Das Wort Freund ist eng, winzig, lächerlich im Vergleich zu all dem, was wir durchgemacht haben. Aber es ist das Einzige, das ich aussprechen kann, ohne das Gefühl zu haben, mich selbst zu verraten. Das Einzige, das mir nicht den Magen umdreht. Das Einzige, das es mir erlaubt voranzukommen, ohne zurückzublicken. »Freund«, wiederholt er, als ob er das Wort zum ersten Mal schmecken würde. »Das ist alles, was ich im Moment anbieten kann. Vielleicht später. Vielleicht nie. Ich weiß es nicht.« Ich lüge nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nicht, ob ich ihn eines Tages berühren kann, ohne mich zu erinnern. Ihn küssen kann, ohne Angst zu haben. Ihn lieben kann, ohne mich selbst zu hassen. Ich weiß nicht, ob Vergebung möglich ist, ob sie wünschenswert ist, ob sie gesund ist. Ich weiß nichts, außer dass meine Tochter einen Vater braucht und dass dieser Mann, trotz allem, was er getan hat, der Einzige ist, der zählt. Er nickt. Lange. Seine Augen glänzen, aber er weint nicht. Noch ni
Read More