MasukMaya spürte, wie die kalte Luft ihre brennenden Lungen verließ. Sie starrte die große, blonde Frau im Raum an. Chloe war ihre beste Freundin seit Kindertagen. Sie hatten all ihre großen Träume und tiefsten Geheimnisse miteinander geteilt. Nun trug Chloe ein weißes Kleid für eine prunkvolle Hochzeit. Julian stand wie erstarrt neben Maya, sein Gesicht kreidebleich. Seine Mutter lächelte der Menge ein diabolisches Lächeln zu. Liam beobachtete das wilde Drama mit einem finsteren Grinsen. Maya wurde in dem lauten Raum übel. Die laute Musik verstummte, und absolute Stille erfüllte den großen Saal.
Chloe schritt mit langsamer Anmut auf den runden Glastisch zu. Sie blickte an Maya vorbei, als wäre sie Luft. Sie blieb vor Julian stehen und lächelte sanft. „Hallo Julian“, sagte sie mit sanfter, hoher Stimme. „Deine Mutter hat mir erzählt, dass du bereit bist, dich niederzulassen. Ich bin von meiner langen Reise zurückgekommen, um dich zu heiraten.“ Maya spürte einen stechenden Schmerz in ihrer Brust. Wie konnte ihre beste Freundin ihr nur so etwas Grausames antun? Maya trat vor und packte Chloes dünnen Arm. Chloe drehte sich um und keuchte angesichts des wütend wirkenden dunklen Kleides.
Maya fragte ihre Freundin, was sie da gerade mache. „Wir sind zusammen aufgewachsen, und du weißt, dass ich diesen Deal brauche.“ Chloe riss ihren dünnen, blassen Arm von Mayas warmherziger Miene los. „Du bist nur eine arme Näherin“, zischte Chloe laut. „Julian braucht eine Frau mit richtigem Geld und königlichem Blut. Ich gehöre in diese Welt der Reichen, aber du nicht.“ Maya spürte, wie sich heiße, feuchte Tränen in ihren großen braunen Augen sammelten. Sie weigerte sich, sie über ihr glühend rotes Gesicht fließen zu lassen. Julian trat zwischen die beiden wütenden, jungen, selbstbewussten und energischen Frauen.
Er sah Chloe mit eiskaltem Blick an. „Ich habe dich nicht gebeten, hierher zurückzukommen, Chloe. Du hast mich vor drei Jahren für einen reichen, älteren Mann verlassen. Du hast kein Recht, hier in einem weißen Kleid zu stehen. Maya ist meine auserwählte Braut, und du wirst jetzt gehen.“ Die gemeine Mutter schlug mit der Hand auf den Glastisch. „Sprich nicht so unhöflich mit deiner wahren Braut. Ich habe Chloe viel Geld in Gold gegeben, damit sie heute zurückkommt. Nur sie ist würdig, unseren Familienring zu tragen.“
Maya stieß ein lautes, bitteres Lachen aus, als sie die reiche, verrückte Frau ansah. „Du hast dir also eine Scheinehe gekauft, genau wie Julian mich. Ihr Reichen seid alle ein und derselbe traurige, kalte Witz. Ihr glaubt, Geld könne wahre Liebe und ein gutes Herz kaufen.“ Chloe funkelte Maya wütend an und hob ihre dünne, lange rechte Hand. Sie holte aus, um der armen Maya eine Ohrfeige zu verpassen. Doch Julian packte ihr Handgelenk hoch in der angespannten, kalten Luft. „Fass meine zukünftige Frau nie wieder an“, warnte er leise.
Maya spürte, wie ein Schwall stolzer Macht ihr junges, warmes Blut durchflutete. Sie brauchte Julian nicht, um all ihre Kämpfe auszutragen. Sie schob seine große Hand weg und stellte sich der blonden Schlange entgegen. „Du hast unsere lange Freundschaft für einen Haufen schmutzigen Geldes verkauft. Ich bemitleide dich, Chloe, weil du kein wirkliches Herz hast.“ Chloe riss ihren Arm los und rieb sich ihr schmerzendes, rotes Handgelenk. „Du wirst dieses lustige Spiel verlieren, Maya, denn ich gewinne immer.“ Die reichen Gäste beobachteten den Kampf mit großen Augen und tuschelten. Die Mutter lächelte und nahm einen Schluck aus ihrem hohen Glas.
Julian drehte Chloe und der gemeinen alten Frau den Rücken zu. Er packte Mayas Hand und zog sie eng an sich. „Wir verlassen diese verrückte Party sofort“, sagte er. „Wenn ihr durch diese riesige Tür geht, verliert ihr die Firma.“ Seine Mutter schrie die Drohung durch den großen, stillen Raum. „Euer Vater hat mir vor seinem Tod das Stimmrecht übertragen. Ich werde euch vom Chefsessel der Firma verdrängen.“ Julian erstarrte, seine breiten Schultern versteiften sich. Maya wusste, wie viel ihm die Firma bedeutete.
Er hatte jeden Tag hart gearbeitet, um das Familienunternehmen zu einem riesigen Vermögen zu machen. Er konnte sein Erbe nicht wegen einer Scheinehefrau verlieren. Sie ließ seine Hand los und trat einen Schritt zurück. „Du musst hierbleiben und auf dich aufpassen, Julian. Unsere Abmachung ist besiegelt, und ich werde heute Abend allein nach Hause gehen.“ Julian sah sie mit panischer Angst in den Augen an. „Nein, Maya“, flüsterte er und griff nach ihrer warmen, kleinen Hand. Liam trat mit einem finsteren Lächeln aus der lauten Menge.
„Ich kann die liebe Maya sicher nach Hause bringen.“ Liam bot der traurigen jungen Modedesignerin seinen Arm an. Julian reagierte blitzschnell und packte Liam am Seidenkragen. „Halt dich von meiner Frau fern, du dreckige, reiche, widerliche Schlange!“ Die Mutter klatschte in die Hände und lachte über den handgreiflichen Streit. „So ist das, wenn man Abschaum in unsere Welt bringt. Er zieht anständige, edle Männer in den dunklen, nassen, hässlichen Dreck.“ Maya konnte die grausamen Worte heute nicht mehr ertragen. Sie raffte die Seiten ihres auffälligen, dunklen, geänderten Kleides zusammen.
So schnell sie konnte, rannte sie auf die schweren Holztüren zu. Die kühle Nachtluft traf ihr nasses, trauriges Gesicht mit voller Wucht. Sie hörte schwere, schnelle Schritte direkt hinter sich. „Maya, warte auf mich!“, rief eine tiefe, laute, kräftige Männerstimme. Sie drehte sich um und sah eine dunkle, riesige Gestalt in der Nacht. Es war nicht Julian, der ihr zu Hilfe eilte. Es war Liam, der eine kleine, scharfe Silberpistole in der Hand hielt. „Steig sofort in mein Auto“, befahl er mit einem hämischen Grinsen.
Maya spürte, wie kalte, rohe Angst ihr müdes, rasendes Herz erfasste. Sie hatte in dieser dunklen, unheimlichen Nacht keinen Zufluchtsort. Er spannte den schweren Metallpistolenverschluss und richtete sie auf ihre Brust. Da dröhnte eine laute, raue Stimme aus der pechschwarzen Dunkelheit.
Das junge Mädchen hielt den Bilderrahmen ruhig in ihren kleinen Händen. Ich starrte auf das sich bewegende Bild im Inneren des Rahmens. Mein eigener erwachsener Körper schwebte in einem hohen Glastank, der mit blassblauer Flüssigkeit gefüllt war. Kabel verbanden meinen Kopf mit einem großen schwarzen Computer über dem Tank. Männer und Frauen in dunkelblauen Kitteln bewegten sich um den Sockel herum und tippten auf flachen, leuchtenden Bildschirmen. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als ich den Blick zwischen dem lebenden Bild und dem Kind hinter dem schweren Eichenschreibtisch hin und her wandern ließ.„Wer bist du?“, fragte ich mit leiser Stimme. „Warum hast du ein Bild von meinem Körper in einem Tank?“Das Mädchen legte den Rahmen vorsichtig auf den Schreibtisch. Dann nahm sie ihren langen Pinsel wieder in die Hand und tauchte die Spitze in eine Schale mit roter Farbe.„Ich bin das erste Versuchsobjekt“, antwortete sie leise. „Ich war das Kind, das vor vierzig Jahren in den Tan
Die kalte schwarze Tinte verschlang das weiche grüne Gras unter meinen Stiefeln. Das warme Sonnenlicht auf meinem Gesicht wurde grau und fahl. Die freudigen Rufe der befreiten Menschen verklangen zu einem dumpfen Echo. Ich starrte auf die blasse Hand, die sich aus der dunklen Erde erhob. Ihre langen Finger hielten einen dicken Papierumschlag. Frisches rotes Blut tropfte von den Rändern herab und tränkte das helle Papier. Mein Name, Maya, war in dunkelroten Buchstaben auf die Vorderseite geschrieben. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel.Ich wollte den Umschlag nicht berühren. Ich wollte mich umdrehen und mit den anderen den grünen Hügel hinunterlaufen. Ich wollte glauben, dass der lange Albtraum endlich vorbei war. Doch die kalte Hand blieb reglos in der wachsenden Pfütze aus schwarzer Tinte stehen. Die dunkle Flüssigkeit breitete sich langsam aus und erreichte die Spitzen meiner Stiefel. Ich wusste, dass das Ignorieren der Botschaft die Gefahr nicht verschwi
Die scharfe goldene Nadel schwebte nur wenige Zentimeter vor meiner Stirn. Ich erstarrte mitten in dem kleinen runden Raum. Mein Herz schlug heftig gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Die klare Flüssigkeit im Glasbehälter wirbelte sanft um das menschliche Gehirn. Tausende winziger Goldfäden pulsierten in einem warmen Licht. Die Stimme aus dem Lautsprecher klang sanft und voller tiefer Liebe. Es war nicht die Stimme der grausamen älteren Frau. Es war nicht die Stimme des Doktors. Es war die Stimme meiner echten Mutter, so wie sie geklungen hatte, bevor die Dunkelheit sie mir genommen hatte.„Beweg dich nicht, mein Kind“, sagte die mütterliche Stimme durch das Lautsprechersystem. „Diese Nadel enthält deine ursprünglichen Erinnerungen. Sie bewahrt die glücklichen Tage, bevor die Maschine unsere Familie auseinandergerissen hat. Lass die goldene Spitze deine Haut berühren. Sie wird deinen umherirrenden Geist wieder mit deinem echten Körper vereinen.“Ich betrachtete die dünne gold
Die riesige eiserne Hand umklammerte uns beide mit ihrem gewaltigen, eiskalten Griff. Die dunklen Metallfinger fühlten sich hart wie massiver Fels an. Ich rang nach Luft, während der Druck meine Rippen zusammenpresste. Neben mir stieß die ältere Maya einen lauten, schmerzvollen Schrei aus. Der Messingschlüssel glitt ihr aus den Fingern und fiel in den dunklen Abgrund unter uns. Wir hingen über dem tiefen Spalt im Glasboden. Weit unter uns drehten sich rote Zahnräder in einem Meer aus glühenden Funken und schwarzem Rauch. Langsam begann die riesige Hand, uns in die finstere Schlucht hinabzuziehen.Ich versuchte verzweifelt, meine Arme aus dem eisernen Griff zu befreien. Der schwere Schraubenschlüssel in meiner Hand prallte gegen den gewaltigen Daumen aus Metall. Ein lauter metallischer Klang hallte durch den riesigen Raum. Doch die gigantische Hand kümmerte sich nicht um meine schwachen Schläge. Unaufhaltsam bewegte sie sich weiter. Ich blickte zu den gewaltigen Säulen hinauf. Aus den
Die Frau mit dem glänzenden Skalpell blickte mich direkt an. In ihren kalten grauen Augen lag keinerlei Wärme. Sie hatte mein Gesicht, doch um ihren Mund zogen sich feine Falten. Sie sah aus wie ich – nur zwanzig Jahre älter. Der riesige Raum war von den durchsichtigen Säulen erfüllt, die ein sanftes blaues Licht ausstrahlten. In der Flüssigkeit schwebten Hunderte Menschen regungslos, mit Kabeln an ihren Köpfen. Ich trat einen Schritt zurück auf den polierten Glasboden. Meine Stiefel erzeugten ein scharfes Klicken, das durch die gewaltige Halle hallte.„Wer bist du diesmal?“, fragte ich sie. Meine Stimme klang klein in der riesigen Halle.Die ältere Frau lachte trocken. Das scharfe Skalpell in ihrer rechten Hand senkte sie nicht.„Ich bin die wahre Maya“, antwortete sie. „Ich bin die Frau, die dieses gesamte System vor dreißig Jahren erschaffen hat. Du bist nur ein neuer junger Klon, der entwickelt wurde, um das Sicherheitsnetz zu testen. David war niemals mein Bruder, und Julian war
Das brennende rote Licht verschlang mein Blickfeld. Der weiche Teppich und der steinerne Kamin verschwanden in der glühenden Hitze. Ich fiel durch einen Strom aus warmroter Flüssigkeit, die sich wie echtes Blut anfühlte. Meine Lungen schnappten nach Luft, doch ich schluckte nur sengende Wärme. Das Lachen des Mannes, der sich David genannt hatte, verklang hoch über mir. Er hatte mein eigenes Vertrauen benutzt, um das Kontrollfeld zu erreichen. Er hatte mich mit einer falschen Kindheitserinnerung getäuscht. Heiße Wut stieg in meiner Brust auf. Ich weigerte mich, ihn dieses letzte Spiel gewinnen zu lassen.Ich trat mit den Beinen und stieß meine Arme durch die rote Strömung. Die Flüssigkeit wurde dünner und heller. Mit einem lauten Platschen durchbrach mein Körper die Oberfläche. Ich stürzte auf einen kalten, harten Boden aus poliertem Beton. Auf dem Bauch liegend hustete ich leuchtend rote Tropfen aus. Sie verwandelten sich in feine Dampfschwaden und lösten sich in der Luft auf. Langsam







