로그인Kapitel 6
„Scheiße“, entfuhr es ihm heiser, während er sich auf dem Holzboden seines Heim-Fitnessstudios zu einer Reihe von Liegestützen zwang.
Seine Muskeln brannten, Schweiß rann ihm über die Schläfen und klebte ihm die dunklen Haare an die Stirn. Er trainierte mit einer fast selbstzerstörerischen Wut, als könnte er die Erinnerung an sie aus seinen Poren schwitzen. Jede Wiederholung war ein Versuch, den Anblick von Theresas honigfarbenen Augen durch das Brennen der Milchsäure zu ersetzen. Doch es war vergeblich. Auf dem Höhepunkt der Erschöpfung, als seine Arme zitterten und seine Brust sich hob und senkte, war es das Bild ihres weichen, eleganten Halses, das vor seinem inneren Auge auftauchte, nicht die Befriedigung der körperlichen Anstrengung.
Er gab auf, stand auf und ging in die Küche, wo er sich mit einem Handtuch das Gesicht abwischte. Der Kühlschrank war fast leer, ein Beweis für sein geschäftiges Junggesellenleben. Er griff nach einer Wasserflasche und trank gierig; die eiskalte Flüssigkeit bot ihm nur flüchtige Erleichterung. Er setzte sich an den Wohnzimmertisch und klappte seinen Laptop auf, um die Finanztabellen für „Inferno“ zu prüfen. Die Zahlen tanzten vor seinen Augen, eine bedeutungslose Choreografie. Der Gewinn vom Wochenende war beachtlich, doch er starrte ihn nur leer an.
Dann traf ihn der Duft.
Er war subtil, fast unmerklich, ein geisterhafter Duft nach Erdbeere und Honig, der sich in den Stoff seines Hemdes eingeprägt zu haben schien, jenes Hemdes, das er am Abend zuvor getragen hatte, als er sie getragen hatte. Er führte den Stoff an seine Nase, atmete tief ein und schloss die Augen. Es war sie. Es war der Duft ihrer Haut, ihres Haares, ein süßer und doch zutiefst sinnlicher Duft, der seine Sinne überflutete und eine urtümliche Sehnsucht in ihm weckte. Die Erinnerung an das Gewicht ihres Körpers in seinen Armen, die Wärme, die durch ihre Kleidung drang, wie sie sich im Auto an seine Brust geschmiegt hatte – all das kehrte mit der Wucht einer Flut zurück.
Plötzlich stand er auf, der Stuhl knarrte auf dem Boden. Er ging zur eingebauten Bar und schenkte sich zwei Fingerbreit puren Whiskey ein, ohne Eis. Er nahm einen Schluck und spürte, wie die bernsteinfarbene Flüssigkeit in seiner Kehle brannte. Er hoffte, dass das innere Feuer dieses wahnsinnige Verlangen stillen könnte.
Sein Blick wurde wie von einem Magneten angezogen zum Regal über der Bar. Dort, in einem hellen Holzrahmen, hing das Foto. Er, jünger, mit entspanntem Gesicht und einem freundlichen Lächeln, neben Johan, den Arm um die Schulter seines Freundes gelegt. Und zwischen ihnen die junge Theresa mit ihren langen blonden Haaren und einem unbeschwerten Lächeln, das den gesamten Strand im Hintergrund erhellte. Es war ein sonniger, glücklicher Tag. Ein Zeugnis jener Treue, die das Fundament seines Lebens bildete.
Nun betrachtete er das Bild dieses Mädchens und sah die Frau, die sie geworden war. Er sah die Konturen ihrer Lippen, die Intelligenz in ihren Augen, die Stärke, mit der sie Ryan die Stirn geboten hatte. Und Schuldgefühle lasteten schwer auf ihm wie ein bleierner Mantel. Es war ein doppelter Verrat: Johans Vertrauen zu missbrauchen und die Erinnerung an das Mädchen, das er zu beschützen geschworen hatte, zu sexualisieren.
Mit zitternder Hand nahm er das Handy vom Tresen. Das Glas fühlte sich kalt auf seiner Haut an. Seine Finger navigierten durch das Menü, bis er den Kontakt fand. „Theresa.“ Ihr Foto, ein lächelndes Selfie, das er insgeheim liebte, füllte den Bildschirm. Sein Daumen schwebte über dem Anrufknopf. Sein Puls raste, pochte in seinen Schläfen. Er wollte, mit einer Intensität, die ihn erschreckte, ihre Stimme hören. Er wollte die Gewissheit, dass es ihr gut ging, aber mehr noch, er wollte die Verbindung.
„– Nein –“, knurrte er vor sich hin und zog den Finger zurück.
In einem Anfall von Frustration spannte sich sein Arm an, seine Muskeln verkrampften sich, und beinahe, beinahe, warf er das Gerät gegen die gegenüberliegende Wand. Doch er unterdrückte den Impuls. Sein Atem ging schwer. Stattdessen öffneten seine widerspenstigen Hände die Nachrichten-App. Mit fieberhafter Entschlossenheit tippte er drei einfache Worte: Ist alles in Ordnung?
Er starrte auf die ungesendete Nachricht. Die schwarzen Buchstaben auf dem weißen Hintergrund schienen ihn anzuklagen. Es war eine harmlose Frage, doch voller tiefer Bedeutung. Es war eine Brücke, die er nicht überqueren konnte. Mit einem qualvollen Stöhnen drückte sein Finger die Löschtaste. Die Nachricht verschwand, doch das Verlangen, dieser heimtückische Dämon, blieb, stärker denn je.
***
Theresa schloss die Tür zu ihrer Wohnung und seufzte tief und langsam. Ihre Handtasche glitt von ihrer Schulter und landete mit einem leisen Plumps auf dem Sofa. Statt der erwarteten Erschöpfung durchströmte sie eine seltsame, lebendige Euphorie. Die Konfrontation mit Ryan hatte sie nicht ausgelaugt, sondern gestärkt.
Der verflossene Zorn hatte einen festen Kern der Gewissheit hinterlassen. Sie war nicht länger die betrogene Braut, das Opfer. Sie war eine Frau, die sich ihren Platz, ihre Würde und ihre Zukunft zurückerobert hatte. Die Leichtigkeit war beinahe berauschend. Sie ging zum Wohnzimmerfenster und beobachtete, wie die Stadt in der Dämmerung zu erstrahlen begann. Jedes einzelne Licht, das aufleuchtete, war wie ein Ja zu ihrer neu gewonnenen Freiheit.
„Theresa …“, flüsterte er, und ihr Name klang wie eine Warnung und ein Gebet zugleich. Ein letzter Appell an eine Vernunft, die rasch verblasste.„Hector …“, erwiderte sie, und es war keine Bitte aufzuhören. Es war eine Einladung. Eine stille, mächtige Zustimmung.Es war das Zeichen, auf das sein Fleisch, nicht sein Verstand, gewartet hatte. Hector beugte sich vor. Langsam, ihr und sich selbst jede Gelegenheit gebend, zurückzuweichen. Aber Theresa wich nicht zurück. Im Gegenteil, sie kam ihm entgegen, ihre Augen schlossen sich in Erwartung.Ihre Lippen waren nur noch Haaresbreite voneinander entfernt. Die äußere Welt, der Jazz, der Duft der Kerzen, die Stadt draußen – alles verschwand. Alles schrumpfte auf diesen winzigen Raum zwischen ihren Mündern zusammen, auf die geteilte Hitze, auf den keuchenden Atem, der sich vermischte. Er konnte sie fast schmecken, den süßen Geschmack von Wein und etwas, das ganz und gar sie war.Und dann, genau in dem Moment, als sich ihre Lippen endlich ber
Hector nahm die Salatschüssel, um sie ihr zu reichen, und ihre Finger berührten sich kurz am Geschirr. Ein Stromstoß des Bewusstseins.„Viel zu tun. Wie immer. Das ‚Inferno‘ verlangt eine Menge Aufmerksamkeit, aber Salvior macht seine Sache gut“, antwortete er und vermied Details. Der Nachtclub war seine Welt, eine Welt, zu der sie nicht gehörte, eine Welt, die er plötzlich nicht in diese heilige Wohnung bringen wollte. „Und du? War der brasilianische Literaturkurs so schlimm, wie du erwartet hast?“Sie lachte, und das Geräusch war wie ein Sonnenstrahl.„Schlimmer. Ich war zu spät, aber der Professor war gut gelaunt. Und eigentlich war es ziemlich produktiv. Ich arbeite an einer Hausarbeit über die Darstellung von Frauen im Modernismus und habe einige interessante Ideen bekommen.“Er beobachtete sie beim Sprechen, beobachtete sie wirklich. Ihre Augen leuchteten vor Leidenschaft für das Thema, ihre Gesten waren ausdrucksstark. Sie war intelligent, nicht nur schön. Und das war unendlich
Theresa lief zum fünften Mal den Flur entlang und richtete den Esstisch zum dritten Mal. Das Outfit, das sie nach drei gescheiterten Versuchen ausgewählt hatte, war ein Meisterwerk kalkulierter Schlichtheit: enge Jeans, die sich an ihre Kurven schmiegten, und ein dünnes Stricktop unter einem grauen Tanktop, das ihre Schultern freiließ und den dünnen Träger des Tops sichtbar machte – mehr andeutend als zeigend. Es war lässig, aber unleugbar sinnlich.Mit einer letzten Korrektur am Griff eines Besteckteils ging sie zum Spiegel im Eingangsbereich. Ihre honigfarbenen Augen, sonst so ruhig, funkelten vor nervöser Vorfreude. Ein Anflug von Zweifel überkam sie. Was tat sie hier eigentlich? Sie versuchte, den besten Freund ihres Vaters zu verführen? Den Mann, der sie vor wenigen Nächten wie eine betrunkene Last nach Hause getragen hatte?Sie holte tief Luft und betrachtete ihr eigenes Spiegelbild. Die Frau im Spiegel war nicht mehr die zerbrechliche, betrogene Braut. Sie war jemand, der eine
Sie musste es teilen. Sie brauchte den Verstand und den scharfen Humor ihrer besten Freundin. Sie nahm ihr Telefon und wählte Albias Nummer.„Hey, du befreite Frau!“, hallte Albias fröhliche Stimme durch die Leitung, noch bevor sie ein Hallo sagen konnte.Theresa lachte – ein echtes, leichtes Lachen, das sie schon lange nicht mehr von sich gegeben hatte.„Du weißt es schon?“„Natürlich weiß ich es. Das gossipsüchtige Universum vibriert bei Neuigkeiten wie diesen. Außerdem klingt deine Stimme anders. Sie wirkt … leichter. Erzähl mir alles.“Theresa ließ sich auf die Couch fallen, zog die Beine an die Brust und erzählte von der Begegnung mit Ryan vor der Uni. Sie beschrieb den lächerlichen Blumenstrauß, seinen jämmerlichen Gesichtsausdruck und jedes schneidende Wort, das sie wie eine Klinge ausgespuckt hatte.„Und dann stand er da, während die Rosen auf dem Bürgersteig moralisch verwelkten. Es war herrlich, Albia. Das Buch Ryan ist geschlossen.“„Und möge der nächste Band viel interessa
Kapitel 6„Scheiße“, entfuhr es ihm heiser, während er sich auf dem Holzboden seines Heim-Fitnessstudios zu einer Reihe von Liegestützen zwang.Seine Muskeln brannten, Schweiß rann ihm über die Schläfen und klebte ihm die dunklen Haare an die Stirn. Er trainierte mit einer fast selbstzerstörerischen Wut, als könnte er die Erinnerung an sie aus seinen Poren schwitzen. Jede Wiederholung war ein Versuch, den Anblick von Theresas honigfarbenen Augen durch das Brennen der Milchsäure zu ersetzen. Doch es war vergeblich. Auf dem Höhepunkt der Erschöpfung, als seine Arme zitterten und seine Brust sich hob und senkte, war es das Bild ihres weichen, eleganten Halses, das vor seinem inneren Auge auftauchte, nicht die Befriedigung der körperlichen Anstrengung.Er gab auf, stand auf und ging in die Küche, wo er sich mit einem Handtuch das Gesicht abwischte. Der Kühlschrank war fast leer, ein Beweis für sein geschäftiges Junggesellenleben. Er griff nach einer Wasserflasche und trank gierig; die eis
Kapitel 5Er betrat den Raum, der in ein beängstigend einladendes Zwielicht getaucht war. Diese Stille war für Hector in diesem Moment einfach ein weiterer Ort des Trostes und der Ruhe, der perfekte Zufluchtsort für eine gequälte Seele.Hector ging zu seinem massiven Ledersessel. Er ließ sich nieder, sein Körper sank leicht in das Leder ein, und nahm eine imposante Haltung ein, die reine Fassade war. Seine Ellbogen ruhten auf den Armlehnen, seine Fingerspitzen berührten sich unter seinem Kinn. Seine Augen, sonst so konzentriert und wach, starrten ins Leere; das gerahmte Porträt seiner Lieblingsbaseballmannschaft an der gegenüberliegenden Wand war nichts weiter als ein formloser Fleck.„Was zum Teufel soll ich mit meinem Leben anfangen?“ Die Frage war ein heiseres Flüstern, erfüllt von einer Qual, die die Stille des Raumes aufzusaugen und zu verstärken schien. Wie sollte er mit diesem Verlangen umgehen, das wie ein unkontrolliertes Feuer in ihm wuchs? Wie sollte er seine jahrzehntelang
Kapitel 4„Verdammt, Salvior!“, brüllte Hector mit geballten Fäusten, seine Stimme hallte in der nun fast leeren Halle wider. „Wenn alles schon geklärt war, warum zum Teufel hast du mich dann hierher bestellt? Ich hatte gerade meinen einzigen freien Tag der Woche!“Salvior, der sich bereits vom Feu
Kapitel 3Hector verabschiedete sich nach dem Mittagessen von Theresa. Er ließ sie mit Schmetterlingen im Bauch und der Erwartung zurück, ihn wiederzusehen. Obwohl nichts zwischen ihnen passiert war, hatte die sexuelle Spannung im Raum bei beiden den verrückten Wunsch geweckt, die Grenze des Verbot
Kapitel 2Theresa erwachte mit furchtbaren Kopfschmerzen, eine Folge des Alkoholkonsums der vergangenen Nacht. Sie setzte sich im Bett auf und verzog genervt das Gesicht, als das Licht durchs Fenster strömte. Sie konnte sich kaum erinnern; sie war in einen Nachtclub gegangen, um zu trinken und Spaß
„Noch einen, Barkeeper“, sagte Theresa zu dem Mann hinter der Theke.Er nickte und schenkte ihr mit seinem Tequilaglas einen weiteren Shot ein.„Meinst du nicht, das reicht für heute?“, fragte eine raue, tiefe Stimme in Theresas Nähe. Sie drehte sich um, um zu sehen, wem diese verführerisch-sexy St







