LOGINKapitel 30Evander riss seine Lippen mit einem gewaltsamen Ruck von den ihren und hinterließ einen feinen Speichelfaden, der in der dämmrigen Luft abriss. Sein Atem ging rasend schnell und stieß heißen Dampf aus, der Isoldes Stirn traf, auf der sich bereits kalter Schweiß gebildet hatte.„Verdammt! Warum muss dieser Alte ausgerechnet im unpassendsten Moment auftauchen?“, fluchte Evander mit extrem gedämpfter Stimme und strich sich mit zitternden Fingern das schwarze Haar nach hinten, um die tief sitzende Wut in sich niederzukämpfen.Isolde starrte ihn in absoluter Panik an. Ihre molligen Hände umklammerten den Saum von Evanders Hemd mit aller Kraft. „Evander, was sollen wir tun? Wenn Lucien mich hier sieht, fliege ich hochkant aus dem Anwesen!“, wimmerte Isolde mit heftig zitternden Lippen, während ihr Gesicht augenblicklich alle Farbe verlor.„Halt den Mund, Moppelchen. Kein Wort“, zischte Evander. Seine Raubvogelaugen wanderten hektisch durch den Raum, ehe sie an der milchigen Glast
## Kapitel 29 — Die Uhr zeigte ein Uhr nachts. Die Stille der Blackthorne Mansion legte sich wie eine schwere Decke über jeden Winkel des Anwesens. In ihrem Zimmer versank Isolde gerade in einem Albtraum über ihren Ex-Freund, der sich über ihr Gewicht lustig machte, ehe sie schließlich durch ein leises, aber stetiges Klopfen an der Holztür aus ihrem Unterbewusstsein gerissen wurde.*Poch. Poch. Poch.*Isolde stöhnte leise und zog sich die Decke über den Kopf. Doch das Klopfen hörte nicht auf. „Wer ist denn da?“, grummelte sie mit der heiseren Stimme einer gerade Aufgewachten.Schlaftrunken schleppte sie sich zur Tür. Sobald der Schlüssel gedreht war und sich die Tür öffnete, stand Azriel davor. Sein Blick glühte dunkel und scharf im Schatten des Flurs.„Azriel? Was willst du so spät in der Nacht?“, fragte Isolde und rieb sich die verklebten Augen.Ohne große Worte packte Azriel Isolde fest am Handgelenk. Sein Griff war stark, aber nicht schmerzhaft. „Du bist wieder gesund, nicht wahr
## Kapitel 28 —Die Zeiger der Wanduhr im Wohnzimmer der Blackthorne Mansion hatten die zwei Uhr nachts bereits überschritten, als die schwere Eingangstür aus massivem Teakholz leise aufgestoßen wurde. Evander trat mit etwas schwankenden Schritten ein; ein scharfer Geruch von Alkohol, vermischt mit dem Dunst abgestandenen Zigarettenrauchs, breitete sich in der kühlen Raumluft aus. Sein schwarzes Haar war zerzaust, und sein Flanellhemd wirkte an mehreren Stellen zerknittert.*Klick.*Das leise Tippen von Fingern auf einer Glasfläche durchbrach plötzlich die Stille der inneren Eingangshalle. Evander hielt mitten im Schritt inne und wandte den Kopf in Richtung des großen Ledersofas in der Ecke des Raumes.Dort saß Lucien nach wie vor aufrecht mit übereinandergeschlagenen Beinen. Er hatte sein schwarzes Arbeitshemd noch immer nicht abgelegt. Das blaue Leuchten des iPad-Bildschirms in seinen Händen erhellte die starren, markanten Züge seiner Kieferlinie. Der Älteste blickte nicht auf; sein
Kapitel 27Das Klappern von Silbers众Besteck auf Porzellantellern hallte laut durch den geräumigen Speisesaal der Blackthorne Mansion. Der lange Marmortisch, der gewöhnlich Platz für mehr als ein Dutzend Personen bot, wirkte in diesem Augenblick überaus einsam. Die nach Lavendel duftenden Aromatherapie-Kerzen, die in der Mitte des Tisches brannten, erleuchteten lediglich zwei Personen, die sich gegenüber saßen.Lucien schnitt das Wagyu-Steak auf seinem Teller mit überaus präzisen Bewegungen und kaute langsam, bevor er seinen Blick zu den leeren Stühlen auf seiner linken Seite schweifen ließ. „Wo sind meine beiden Brüder?“, fragte Lucien monoton und brach damit die Stille, während er nach einer Stoffserviette griff, um seine sauberen Mundwinkel abzuwischen.Aunt Hiyuni, die nicht weit entfernt stand, trat eilig vor und verneigte sich ehrerbietig. „Der junge Herr Azriel ließ ausrichten, dass er in seinem Atelier noch sehr beschäftigt ist, großer Herr. Er meinte, es gäbe ein Ölgemälde-Pro
## Kapitel 26Der scharfe Geruch von Desinfektionsmittel auf dem Krankenhausflur verblasste langsam und wurde durch eine beklemmende Stille im Krankenzimmer ersetzt. Isolde klammerte sich noch immer an den Rand des eisernen Bettes. Der Abstand zwischen ihrem Gesicht und dem von Lucien schrumpfte völlig zusammen, sodass der warme Atem des großen Herrens über die zarte Haut ihrer Wange strich.„J-ja ...“, piepste Isolde schließlich. Ihre prallen, noch immer spröden Lippen zitterten leicht, als sie das verbotene Aufbegehren in ihrer Brust gestand. Sie senkte den Kopf, unwillig, in Luciens graue Augen zu blicken, die aufblitzten.Anstelle eines Wutausbruchs bewegten sich Luciens große Finger jedoch nach vorne. Der Mann kniff Isolde mit leichtem Druck neckisch in die mollige Wange, sodass sich ihre Lippen drollig spitzten.„Tu so etwas Dämliches nie wieder“, sagte Lucien mit gesenkter Stimme, die von großem Ernst erfüllt war. Er zog seine Hand zurück, richtete sich auf und strich seine Lux
## Kapitel 25 — Das gefährliche SpielDie Atmosphäre im privaten Behandlungszimmer wurde schlagartig extrem still; nur noch das Summen der Klimaanlage war zu hören, deren Luft sich auf der Haut immer kälter anfühlte. Isolde lag weiterhin steif zusammengerollt unter ihrer dicken Decke, kehrte der Tür den Rücken zu und ihr Herz klopfte in einem wilden, unaufhaltsamen Rhythmus.Das Geräusch von Luciens Lederschuhen war zu hören, wie sie näher kamen; die Schritte waren ruhig, aber überaus schwer auf dem Vinylboden. Das Familienoberhaupt der Blackthorns hielt direkt neben dem Bett an und blickte auf den Deckenberg hinab, der Isoldes fülligen Körper verhüllte.Lucien fragte mit tiefer, verhaltener Stimme voller angestauter Entschlossenheit: „Habe ich mir das vorhin nur eingebildet?“Diese rhetorische Frage entglitt seinen schmalen Lippen und ließ Isoldes unter dem Kissen verborgenes Gesicht nur noch heißer entflammen, als würde es im Feuer verbrennen. Sie umklammerte den Rand des Lakens mit







