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Kapitel 14

Author: Nikolaus
last update publish date: 2026-06-20 21:15:14

Selene zupfte an Viktors Mantel. „Papa, kommst du mit in den Kreis? Ich will nicht allein tanzen.“

Viktor hob sie hoch, setzte sie auf seine Schultern. „Ich komme mit. Wir alle kommen mit.“

Der Tag verging in fiebriger Vorbereitung. Das Rudel spürte die Veränderung. Die Luft knisterte. Der Wind trug einen fremden Geruch mit sich. Nicht kalt. Nicht nach Schnee. Sondern warm. Nach Sonne. Nach etwas, das nicht hierher gehörte.

Als die Sonne unterging, versammelte sich das gesamte Rudel auf der gro
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  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 68

    „Ich gehe zurück“, sagte er. „Nicht um zu nehmen. Um zu geben.“Eira gab ihm einen Samen. Klein. Aus der Krone des großen Baums gefallen.„Pflanze ihn“, sagte sie. „Wo immer du ankommst. Und wenn er wächst, lass ihn Früchte tragen.“Arvid nahm den Samen. Drückte ihn an die Brust. Dann ging er. Den Pfad hinunter. In die Wälder. Der Wind trug seinen Geruch fort.Von diesem Tag an wanderten mehr Samen. Kinder sammelten sie. Nicht alle. Nur die, die fielen, wenn niemand hinsah. Sie steckten sie in Taschen. In kleine Beutel aus Leder. In hohle Hölzer. Manche trugen sie jahrelang bei sich. Bis sie wussten, wohin sie gehörten.Runa schickte ihre älteste Tochter Freyja mit einem Samen los. Freyja war dreizehn. Stark. Neugierig. Sie ging nicht allein. Drei andere Jugendliche gingen mit. Zwei Jungen. Ein Mädchen. Sie nannten sich die Samenwanderer.Sie kamen zurück. Nach Monaten. Manche mit Narben. Manche mit neuen Liedern. Alle mit leeren Händen. Die Samen waren gepflanzt worden. An Flussufern

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 67: Die Samen, die reisen

    Die Früchte fielen nicht mehr nur unter den Baum. Manche lösten sich von den Ästen, wenn der Wind gerade richtig stand, und rollten den Hang hinunter. Manche wurden von Vögeln gepickt, die nicht fraßen, sondern trugen. Manche blieben einfach liegen, bis ein Kind sie fand und in die Tasche steckte. Niemand zwang sie. Niemand sammelte sie ein wie Ernte. Der Baum hatte gelernt, dass Samen nicht gehalten werden wollten. Sie wollten gehen.Eira war sechsundzwanzig. Ihre Haut hatte die Farbe von poliertem Eichenholz angenommen, warm und tief, doch die silbernen Strähnen in ihrem Haar leuchteten heller denn je. Sie trug jetzt keinen Schattenstoff mehr. Sie trug Kleidung aus Leinen, das die Frauen des Rudels selbst gesponnen hatten, gefärbt mit Beeren und Wurzeln. Das Leinen war rau, aber es atmete. Es erinnerte sie daran, dass sie lebte, nicht nur existierte. Ihre Füße waren immer noch barfuß. Die silbernen Gräser sprossen nicht mehr hinter jedem Schritt. Stattdessen blieb eine Spur aus winz

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 66

    Liesel schloss die Augen. Eine Träne rollte über ihre Wange. Viktor legte den Arm um sie.„Ich habe immer gewusst, dass sie nie wirklich gegangen ist“, sagte Liesel leise. „Sie war nur... woanders.“Viktor nickte. „Der Mond nimmt nichts weg. Er verschiebt nur.“An diesem Abend sang das Rudel anders. Nicht nur für die Vergangenen. Auch für die, die nie ganz gekommen waren. Mira führte den Gesang an. Ihre Stimme war hoch und klar. Runa fiel ein. Tief und warm. Elias summte. Torvald klopfte den Rhythmus mit dem Stock auf den Boden. Aethera webte weiter, doch ihre Finger bewegten sich im Takt. Selene stand am Rand, die blauen Blumen in den Haaren nickten mit.Der Baum sang mit. Die neuen Blätter zitterten. Die Früchte leuchteten. Und irgendwo in der Krone, tief verborgen, leuchtete die neue Frucht mit. Golden. Warm. Vollendet.Die Jahre fielen weiter. Doch nun fielen sie nicht nur nach unten. Sie fielen auch nach innen. In die Wurzeln. In die Erde. In das, was unter dem Hof lag.Eines Tag

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 65

    Die Lieder hatten sich verändert. Früher waren sie wie ein sanfter Strom gewesen, der über die Oberfläche floss und Erinnerungen mit sich trug. Nun kamen sie aus der Tiefe. Aus den Wurzeln. Aus der Erde selbst. Der Schattenbaum hatte aufgehört, nur in die Höhe zu wachsen. Seine Wurzeln breiteten sich aus, unsichtbar für das Auge, aber spürbar für jeden, der barfuß ging. Wer den Hof betrat, spürte es sofort. Ein leises Ziehen unter den Sohlen. Ein Flüstern, das nicht durch die Ohren kam, sondern durch die Knochen.Eira war einundzwanzig. Ihre Augen hatten die Farbe von altem Mondlicht angenommen, silbern mit einem Hauch von Grau, als hätte sie zu viel gesehen und zu wenig vergessen. Sie trug jetzt ein Kleid aus gewebtem Schattenstoff, den Aethera in den langen Nächten gewoben hatte. Der Stoff war leicht, fast durchsichtig, doch er hielt warm, selbst wenn der Wind aus dem Norden kam und Schnee wie Nadeln trieb. Ihre Haare fielen ihr bis zur Taille, und sie flocht sie nicht mehr. Sie lie

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 64

    Jahre vergingen. Eira wurde achtzehn. Nun war sie keine Führerin mehr nur für die Kinder. Das Rudel schaute zu ihr. Nicht weil sie stark war. Sondern weil sie hörte. Weil sie wählte.Eines Winters, als der Schnee so hoch lag, dass die Hütten fast darin versanken, kam ein Fremder.Er war kein Wolf. Nicht ganz. Seine Augen waren zu hell. Sein Gang zu leise. Er trug einen Mantel aus dunklem Fell, das nicht von einem Tier stammte, das hier lebte. Er kam durch den Nebel, als hätte der Nebel ihn geboren.Das Rudel bemerkte ihn sofort. Wachen stellten sich auf. Viktor trat vor das Haus. Liesel neben ihm. Eira trat aus dem Kreis der Kinder.Der Fremde blieb am Rand des Hofs stehen. Er schaute zum Baum. Lange. Sehr lange.„Ich habe das Lied gehört“, sagte er schließlich. Seine Stimme war tief. Rau. Alt.„Welches Lied?“, fragte Eira.„Das goldene. Das von Calder.“Viktor knurrte leise. „Wer bist du?“Der Fremde zog die Kapuze zurück. Sein Haar war weiß. Nicht silbern. Weiß wie Schnee, der nie s

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 63

    Die Jahre sangen weiter, aber nun sangen sie in anderen Tonlagen. Der Schattenbaum hatte seine Krone so weit ausgebreitet, dass sie den gesamten Hof wie ein lebendiges Dach überspannte. Im Sommer filterte das Licht in silbernen Streifen hindurch, im Winter fing der Schnee sich in den Ästen und fiel in leisen Lawinen herab, wenn der Wind nur leise flüsterte. Die Früchte reiften nun nicht mehr nur einmal im Jahr. Sie kamen in Wellen, unvorhersehbar, als hätte der Baum gelernt, dass Erinnerungen nicht auf Jahreszeiten warten.Eira war fünfzehn geworden. Ihre Gestalt hatte sich gestreckt, die kindliche Weichheit war schärferen Linien gewichen. Die silbernen Strähnen in ihrem dunklen Haar hatten sich vermehrt, als hätte jemand flüssiges Mondlicht hineingegossen. Sie trug keine Schuhe mehr, nie. Ihre Sohlen waren hart geworden wie die Rinde des Baums, und wo sie ging, sprossen winzige silberne Gräser nach, die nach ein paar Tagen wieder verschwanden. Die Kinder, die einst klein gewesen ware

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 3: Die Nacht vor dem Duell

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  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 6

    „Ist fast nichts mehr“, sagte er. „Der Mondwolf... er heilt schneller.“Sie sah ihn an. „Was war das heute Morgen? Dieses Leuchten? Diese Gestalt?“Viktor schwieg lange. Dann seufzte er. „Ich weiß es nicht genau. Es war, als hätte etwas in mir gewartet. Etwas Altes. Etwas, das der Mond nur weckt, w

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 5: Der Weg nach Norden

    Die Sonne stand bereits hoch, als der letzte Jubel im Tal der Schattenfelsberge langsam verebbte. Das Blut auf dem Schnee war bereits zu einem dunklen, gefrorenen Fleck geworden, der wie eine Mahnung dalag. Die Menge löste sich auf, nicht hastig, sondern mit einer Ehrfurcht, die schwer in der Luft

  • Mondgebundene Beanspruchung    Kapitel 4: Das Duell im Morgengrauen

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