LOGINKian hat das Eis besiegt und seine menschliche Wärme zurückgewonnen. An Bord der Schwarzen Muräne könnte das Leben endlich friedlich sein – zumal aus der tiefen Freundschaft zwischen ihm und der furchtlosen Kriegerin Talisa endlich mehr wird. Doch die Vergangenheit ruht nicht. Als der geniale Ingenieur Silas eine kryptische, mechanische Karte entschlüsselt, beginnt für die Rebellen das größte und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens. Die Karte führt zu Atlantis-Null, der legendären Meister-Werkstatt von Kians Vater Corvus. Dort soll eine Erfindung ruhen, die den Krieg gegen das eiserne Imperium für immer beenden könnte. Doch sie sind nicht die Einzigen, die das Rätsel jagen. Der skrupellose Korsar „Silberzunge“ Locke, ein ehemaliger Schüler von Corvus, ist ihnen dicht auf den Fersen – bewaffnet mit tödlicher Kristall-Magie und einem dunklen Geheimnis über Kians wahre Herkunft. Eine atemlose Schatzsuche durch flüsternde Nebelriffe, rostige Schiffsfriedhöfe und gewaltige Strudel beginnt. Am Ende der Welt muss Kian entscheiden, was ihm wichtiger ist: das gewaltige Erbe seines Vaters, oder das Leben und die Liebe, die er sich selbst erkämpft hat. + Sidequest
View MoreKians Hand schwebte nur wenige Zentimeter über der kupfernen Konsole. Das leise Summen des Welten-Herzens vibrierte in seinen Knochen. Er spürte den Ruf der Maschine. Sie war hungrig nach dem Funken, der ihm das Leben schenkte. „Tu es nicht, Kian“, flüsterte Talisa. Ihre Stimme brach fast. „Bitte.“ Locke ratterte mit seinen Ketten und stieß ein spöttisches Lachen aus. „Siehst du, Architekten-Sohn? Am Ende bist du doch nur ein Egoist. Genau wie ich. Du lässt die Welt lieber in den eisernen Fängen der Admiralin brennen, als dein eigenes, kleines Leben aufzugeben.“ Kian hielt inne. Er sah von der Konsole auf und blickte direkt in Lockes arrogante, leuchtende Augen. Dann fiel sein Blick auf Silas, der seinen verbogenen Schraubenschlüssel wie einen Schild vor der Brust hielt, und schließlich auf Talisa, deren Augen voller Tränen und unbändiger Entschlossenheit waren.&n
Mit einem lauten Zischen entwich die Druckluft, und die gläsernen Türen des Aufzugs glitten auf. Kian stieß Locke grob vor sich her in das Foyer der Meister-Werkstatt. Der Raum stank nach verbranntem Öl und zerschnittenem Stahl. Überall auf dem polierten Kupferboden lagen die rauchenden Trümmer der spinnenartigen Automaten. Silas saß schwer atmend auf dem Gehäuse einer der Maschinen, sein Schraubenschlüssel war an einer Seite verbogen, und sein linkes Auge schwoll bereits bedrohlich an. Talisa stand ein paar Meter weiter, eine blutende Schramme an der Wange, aber ihre Dolche ruhten sicher in ihren Händen. Als sie das Zischen des Aufzugs hörte, wirbelte sie herum. „Kian!“, rief sie. Die eiskalte Kriegerin ließ ihre Waffen unachtsam fallen, rannte auf ihn zu und schloss ihn in eine stürmische Umarmung. Kian erwiderte sie sofort und vergrub sein Gesicht kurz in ihrem
Das eiskalte Wasser um Kians Waden dampfte leise in der aufsteigenden Hitze des Schachts. Der Eisspeer in seiner Hand zitterte leicht, zentimeterweit von Lockes Halsschlagader entfernt. Minutenlang starrten sich die beiden Männer in der flackernden, blauen Dunkelheit an. Oben, gedämpft durch hunderte Meter von massivem Gestein und Stahl, hörten sie das dumpfe Beben von Talisas und Silas' Kampf gegen die Automaten. Kian presste die Kiefer aufeinander. Er hasste Locke. Er hasste ihn für den Verrat an seinem Vater, für den Angriff im Ehernen Meer und für sein ewiges, arrogantes Grinsen. Aber Talisa und Silas brauchten ihn oben. Er durfte hier unten nicht aus Stolz sterben. Mit einem zischenden Geräusch ließ Kian den Eisspeer zu einer harmlosen Pfütze schmelzen. „Steh auf“, knurrte er und packte Locke grob am Kragen seines ruinierten Samtmantels, um ihn auf die Füße z
Die Straßen von Atlantis-Null waren atemberaubend und beklemmend zugleich. Kein Algenbewuchs, kein Zerfall. Die Stadt unter der massiven Glaskuppel wirkte, als wäre sie erst gestern verlassen worden. Kian, Talisa und Silas schritten durch Alleen aus poliertem Kupfer und imperialem Glas, geleitet von dem sanften, rhythmischen Pulsieren der blauen Energieröhren, die wie Adern durch den Boden liefen. Captain Vane war bei der Schwarzen Muräne geblieben. „Ich lasse mein Schiff in diesem mechanischen Grab nicht aus den Augen“, hatte er geknurrt und die Kanonen geladen. „Findet, was ihr sucht, und dann verschwinden wir.“ Vor ihnen, gefesselt in dicke Eisenketten, ging Silberzunge Locke. Er schlenderte, als würde er einen Sonntagsspaziergang machen, und bewunderte die Architektur. „Corvus war ein Genie“, schwärmte der Korsar und deutete mit dem Kinn auf die gewaltige Kuppel über&nbs
Das Heulen von Lockes Kristallkanonen erreichte einen ohrenbetäubenden Höhepunkt. Das blaue Licht spiegelte sich auf den öligen Wellen des Ehernen Meeres. Kian ignorierte das tödliche Leuchten. Er riss die Arme hoch und stieß einen markerschütternden Schrei aus. Das Wasser um die Schwarze Mur
Das Gewölbe der "Tickenden Mönche" roch nach altem Maschinenöl, feuchtem Stein und tödlichen Geheimnissen. Ein schmaler Lichtstrahl fiel durch einen Riss in der massiven Kuppel der verlassenen Festung und beleuchtete tanzende Staubkörner. Er beleuchtete auch die rasiermesserscharfe, mannsh
Die blinde Sirene glitt lautlos durch das kristallklare Wasser, bis ihr Oberkörper den flachen Felsen berührte. Silberne Wassertropfen perlten von ihrer schuppigen Haut ab. Sie wandte ihr gesichtsloses Haupt genau dorthin, wo Silas stand. Der junge Ingenieur schluckte schwer und drückte de
Die Worte hingen schwer in der von Rost und Pulverdampf geschwängerten Luft. Locke lächelte noch immer, während Talisas Klinge eine hauchdünne rote Linie an seinem Hals hinterließ. Kians Griff um das Handgelenk des Korsaren wurde so fest, dass Locke leicht das Ges
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