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Kapitel 3 — Bryn

last update 게시일: 2026-07-08 03:50:38

Der Schlaf kam nicht, und Bryn hatte aufgehört, ihn zu suchen.

Sie lag auf ihrer Bank, den Umhang bis zum Kinn gezogen, und lauschte den Geräuschen des Langhauses in der Nacht — das Knistern der letzten Glut, das Rascheln von Stroh, wenn sich jemand im Schlaf drehte, das leise, gleichmäßige Atmen ihrer Schwester zwei Bänke weiter. Irgendwo hinter der Trennwand blökte eine Ziege, kurz und unwillig, und verstummte wieder. Draußen strich der Wind ums Dach, fuhr in Böen durch das Rauchloch, sodass die letzte Glut kurz aufflackerte und Schatten über die geschwärzten Balken warf.

Sie dachte an Gunnhilds Worte, drehte sie wieder und wieder, wie man einen Stein in der Hand dreht, um zu sehen, ob er unter jedem Winkel gleich hart bleibt. Dein Vater ist tot. Es klang nicht wahrer, egal wie oft sie es sich vorsagte. Es klang nur wie das, was Gunnhild brauchte, damit es wahr würde.

Irgendwann, als das Feuer fast erloschen war und selbst das Atmen der anderen ruhig und tief genug klang, schwang sie die Beine von der Bank.

Der Boden war kalt unter ihren nackten Füßen, die gestampfte Erde hart wie Stein. Sie bewegte sich langsam, tastete sich an der Wand entlang, vermied die Stelle, wo ein loser Bodenstein knarrte, wenn man ihn falsch trat — sie kannte jeden dieser Fehler im Haus, seit sie klein genug gewesen war, um sich nachts hinauszuschleichen und die Sterne zu zählen. Ihre Hand fand die raue Wolle ihres Umhangs, den sie sich über die Schultern zog, dann den Ledergurt mit dem Saex, den sie sich um die Hüfte schnallte, so leise, dass nicht einmal das Leder knarzte.

Dann blieb sie vor der Wand stehen, wo Halfdans Axt und sein Jagdmesser hingen, matt vor Staub im schwachen Glutlicht.

Ihre Finger zögerten über dem Griff der Axt, bevor sie weiterwanderten, zum kleineren Messer daneben — leichter zu tragen, leichter zu verbergen, und doch das Stück, das ihr mehr bedeutete: die geschnitzten Runen am Knauf, die ihr Vater selbst eingeritzt hatte, in einem Winter, an den sie sich kaum noch erinnerte, außer an seine Hände, die ihre eigenen kleinen Finger um den Griff gelegt hatten. Für den Tag, an dem du deine eigene Klinge brauchst und keine andere zur Hand ist. Sie nahm es von der Wand. Das Leder der Scheide war brüchig geworden, aber die Klinge, als sie sie halb aus der Scheide zog, glänzte noch immer, ungetrübt vom Staub, der sich außen abgesetzt hatte — als hätte irgendjemand sie all die Monate über heimlich gepflegt.

Sie sah zu Gunnhild hinüber, die auf der anderen Seite der Feuerstelle schlief, das Gesicht im Schlaf weicher als am Tag, fast wieder das Gesicht, das es vielleicht einmal gewesen war, bevor zwei Ehen und eine fremde Sippe es geformt hatten. Für einen Herzschlag fühlte Bryn etwas, das fast wie Schuld war. Dann dachte sie an Ravnar, an die Sonnenwende, an ein Leben, das andere für sie entschieden hatten, und die Schuld verhärtete sich wieder zu Entschlossenheit.

Sie verstaute das Messer unter ihrem Umhang und schlich zur Tür.

Draußen war die Nacht klar und bitterkalt, der Himmel übersät mit Sternen, die über dem Fjord so hell brannten, dass sie sich im schwarzen Wasser spiegelten wie verstreute Silbermünzen. Ihr Atem hing als weiße Wolke vor ihrem Gesicht. Sie bewegte sich am Rand der Häuser entlang, im Schatten der grasbewachsenen Dächer, vorbei am Vorratsschuppen, dessen Tür sie mit geübten Fingern öffnete — sie kannte das knarrende Scharnier, hob die Tür leicht an, während sie sie aufzog, ein Trick, den sie als Kind gelernt hatte, um nachts Honig zu stehlen.

Getrocknete Fischstreifen, hart wie Holz. Ein Stück gehärteter Käse. Sie wickelte beides in ein Tuch, das sie sich unter den Gürtel schob, und zögerte einen Moment vor dem Mehlsack — nein, zu schwer, zu auffällig, wenn er fehlte. Man würde ohnehin bald genug bemerken, was fehlte. Sie musste klug wählen, nicht gierig.

Ein Geräusch ließ sie erstarren — Schritte, leicht, aber nicht leise genug für eine Katze.

„Ich dachte, du übst nur bei Tageslicht."

Toke stand am Zaun, eingehüllt in einen dicken Umhang, das Gesicht im Sternenlicht kaum mehr als ein heller Fleck mit dunklen Schatten, wo Augen und Mund waren. Er hatte offenbar nicht geschlafen, oder war früh aufgewacht, um nach der Esse zu sehen, die nachts nie ganz ausgehen durfte.

„Ich konnte nicht schlafen." Es war nicht einmal gelogen.

Er sah auf das Tuch an ihrem Gürtel, auf die Wölbung, die der Käse und der Fisch darunter bildeten, und sagte eine Weile gar nichts. Der Wind strich zwischen ihnen hindurch, trug den Geruch von kaltem Rauch aus der erlöschenden Esse seines Vaters.

„Du gehst", sagte er schließlich. Keine Frage.

Bryn öffnete den Mund, um es abzustreiten, und schloss ihn wieder. Es hatte keinen Sinn, Toke etwas vorzumachen — er kannte sie zu lange, seit sie beide klein genug gewesen waren, um gemeinsam im Schlamm nach Krebsen zu suchen.

„Wenn du es Gunnhild sagst —"

„Werde ich nicht." Er sagte es einfach, ohne Zögern, und etwas in Bryns Brust löste sich ein wenig. „Aber du wirst frieren, bevor du auch nur den ersten Höhenzug erreichst, wenn du in dem Umhang gehst."

Er verschwand kurz zwischen den Schatten der Häuser und kam mit einem zweiten, dickeren Fell zurück — ihr eigenes, erkannte sie, das sie im letzten Winter beim Schmied hatte ausbessern lassen und dann vergessen hatte, abzuholen.

„Ich wollte es dir ohnehin bringen." Er reichte es ihr, und für einen Moment berührten sich ihre Finger, kalt und rau beide. „Wohin gehst du?"

„Ich weiß es noch nicht genau." Es war die Wahrheit, so unbequem sie klang. „Erst einmal weg. Dann werde ich sehen, wohin die Spur meines Vaters führt."

Toke nickte langsam, als hätte er nichts anderes erwartet. „Er würde stolz sein", sagte er, und es klang nicht wie ein Trost, den man einfach so dahinsagt, sondern wie etwas, das er wirklich glaubte. „Aber pass auf dich auf. Die Welt jenseits des Fjords ist nicht wie hier."

„Ich weiß, wie man kämpft."

„Das weiß ich." Ein kurzes, schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht, verschwand wieder. „Aber Kämpfen ist nicht alles, was dort draußen tötet."

Sie hatte keine Antwort darauf, also nickte sie nur, schlang das zweite Fell um ihre Schultern, und für einen Moment standen sie beide einfach da, im Sternenlicht, ohne etwas zu sagen, während irgendwo am Ufer eine einsame Möwe schrie, obwohl es noch tiefe Nacht war.

„Geh jetzt", sagte Toke schließlich, leise. „Bevor ich es mir anders überlege und dich doch aufhalte."

Bryn drehte sich um, warf einen letzten Blick zurück auf die schlafenden Dächer von Rangvik, auf den Rauch, der träge aus den Firsten stieg, auf das Langhaus, in dem ihre Schwester und ihre Stiefmutter schliefen, ahnungslos, dass diese Nacht die letzte war, in der alles noch war, wie es immer gewesen war.

Sie würde nicht heute gehen. Nicht in dieser Sekunde, mit einem halbgefüllten Tuch Proviant und einem geliehenen Fell. Aber der Entschluss war jetzt so fest wie die Klinge an ihrem Gürtel, und als sie sich zurück zur Tür des Langhauses schlich, um die restliche Nacht in wachem Halbschlaf zu verbringen, wusste sie: Es würde nicht mehr lange dauern.

Die nächste Nacht vielleicht. Oder die übernächste.

Aber sie würde gehen.

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