Short
Ein Leben für ein anderes

Ein Leben für ein anderes

By:  WandelpfirsichCompleted
Language: Deutsch
goodnovel4goodnovel
9Chapters
626views
Read
Add to library

Share:  

Report
Overview
Catalog
SCAN CODE TO READ ON APP

Mein Bruder und ich gerieten in einen Autounfall. Mein Herz war schwer verletzt. Ich brauchte sofort eine Notoperation. Doch meine Mutter, die Direktorin des Krankenhauses, rief alle verfügbaren Ärzte zusammen. Nicht für mich, sondern für das Zimmer meines Bruders. Er hatte nur ein paar Kratzer. Trotzdem ordnete sie für ihn eine Ganzkörperuntersuchung an, während ich blutend dalag und immer schwächer wurde. Ich flehte sie an, mir zu helfen. Doch sie fuhr mich nur sichtlich genervt an: „Kannst du nicht ein einziges Mal aufhören, dich in den Mittelpunkt zu drängen? Bei deinem Bruder fehlte nicht viel bis zu einem Knochenbruch!“ Am Ende starb ich auf dem OP-Tisch. Doch als die Nachricht von meinem Tod bekannt wurde, verlor meine Mutter, die mich mein ganzes Leben lang hasste, völlig den Verstand.

View More

Chapter 1

Kapitel 1

In den letzten drei Minuten meines Lebens schwebte meine Seele an die Seite meiner Mutter.

Sie saß am Krankenbett meines jüngeren Bruders Felix Goodman. Ihr Gesicht war voller Sorge, während sie betete: „Felix, bitte erschreck mich nicht so. Wach auf, ja?“

Mein Vater stand daneben. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt. „Wenn Sean seine Aufgabe erfüllt und ihn beschützt hätte, wäre Felix jetzt nicht in diesem Zustand! Wart nur ab. Ich prügle ihn tot!“

Ich stand daneben und sah ihnen zu. Bitterkeit stieg in meiner Brust auf.

„Papa, das ist nicht nötig. Ich bin schon fast tot. Euch interessiert das ja sowieso nicht.“

In diesem Moment standen die Ärzte dicht gedrängt um Felix’ Bett.

Nachdem sie bestätigt hatten, dass er nur ein paar Schrammen hatte und nichts Ernstes vorlag, wagte einer der älteren Ärzte endlich, mich zu erwähnen. Vorsichtig fragte er: „Frau Goodman, sind Sie sicher, dass wir nicht nach Sean sehen sollten? Seine Verletzungen durch den Autounfall sehen sehr ernst aus.“

Der sanfte Ausdruck meiner Mutter verwandelte sich sofort in Abscheu. Sie brüllte: „Was zieht er jetzt schon wieder ab? Spielt er den Sterbenden? Begreift er denn nicht, was er seinem Bruder angetan hat?“

Ich starrte sie fassungslos an. Obwohl mein Herz bereits aufgehört hatte zu schlagen, schmerzte es trotzdem.

Ich war doch auch ihr Sohn. War ich ihnen wirklich völlig egal?

Plötzlich griff meine Mutter nach ihrem Handy und wählte meine Nummer.

Eine Krankenschwester hielt mir das Telefon ans Ohr. Doch statt der Sorge, auf die ich gehofft hatte, hörte ich nur Verachtung.

„Sean Goodman, wann kriechst du endlich aus dem Bett und entschuldigst dich bei deinem Bruder?“

Mein Herz wurde augenblicklich eiskalt. Der letzte Rest Hoffnung in mir verdorrte.

Natürlich lag ihr nie etwas an mir.

Wenn ich daran zurückdachte, hatte ich meine Mutter schon bei meiner Einlieferung ins Krankenhaus angefleht, mich zu retten. Doch sie sagte nur: „Musst du selbst in so einem Moment um Aufmerksamkeit kämpfen? Merkst du nicht, dass dein Bruder sich fast einen Knochen gebrochen hätte?“

Dann drehte sie sich um und ging, ohne mich noch einmal anzusehen. Das gesamte Ärzteteam nahm sie mit, damit sie sich um Felix kümmerten.

Wie sollte so jemand überhaupt fähig sein, mich zu lieben?

Die Krankenschwester hielt es nicht länger aus. Sie nahm das Telefon und sagte: „Frau Goodman, Sean hält nicht mehr lange durch.“

Doch meine Mutter war noch immer überzeugt, dass ich alles nur vorspielte. Sie lachte spöttisch. „Wie viel hat dieser Bengel Ihnen bezahlt, damit Sie bei seinem Theater mitmachen? Ich kann nicht glauben, dass er zu so etwas fähig ist!“

Kaum hatte sie ausgesprochen, wachte Felix endlich auf. Dabei hatte er die ganze Zeit nur Bewusstlosigkeit gespielt. Mit schwacher Stimme fragte er: „Mama, Papa, wie geht es Sean?“

Als meine Mutter den gehorsamen, rücksichtsvollen Felix auf dem Bett liegen sah, wurde ihr Blick noch verächtlicher. „Sean, warum kannst du nicht ein bisschen mehr wie dein Bruder sein? Er wurde deinetwegen verletzt und macht sich trotzdem Sorgen um dich.

Wenn du nicht innerhalb der nächsten drei Minuten herkommst und dich entschuldigst, brauchst du dich nie wieder vor mir blicken zu lassen!“

Dann legte sie auf. Ihre Brust hob und senkte sich vor Wut.

Mein Vater stand neben ihr und sah deutlich verärgert aus. „Warum rufst du ihn überhaupt an? Reicht es nicht, dass er Felix beinahe umgebracht hat?“

Felix senkte den Kopf und versuchte, das selbstgefällige Funkeln in seinen Augen zu verbergen. Dann setzte er einen schuldbewussten Ausdruck auf und sah zu ihnen hoch. „Mama, Papa, seid bitte nicht sauer auf ihn. Sean hat mir nur nie verziehen, dass ich das Auslandsstipendium bekommen habe und nicht er. Ich verstehe, warum er mich hasst.“

Ich musste lachen.

Selbst nach meinem Tod versuchte Felix noch, Zwietracht zwischen mir und meinen Eltern zu säen.

Doch meine Eltern würden ihn nie durchschauen. In ihren Augen war er immer der bessere Sohn.

Und sie würden nie über den wahren Grund für den Autounfall nachdenken.

Expand
Next Chapter
Download

Latest chapter

More Chapters
No Comments
9 Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status