تسجيل الدخولEine riesige, eiskalte Hand packte mich und riss mich in der dunklen Bibliothek herum.
Ich schrie laut auf und ließ das schwere rote Buch fallen.
Es schlug mit einem dumpfen Geräusch auf den Boden.
Als ich aufsah, blickte ich direkt in Elias' blasses Gesicht.
Doch er sah nicht mehr aus wie der sanfte Geist, den ich kennengelernt hatte.
Seine Augen waren vollkommen schwarz.
Kein einziger Lichtschimmer war darin zu erkennen.
Dunkle Adern zogen sich über seinen Hals bis hinauf zu seinem Gesicht.
Aus seinem Mund strömte dichter weißer Nebel.
Seine Finger gruben sich wie eiserne Klauen in meine Schulter.
Ich versuchte verzweifelt, mich loszureißen.
Vergeblich.
„Lass mich sofort los, Elias!“, schrie ich.
Er legte den Kopf schief und schenkte mir ein grausames Lächeln.
Das uralte Schattenwesen war nicht im oberen Stockwerk zurückgeblieben.
Während ich die Treppe hinuntergerannt war, hatte es Besitz von Elias' Geist ergriffen.
Nun benutzte es seinen Körper, um mich gefangen zu halten.
Langsam hob er die andere Hand und legte sie an meinen Hals.
Eine eisige Kälte drang tief in meine Haut und bis in meine Knochen.
Ich trat nach seinen Beinen.
Doch meine schweren Stiefel glitten einfach durch ihn hindurch.
Er war fest genug, um mich festzuhalten...
und zugleich zu geisterhaft, um ihn auf normale Weise bekämpfen zu können.
„Jetzt gehörst du mir, kleines Mädchen“, sagte das Wesen.
Die Stimme war eine schreckliche Mischung aus Elias und dem Monster.
Verzweifelt tastete ich nach dem silbernen Schlüssel auf dem Tisch.
Er war meine einzige Hoffnung.
Ich griff danach und stieß ihn mit aller Kraft in Elias' Brust.
Sofort begann das Silber zu zischen.
Die dunkle Haut des Monsters verbrannte unter der Berührung.
Ein entsetzlicher Schrei erfüllte die Bibliothek.
Sein Griff lockerte sich.
Ich fiel rückwärts gegen den schweren Lesetisch.
Keuchend rang ich nach Luft und rieb mir den schmerzenden Hals.
Der besessene Geist taumelte zurück und krallte sich an die Brust.
Der silberne Schlüssel fiel klirrend auf den Boden.
Mit seinen pechschwarzen Augen starrte er mich voller Hass an.
Ich hob das geöffnete rote Buch wieder auf.
Die Zeichnung meines blutüberströmten Körpers war noch immer auf der ersten Seite zu sehen.
Ich musste endlich herausfinden, wie sich der Fluch brechen ließ.
Hastig blätterte ich weiter.
Die alten Worte waren mit dunkelroter Tinte geschrieben, die wie Blut aussah.
„Du darfst dieses Buch nicht lesen!“, brüllte der besessene Elias.
Er stürmte auf mich zu.
Im letzten Moment schleuderte ich einen schweren Holzstuhl in seinen Weg.
Er stolperte darüber und stürzte auf den staubigen Boden.
Schnell blätterte ich weiter.
Schließlich fand ich eine Seite mit einer Zeichnung des silbernen Schlüssels.
Darauf war eine mutige Frau zu sehen, die den Schlüssel in ein Feuer warf.
Sofort erinnerte ich mich an den großen Steinkamin im Wohnzimmer.
Wenn ich den silbernen Schlüssel verbrannte...
würde der uralte Fluch gebrochen werden.
Ich klappte das rote Buch zu und drückte es fest an mich.
Dann hob ich den silbernen Schlüssel vom Boden auf.
Der Geist erhob sich wieder.
Ein wütendes Brüllen ließ die Fensterscheiben erzittern.
Ich rannte aus der Bibliothek.
Mit letzter Kraft sprintete ich den langen Flur entlang.
Der besessene Geist folgte mir lautlos.
Mit jeder Sekunde wurde die Luft kälter.
Schließlich erreichte ich das Wohnzimmer.
Dort stand der große Steinkamin.
Trockenes Holz lag bereits darin.
Ich ließ das rote Buch fallen und tastete die Taschen meiner Jacke ab.
Endlich fand ich eine kleine Schachtel Streichhölzer aus meinem Mietwagen.
Meine Hände zitterten.
Ich zog ein Streichholz heraus und zündete es an.
Eine kleine gelbe Flamme flackerte auf.
Ich warf das brennende Streichholz auf das trockene Holz.
Innerhalb weniger Augenblicke loderten helle Flammen im Kamin.
Ihre Wärme vertrieb die eisige Kälte.
Ich hielt den silbernen Schlüssel über das Feuer.
In diesem Moment stürmte Elias ins Wohnzimmer.
Er blieb im Türrahmen stehen.
„Bitte... wirf den Schlüssel nicht ins Feuer“, flehte er.
Für einen kurzen Augenblick klang seine Stimme wieder wie die des echten Elias.
Das Schwarz in seinen Augen verschwand.
Sie wurden wieder warm braun.
„Bitte tu mir nicht noch einmal weh, Zara“, sagte er leise.
Ich stand reglos vor dem Feuer.
Der Schatten spielte mit meinen Gefühlen.
Er wollte mein Mitleid wecken.
Er wollte, dass der Fluch gewann.
Ich schloss kurz die Augen.
Dann ließ ich den Schlüssel los.
Er fiel mitten in die Flammen.
Mit einem lauten Krachen traf das Silber auf das brennende Holz.
Im selben Augenblick explodierte eine gewaltige Druckwelle aus dem Kamin.
Sie schleuderte mich zu Boden.
Ich sah, wie Elias auf die Knie fiel und laut aufschrie.
Dichter schwarzer Rauch quoll aus seinem Mund und seinen Augen.
Das Schattenwesen wurde aus seinem Körper gerissen.
Es verbrannte mitten in der Luft.
Wenige Sekunden später war alles vorbei.
Der Rauch löste sich vollständig auf.
Tiefe Stille erfüllte das Herrenhaus.
Langsam kroch ich zu Elias hinüber.
Zögernd streckte ich meine warme Hand nach ihm aus.
Er bewegte sich nicht.
Er gab keinen Laut von sich.
Verwirrt blickte ich auf meine Hände.
Sie waren mit warmem, dunkelrotem Blut bedeckt.
Julian kam am nächsten Morgen früh ins Atelier. Er trug einen schweren schwarzen Rucksack mit seiner Computerausrüstung. Wie immer hatte er seine graue Jacke an und ein entspanntes Lächeln auf den Lippen. Seine blauen Augen waren wachsam und aufmerksam. Clara hatte ihn spät in der Nacht angerufen und ihm von den verschwundenen Jugendlichen und dem seltsamen grauen Gebäude erzählt.Julian stellte seinen Rucksack auf den hölzernen Arbeitstisch und holte einen schlanken schwarzen Laptop heraus. Heute verlor er keine Zeit mit belanglosem Gespräch.Zara reichte ihm das kleine Glasfläschchen. Julian hielt es gegen das helle Morgenlicht und untersuchte die dicke blaue Flüssigkeit im Inneren. Langsam drehte er das Fläschchen hin und her und beobachtete, wie sich die seltsame Substanz an den Glaswänden bewegte. Sie war zähflüssig und wirkte völlig unnatürlich.„Ich habe schon viele merkwürdige Dinge in dieser Stadt gesehen“, murmelte Julian und stellte das Fläschchen vorsichtig auf den Tisch.
Die späte Nachmittagssonne begann hinter den hohen Backsteingebäuden der Stadt zu versinken. Der Himmel färbte sich in ein tiefes Orange und Violett. Zara und Elias gingen Seite an Seite den belebten Bürgersteig entlang. Der kühle Herbstwind strich über ihre Mäntel. Menschen eilten mit Einkaufstaschen und Aktentaschen auf dem Heimweg an ihnen vorbei. Es war ein ganz gewöhnlicher Dienstagabend. Doch für Zara fühlte sich die Welt nun anders an.Jeder Schritt, den sie neben Elias machte, fühlte sich fest und wirklich an. Seine Hand streifte ihre, während sie gingen, und schickte eine sanfte Welle von Wärme durch ihre Brust. Das Blutsband zwischen ihnen war ständig präsent. Es war ein leises Pulsieren ihres gemeinsamen Lebens. Sie konnte seine ruhige Konzentration spüren. Seine dunklen Augen beobachteten aufmerksam alles um sie herum. Autos fuhren vorbei, und jeder schmale Durchgang zwischen den Gebäuden entging seinem Blick nicht. Er war kein gejagter Geist mehr. Er war ein Beschützer.„
Die Morgensonne strömte durch die hohen Fenster des Ateliers. Drei Tage waren seit den Ereignissen am Hafen vergangen, und die Welt schien endlich zur Ruhe gekommen zu sein. Zara saß auf der Kante des Samtsofas und beobachtete, wie kleine Staubkörner im warmen Sonnenlicht tanzten. Heute gab es keine Eile. Keine Jäger, die sich in den Schatten versteckten. Nur die leisen Geräusche der erwachenden Stadt vor den Fenstern.Elias stand an der kleinen Küchenzeile und bereitete Tee zu. Er bewegte sich langsam und bewusst und staunte noch immer über das angenehme Gewicht der Keramiktasse in seiner Hand. Hundert Jahre lang war er nur ein schwindender Geist gewesen. Jetzt hallten seine Stiefel fest über die Holzdielen. Er konnte die Wärme des kochenden Wassers spüren. Er war vollkommen lebendig.Er kam zu Zara hinüber und reichte ihr eine dampfende Tasse. Seine Finger streiften ihre Hand. Sofort breitete sich eine sanfte, beruhigende Wärme in ihrer Brust aus. Das Band ihres Blutes war längst ke
Der graue Nebel über dem Hafen begann sich langsam zu lichten, vertrieben von den sanften goldenen Strahlen der aufgehenden Morgensonne. Kaltes Meerwasser tropfte vom Saum meines schweren Mantels und bildete kleine dunkle Pfützen auf den feuchten Holzplanken des Piers.Julian holte eine dicke Wolldecke aus dem Heck seines weißen Lieferwagens und legte sie Clara fest um die zitternden Schultern. Sie setzte sich auf die Stoßstange und atmete langsam und tief ein, während nach und nach wieder Wärme in ihr blasses Gesicht zurückkehrte.„Die Flut hat die Höhle vollständig verschlossen“, sagte Julian und blickte über das hölzerne Geländer auf das aufgewühlte, dunkle Meer hinunter. „Falls Victor den Sturz überlebt hat, treibt er jetzt irgendwo weit draußen auf dem offenen Meer, ohne auch nur einen Funken seiner dunklen Magie, der ihn retten könnte.“„Er wird nicht zurückkehren“, sagte Elias. Seine Stimme war ruhig, tief und voller Gewissheit.Er kniete noch immer vor mir auf dem nassen Pier
Das Donnern der steigenden Flut in der Höhle war laut und unaufhörlich, wie mahlender Fels. Eiskaltes, grünliches Meerwasser strömte über meine Stiefel und zog an meiner Kleidung, während es um den Sockel des flachen Altars wirbelte.„Clara!“, rief ich und machte einen Schritt nach vorn.Einer der Schattenwächter packte ihre Schulter noch fester. Clara verzog vor Schmerz das Gesicht. Ihre Haut war blass und von blauen Flecken übersät, doch sie schüttelte entschlossen den Kopf.„Gib ihm nichts, Zara!“, schrie Clara gegen das Tosen der Wellen an. „Wenn er die Krone und den Sternenkristall zusammen bekommt, kann er die Blutmagie für immer neu schreiben. Gib nicht nach!“Victor lächelte. Es war eine kalte, mühelose Bewegung seiner schmalen Lippen. Er hob eine blasse Hand und ließ seine Finger lässig nahe an Claras Hals ruhen.„Du sprichst von Mut, Clara“, sagte er ruhig. „Aber Mut ist eine sehr zerbrechliche Sache, wenn sich deine Lungen mit Wasser füllen. In weniger als zwanzig Minuten w
Der kalte Nebel vom Hafen roch nach Salz, altem Eisen und nassem Holz. Wir kauerten im Schatten zweier großer Frachtkisten im stillen Lagerhaus. Unter unseren Stiefeln knarrten die Holzdielen leise, während unter uns die Flut anstieg.„Hier entlang“, flüsterte Julian.Er winkte uns zu einer kleinen Metalltür, die hinter einem Stapel schwerer Holzpaletten verborgen war.Julian zog ein schmales Dietrich-Werkzeug hervor und arbeitete mit schnellen, geübten Fingern am Schloss.Drei Sekunden später klickte es.Wir schlüpften in einen kleinen Raum, der nach altem Papier und Maschinenöl roch. An der hinteren Betonwand stand ein großer eiserner Tresor.„Das ist er“, sagte Julian.Er schloss sein kleines schwarzes Gerät an das elektronische Tastenfeld des Tresors an.Der Bildschirm leuchtete erst rot, dann grün.Mit einem dumpfen Schlag schwang die schwere Stahltür auf.Im Inneren lag ein runder schwarzer Stein, der wie ein kaltes, finsteres Auge aussah.Julian griff sofort danach und steckte