung passt überhaupt nicht dazu.

Während die beiden reden, ziehe ich mich in mein Zimmer zurück und ziehe etwas an. Als ich wieder nach unten komme, hat Bastien Pizza bestellt. Sacha trägt endlich ein schwarzes T-Shirt, doch wegen des Verbands klebt der Stoff leicht an seiner Seite.

Ich setze mich so weit von ihm entfernt wie möglich.

Es bringt nichts.

Während des gesamten Essens spüre ich, wie seine Aufmerksamkeit immer wieder zu mir zurückkehrt. Nicht ständig. Nur oft genug, dass ich ihn nicht vergessen kann. Wenn ich nach einem Stück Pizza greife, folgt sein Blick meinen Fingern. Erzählt Bastien eine peinliche Geschichte aus meiner Kindheit, beobachtet Sacha lieber meine Reaktion, als bis zum Ende zuzuhören.

„Du starrst sie an“, stellt Bastien schließlich fest.

Beinahe verschlucke ich mich an meinem Getränk.

Sacha nimmt ganz ruhig sein Glas.

„Ich suche nach der Ähnlichkeit.“

„Welcher Ähnlichkeit?“

„Mit dir.“

Bastien lacht.

„Sie hat das ganze Glück der Familie abbekommen.“

Unter dem Tisch stößt mein Knöchel gegen ein Bein. Ich will ihn zurückziehen. Im selben Moment bewegt Sacha den Fuß, und sein Knie liegt an meinem.

Er rückt nicht sofort weg.

Ich auch nicht.

Die Wärme dieser winzigen Berührung dringt durch den Stoff meiner Shorts. Ich sehe auf. Sacha hört Bastien scheinbar vollkommen gelassen zu, doch seine Finger liegen fester um das Glas.

Ich ziehe mein Bein zuerst zurück.

Nach dem Essen geht Bastien für einen Anruf nach draußen. Ich trage die Pizzakartons in die Küche. Sacha folgt mir mit den Gläsern.

Er stellt eines so dicht neben meiner Hand ab, dass seine Finger meine streifen.

„Was du im Bad gesehen hast, bleibt unter uns.“

„Deine Verletzung?“

„Unter anderem.“

Sein Blick ruht auf mir. Sofort sehe ich wieder seine offene Jeans vor mir, das Wasser auf seiner Haut und den Moment, in dem er mich im BH gesehen hat.

„Du musst schon genauer werden. Ich habe eine Menge gesehen.“

Ein Mundwinkel hebt sich.

„Wirst du immer rot, wenn du frech sein willst?“

„Ich werde nicht rot.“

„Natürlich nicht.“

Bastien kommt zurück, bevor mir eine Antwort einfällt. Mit glühendem Gesicht flüchte ich in mein Zimmer.

Das rote Kleid liegt auf dem Bett. Das schwarze hängt noch in der Kleiderhülle.

Ich probiere zuerst das rote an. Es schmiegt sich eng um meine Hüften und endet weit oben an den Oberschenkeln. Théo liebt es. Vor dem Spiegel ziehe ich zweimal am Saum und stelle mir vor, wie seine Hand genau dort hinaufwandert.

Ich ziehe das schwarze an.

Es ist schlichter, körpernah, aber nicht ganz so kurz. Darin fühle ich mich mehr wie ich selbst. Trotzdem weiß ich schon, dass Théo einen Kommentar dazu abgeben wird.

In zehn Minuten wechsle ich dreimal das Kleid.

Am meisten ärgert mich, dass ich nicht mehr weiß, für wen ich eigentlich hübsch sein will.

„Maëlle!“, brüllt Bastien aus dem Erdgeschoss. „Dein Freund ist da!“

Ich behalte das schwarze an.

Théo wartet im Flur. Er sieht zuerst auf mein Kleid und erst danach in mein Gesicht. Sein Lächeln verliert ein wenig von seiner Wärme.

„Ich habe doch das rote gesagt.“

Dann zieht er mich an sich und küsst mich vor Bastien und Sacha. Seine Hand liegt viel zu tief auf meinem Rücken. Seine Zunge drängt gegen meine, bevor ich überhaupt Guten Abend sagen kann.

Ich werde steif.

Über seine Schulter hinweg begegnet mein Blick Sachas.

Er lächelt nicht mehr.

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