LOGINSie rief am nächsten Morgen an.Nicht früh, nicht mit dem ersten Kaffee, nicht in dem Moment, in dem der Entschluss noch frisch war und man das Telefonieren aus dem Schwung des Entschlusses heraus tat. Sie wartete, bis der Morgen sich gesetzt hatte — bis sie durch den Garten gegangen war, beim Apfelbaum gestanden hatte, ein paar Äpfel gepflückt hatte, die schwer und reif in der Hand lagen, bis sie den Kaffee getrunken und das Frühstück gemacht hatte, und bis das alles getan war mit der Ruhe von jemandem, der weiß, was als nächstes kommt, und der es kommen lässt, ohne es zu beschleunigen.Dann rief sie an.Berger nahm beim ersten Klingeln ab.„Mara Solis."„Das Projekt ist fertig", sagte Mara. „Ich sage ja."Eine kurze Stille, in der Berger das aufnahm.„Wann können Sie kommen?", fragte sie dann. „Nach Berlin. Ich möchte die Fotos sehen, bevor wir beginnen."„Oktober. Zweite Woche." „Gut." Mara hörte Berger tippen. "Ich schicke Ihnen eine Einladung. Kommen Sie mit jemandem?"Mara dach
Sie rief am nächsten Morgen an.Nicht früh, nicht mit dem ersten Kaffee, nicht in dem Moment, in dem der Entschluss noch frisch war und man das Telefonieren aus dem Schwung des Entschlusses heraus tat. Sie wartete, bis der Morgen sich gesetzt hatte — bis sie durch den Garten gegangen war, beim Apfelbaum gestanden hatte, ein paar Äpfel gepflückt hatte, die schwer und reif in der Hand lagen, bis sie den Kaffee getrunken und das Frühstück gemacht hatte, und bis das alles getan war mit der Ruhe von jemandem, der weiß, was als nächstes kommt, und der es kommen lässt, ohne es zu beschleunigen.Dann rief sie an.Berger nahm beim ersten Klingeln ab.„Mara Solis."„Das Projekt ist fertig", sagte Mara. „Ich sage ja."Eine kurze Stille, in der Berger das aufnahm.„Wann können Sie kommen?", fragte sie dann. „Nach Berlin. Ich möchte die Fotos sehen, bevor wir beginnen."„Oktober. Zweite Woche." „Gut." Mara hörte Berger tippen. " Ich schicke Ihnen eine Einladung. Kommen Sie mit jemandem?"Mara dac
Die Äpfel reiften an einem Donnerstag.Nicht alle — das war nicht, wie Äpfel reiften, das wusste Mara jetzt, nach einem Sommer des Beobachtens. Sie reiften in Wellen, die äußeren zuerst, die der Sonne am nächsten waren, dann die inneren, die im Schatten der Blätter länger brauchten, die Zeit bekamen, die sie brauchten, ohne zu fragen, ob das in Ordnung war.Am Donnerstagmorgen stand Mara im Garten und sah den ersten reifen Apfel.Er hing am unteren Ast, außen, rot und gold, schwer genug, um den Ast leicht zu biegen, die Art von Schwere, die Reife anzeigte, das Wissen des Baumes, wann etwas fertig war. Mara trat heran, hob ihn vorsichtig an, nicht abreiß end, nur prüfend, und er ließ sich lösen mit der Leichtigkeit von etwas, das bereit war, gelassen zu werden.Sie hielt ihn in beiden Händen.Roch daran.Dieser Geruch — reifer Apfel, Sonnenwärme, das Holz des Baumes darunter — war kein Geruch, den man fotografieren konnte. Das war einer der wenigen Momente, in denen sie das Fotografier
August arrived with heat that Ravenmoor had never experienced before, yet it endured it nonetheless.Not the heat of southern cities, which was taken for granted, which was planned for, for which architecture was built, lunch breaks invented, and life organized around it. But the heat that came to visit and didn't know it was a guest, that spread and warmed the sidewalks and made the nights heavy and drove people into the parks because the parks still held the last vestige of coolness, the shade of the old trees.Mara liked the heat.She had never thought this—she had always believed she was an autumn person, a November person even, with the stillness and the gray, the inward turning that the cooler seasons brought. But this August taught her something else—that the heat forced a slowness that she couldn't force, that only forced it, and that this enforced slowness released something.She took the photos more slowly.Not less—but slower, with more time between seeing and pressing the
Der Juli hatte eine Großzügigkeit, die der Juni nicht gehabt hatte.Nicht wärmer — die Temperaturen waren ähnlich, die Ravenmoor-Sommer waren nie extrem, eine Stadt, die nah genug am Wasser lag, um von der Küstenluft gemäßigt zu werden. Aber der Juli hatte Länge. Die Abende, die nicht endeten, das Licht um neun Uhr noch da, warm und schräg und verschwenderisch, die Art von Licht, die Menschen auf Bürgersteige trieb und auf Balkone und in Gärten, weil drinnen zu bleiben in diesem Licht eine Verschwendung war.Mara war viel draußen.Das Projekt wuchs weiter, aber ruhiger jetzt, ohne Dringlichkeit, was bedeutete, dass es sich gesetzt hatte. Die Bilder, die sie machte, kamen nicht aus dem Suchen, sondern aus dem Da-Sein — sie ging durch die Stadt und die Kamera war dabei und manchmal entstand etwas und manchmal nicht, und beides war in Ordnung.Das war der Zustand, den sie anstrebte, und der sich nie planen ließ, der sich nur einstellte, wenn man aufhörte, ihn zu planen.Damian nahm Urlau
Sie kam an einem Dienstag, pünktlich, wie Hildegard Aldenberg immer pünktlich war.Mara wartete am Bahnhof — das war ihre Entscheidung gewesen, ohne Damian, ohne Wagen, einfach sie, auf dem Bahnsteig, im Julisonnenschein, der in Ravenmoor schärfer war als in Konstanz, weniger gemildert vom See. Sie sah den Zug einfahren und die Menschen aussteigen und dann Hildegard, die kleiner wirkte auf dem großen Bahnsteig als in ihrer eigenen Küche, aber genauso aufrecht, mit dem kleinen Koffer, den sie zog, ohne Hilfe zu brauchen oder zu wollen.Kein Kompott.Das hatte Hildegard versprochen, und Hildegard hielt ihre Versprechen.„Ravenmoor", sagte sie, als Begrüßung, und sah sich um auf dem Bahnsteig, die Einschätzung einer Frau, die Städte sofort las. „Es ist anders, als ich dachte." „Wie haben Sie es sich gedacht?"„Größer. Oder kleiner. Eines davon." Hildegard sah sie an. „Es ist genau richtig."Mara hatte das Gästezimmer im Solis-Haus vorbereitet.Das war neu — das Gästezimmer hatte lange l
Ravenmoor schlief nicht gut im Oktober. Das war Maras erste Erkenntnis nach einer Woche, in der sie versucht hatte, die Stadt neu zu lernen wie eine Sprache, die man einmal gesprochen und dann vergessen hatte. Die Wörter kamen zurück, aber die Grammatik stimmte nicht mehr.Am Donnerstag frühmorgens
Zwei Tage nach dem Notartermin kam der Strom zurück ins Solis-Haus, und mit ihm eine Stille, die lauter war als das Dunkel. Mara begann damit, Räume zu inventarisieren. Das war sachlich, praktisch, und ließ keinen Raum für Gefühle, was genau die Intention war.Sie arbeitete von oben nach unten. Das
Das Notariat Schreiber und Partner befand sich in einem dieser alten Ravenmoor-Gebäude, die aussahen, als hätten sie beschlossen, für immer zu existieren, egal was die Stadt um sie herum tat. Mara saß in einem Ledersessel, der zu groß für den Raum war, hielt eine Tasse Kaffee, den sie nicht bestell
The rain was falling sideways, as always in Ravenmoor in October, and Mara Solis sat in a rented car that looked like it had seen better days, staring at the sign at the town entrance. Welcome to Ravenmoor. As if she had ever been welcome.She turned the windshield wipers up. It didn't help much. T







