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Sandelholz

Penulis: Katy
last update Tanggal publikasi: 2026-07-09 03:05:24

Ich hatte keine Ahnung, wer dieser junge Mann war.

Eigentlich hatte ich ihn kaum richtig angesehen.

Alles, woran ich mich erinnern konnte, waren seine hellbraunen Haare, die ihm ständig ins Gesicht fielen, und der graue Hoodie, der offensichtlich mindestens eine Nummer zu groß war.

Als er an mir vorbeiging, bemerkte ich plötzlich, wie sich der Geruch um mich herum veränderte.

Für einen kurzen Moment roch es nicht mehr nur nach Bier, Zigaretten und verschütteten Cocktails.

Da war noch etwas anderes.

Warm.

Ruhig.

Sandelholz, vielleicht. Oder etwas Ähnliches.

Ich konnte es nicht genau einordnen.

Nachdem er auf mein hektisches Nicken nur gelächelt hatte und mit einem leisen „Warte kurz“ geantwortet hatte, verschwand er zwischen den Menschen.

Ich atmete tief durch und versuchte, die Hitze aus meinem Gesicht zu vertreiben.

Reiß dich zusammen, Katy.

Es war nur ein fremder Typ.

Warum also fühlte es sich an, als hätte ich gerade das peinlichste Gespräch meines Lebens geführt?

Bevor ich zu lange darüber nachdenken konnte, wurde der Platz mir gegenüber endlich wieder besetzt.

Zu meiner Überraschung war es tatsächlich Sara.

„Wolltest du nicht eigentlich neue Getränke holen?“, fragte ich und sah sie stirnrunzelnd an.

Ich bemühte mich, möglichst gelassen zu klingen. Das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte, war eine Diskussion darüber, warum ich so abwesend wirkte.

Sara blinzelte mich verwirrt an.

„Wollte ich das?“

Ich nickte.

„Ach … egal.“ Ein breites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus. „Er ist hier!“

Einen Moment lang brauchte ich, um zu verstehen, wen sie meinte.

Natürlich.

Markus.

„Okay …“, sagte ich trocken. „Und was hat er diesmal gemacht? Oder geht es darum, dass er wieder dieses wahnsinnig tolle Shirt trägt?“

Ich verdrehte demonstrativ die Augen.

Jeder andere hätte sofort gemerkt, dass ich von diesem Thema längst genug hatte.

Sara allerdings nicht.

Für sie war mein genervter Unterton keine Warnung, sondern eine Einladung.

„Nein, hör zu! Heute ist es anders“, begann sie begeistert und beugte sich über den Tisch. „Er hat mich eben angelächelt. Also nicht einfach nur so. Er hat mich richtig angesehen. Ich schwöre, da war etwas.“

Ich seufzte leise.

Natürlich war da wieder etwas.

„Ich hab ihn schon von Weitem gesehen“, begann Sara begeistert. „Und du kannst dir nicht vorstellen, wie gut er heute wieder aussieht. Ich schwöre, er muss letztens gelesen haben, dass ich total darauf stehe, wenn Männer ihre Haare so nach vorne tragen.“

Ich hob nur eine Augenbraue.

„Und auf Lederjacken.“

Ich starrte sie einen Moment fassungslos an.

„Moment mal.“ Ich musste kurz lachen. „Willst du mir gerade ernsthaft erzählen, dass du glaubst, er würde seinen Stil ändern … wegen dir?“

Sara runzelte die Stirn.

„Wie kommst du denn darauf?“

„Na, weil du gerade so tust, als hätte er extra für dich seine Frisur geändert.“

„Ach so!“ Sie winkte lachend ab. „Nein, natürlich nicht.“

Ich atmete erleichtert aus.

„Er trägt ja heute gar keine Lederjacke“, fügte sie völlig selbstverständlich hinzu. „Aber sie würde ihm unglaublich gut stehen.“

Ich blinzelte sie an.

„… Was?“

„Na ja, stell ihn dir mal mit einer schwarzen Lederjacke vor.“

„Sara.“

„Was denn?“

„Du freust dich gerade über eine Jacke, die er nicht einmal trägt.“

Sie zuckte grinsend mit den Schultern.

„In meinem Kopf trägt er sie.“

Ich ließ mich seufzend in den Stuhl zurückfallen.

Jetzt verstand ich endgültig gar nichts mehr.

Sie war also völlig aus dem Häuschen wegen einer Jacke, die Markus nicht einmal anhatte.

Das konnte doch kein normales Verhalten sein.

… Oder war am Ende ich die Verrückte?

Nein.

Ganz sicher nicht.

„Du verstehst das einfach nicht, Katy.“ Sara schüttelte den Kopf. „Es geht doch gar nicht darum, dass er die Jacke jetzt trägt. Es geht darum, dass er sie vielleicht bald trägt.“

„Aha.“

„Er muss doch gelesen haben, was ich geschrieben habe. Und schau dir seine Haare an! Genau so, wie ich es toll finde.“

Ich starrte sie einen Moment sprachlos an.

Sie meinte das ernst.

„Sara …“, begann ich vorsichtig. „Wo hast du das denn geschrieben?“

Sie sah mich verständnislos an, als hätte ich gerade den Faden verloren.

„Na, ich hab dir das doch erzählt.“

„Nein.“ Ich schüttelte langsam den Kopf. „Du hast mir geschrieben, dass du seine Haare so magst.“

Sie blinzelte.

„Nicht ihm.“

Einen Moment herrschte Stille.

„Wie genau soll Markus das also gelesen haben?“

Sara öffnete den Mund, schloss ihn wieder und dachte tatsächlich kurz nach.

„… Vielleicht hat er ja irgendwie Zugriff auf unsere Nachrichten?“

Ich ließ den Kopf gegen die Rückenlehne sinken.

„Bitte sag mir, dass das ein Witz war.“

„War es.“

Sie grinste.

Ich atmete erleichtert aus.

„… Aber Zufall kann das mit den Haaren trotzdem nicht sein.“

Natürlich nicht.

Bei Sara war inzwischen alles ein Zeichen.

„Okay.“ Ich nickte langsam. „Er hat also auf magische Weise herausgefunden, dass du darauf stehst, wenn er seine Haare so trägt. Die Lederjacke wird ihm wahrscheinlich auch bald wie von selbst zufliegen.“

Sara öffnete den Mund, aber ich hob sofort eine Hand.

„Aber gut. Sagen wir einfach, ich stelle das alles mal unter ‚Bei Sara ist inzwischen alles möglich‘ ab.“

Ich lehnte mich zurück und sah sie an.

„Wenn er dich aber doch gesehen hat und dich sogar richtig angelächelt hat … warum sitzt du dann wieder hier?“

Ich musterte sie misstrauisch.

„Und jetzt komm mir bitte nicht mit: ‚Weil ich wieder zu dir wollte.‘“

Für eine Antwort kam Sara gar nicht erst.

Ihr Grinsen sagte eigentlich schon alles.

Und genau dieses Grinsen war das Problem.

Denn ich kannte sie lange genug, um zu wissen, dass sie gerade entweder etwas unglaublich Dummes oder etwas unglaublich Unüberlegtes getan hatte.

Wahrscheinlich beides.

Und egal, was es war – es würde mir ganz sicher nicht gefallen.

„Naja, irgendwie muss ich es ja schaffen, dass er merkt, wie perfekt ich für ihn bin“, sagte Sara, als wäre das die logischste Sache der Welt. „Also habe ich ihm einfach gesagt, dass ich mich total freuen würde, wenn er zu uns kommt. Und er hat Ja gesagt.“

Ihr Gesicht strahlte.

Sie sah aus, als hätte sie mir gerade erzählt, dass sie im Lotto gewonnen hatte.

Ich hingegen starrte sie einfach nur an.

„Warte mal.“

Ich blinzelte.

„Kann es sein, dass ich eigentlich nur hier bin, damit du eine Ausrede hast? Damit du ihm sagen kannst: ‚Keine Sorge, ich bin mit einer Freundin hier und stalke dich nicht.‘“

Die Worte kamen schneller aus mir heraus, als ich darüber nachdenken konnte.

Für einen kurzen Moment sah Sara mich irritiert an.

Und ich wartete darauf, dass sie verstand, was ich eigentlich sagen wollte.

Dass ich nicht die Bar meinte.

Dass ich nicht Markus meinte.

Sondern die Tatsache, dass sie gerade völlig vergessen hatte, wie verrückt das Ganze von außen wirkte.

Aber natürlich.

Sara verstand es nicht.

Sie grinste nur.

„Das ist kein Stalking.“

Ich zog eine Augenbraue hoch.

„Nein?“

„Nein.“ Sie schüttelte überzeugt den Kopf. „Das ist … ich zeige ihm nur, wie perfekt ich bin.“

Ich schüttelte wieder einmal den Kopf.

Dieses Mal musste ich allerdings grinsen.

Wie schaffte Sara es eigentlich, aus einem möglichen Stalking-Vorwurf etwas Romantisches zu machen?

Und ganz ehrlich: Solange sie nichts Böswilliges tat, musste ich auch nicht eingreifen.

Markus war schließlich nicht in Gefahr.

Ich hätte auch nie gedacht, dass Sara irgendwann einmal eine Gefahr für jemanden werden könnte.

Aber wie so oft im Leben:

Man konnte sich schneller irren, als einem lieb war.

„Ich hoffe, es stimmt, dass du einen Pornstar Martini wolltest?“

Die tiefe Stimme ließ mich sofort aufblicken.

Ich hatte ihn tatsächlich schon wieder fast vergessen.

Fast.

Doch dann war da wieder dieser Geruch.

Etwas Warmes, Ruhiges, das meinen Kopf für einen Moment einfach still werden ließ.

Und seine Stimme.

Tief und angenehm.

Sie schaffte es irgendwie, alles andere um mich herum auszublenden.

„Wollte ich eigentlich nicht“, sagte Sara sofort und lächelte ihn zuckersüß an. „Aber ich nehme ihn natürlich sehr gerne.“

Sie griff bereits nach dem Glas.

Doch bevor sie es nehmen konnte, zog er leicht die Augenbrauen zusammen.

„Freut mich. Dann hol dir doch gerne einen.“

Er hielt ihr das Glas noch einmal hin.

„Der ist für sie.“

Mein Mund blieb offen stehen.

Nicht, weil er unhöflich gewesen wäre.

Eigentlich war er sogar ziemlich freundlich.

Aber ich konnte mich nicht erinnern, jemals erlebt zu haben, dass jemand Sara so offensichtlich abgewiesen hatte.

Normalerweise funktionierte ihr Charme.

Zumindest dachte sie das.

Doch bevor sie überhaupt die Möglichkeit hatte, sich darüber aufzuregen, wanderte ihr Blick an mir vorbei.

Und plötzlich veränderte sich ihr Gesichtsausdruck.

Denn am anderen Ende des Raumes sah sie ihn.

Markus.

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